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Blick vom Bregenzerwald auf den Bodensee - Foto © O-Ton

Mittendrin sein

Seit 1994 findet die Schuber­tiade auch in Schwar­zenberg statt, einer Gemeinde im Bregen­zerwald mit annähernd 2.000 Einwohnern. Von April bis Oktober veran­stalten die beiden öster­rei­chi­schen Gemeinden Hohenems und Schwar­zenberg das Kammer­musik-Festival in den Bergen am Bodensee. Wer sich darauf einlässt, bekommt aller­dings weit mehr geboten als exquisite Konzerte im Angelika-Kauffmann-Saal.

Alte Gasthöfe wirken einladend – Foto © O‑Ton

Eine Woche Schwar­zenberg – welch ein Erlebnis! Fast schon ehrfürchtig betritt man am ersten Tag den Angelika-Kauffmann-Saal, wohl wissend, welche großen Künstler der Kammer­musik, welche weltweit geschätzten Größen des Liedge­sangs hier schon ihren Auftritt hatten. Die Lieder­abende sollen es sein, und die Organi­sa­toren haben sich alle Mühe gegeben, die Woche spekta­kulär beginnen zu lassen, gleich zwei Lieder­abende läuten sie ein.

In diesem Juni-Zyklus 2024 haben sie Glück, das Wetter spielt fast die ganze Woche mit, sind auch die ersten beiden Tage noch etwas frischer, werden dann schon die kleinen Kleidchen, die neuen Jumpsuits und die alther­ge­brachten Dirndl getragen. Letztere nur von den Einhei­mi­schen, die sie mit Stolz präsen­tieren, ihre „Juppe“, bei der das gesamte Gewand nach dem Rock benannt ist, wie eine Wäldlerin erzählt.

Aber insgesamt ist die Kleider­ordnung sehr moderat bei diesem Festival, manche kommen direkt vom Berg mit Wander­schuhen und Rucksack an, manche mit noch feuchten Haaren vom Schwimmbad, manche Herren in kurzen karierten Hemden, manche im Anzug. Einige haben sich sorgfäl­tigst gestylt, einige gar nicht, alles ist hier erlaubt. Jeder hat seinen indivi­du­ellen Platz im großen Ganzen und fühlt sich wohl, so, wie er ist. Und jeder wird von den Damen an der Garderobe oder am Einlass, die einen willkommen heißen, auf die freund­lichste Art und Weise begrüßt, persönlich angesprochen und eventuell auch als Stammgast erkannt, der schon seit Jahrzehnten hierherkommt.

Das Hierher-Kommen, das Ankommen, hat natürlich auch seine besondere Bedeutung. Viele fahren mit dem Privatauto hier hoch, entweder über Egg oder übers „Bödele“, den maleri­schen kleinen Pass von Dornbirn herauf und wird mit einem majes­tä­ti­schen Blick über das Hochplateau belohnt. Und man hat es wahrscheinlich gar nicht bemerkt, dass man an einem Wohnmobil vorbei­kommt, das einen Künstler der Schuber­tiade beher­bergt, der auf seinen vielen Konzert­reisen auf die im Vergleich unper­sön­liche Atmosphäre in Hotels verzichtet. Viele kommen auch mit einer Busreise oder dem Linienbus, zum Teil quer durch Öster­reich, die Schweiz, Deutschland, die Nieder­lande oder sogar England angereist. Die Zuschauer wohnen überall. Natürlich in Schwar­zenberg selbst, in den alten Gasthöfen unter­schied­licher Ausstattung, in denen die Zimmer zur Zeit der Schuber­tiade meist schon auf Jahre hinweg vorre­ser­viert werden. Andere in den Ferien­woh­nungen, Fremden­zimmern, die die Einhei­mi­schen gerne zur Festi­valzeit und auch sonst anbieten. Aber auch die umlie­genden Ortschaften sind gut besucht von den Kammer­mu­sikfans wie von den Künstlern selbst, die dort etwas mehr Anony­mität genießen können, als in Schwar­zenberg selbst, wenn sie das möchten.

Mit allen Sinnen erleben

Wäldlerin in Juppe – Foto © O‑Ton

Denn ansonsten läuft man im Festi­valdorf selbst den großen Namen über den Weg. Ganz unauf­geregt, direkt nach oder zwischen den Konzerten begegnen einem Tobias Feldmann und Lauma Skride in Freizeit­kleidung, nur erst einmal durch die Violine auf dem Rücken des Geigers zu erkennen, ganz anders sehen sie aus als im Konzert­dress. Nach den Konzerten geben viele Künstler im Foyer am runden Tischchen noch Autogramme, schreiben freund­liche Sätze in Programm­hefte und unter­halten sich ausführlich und herzlich mit den Besuchern. Und auch der Künstler hat Hunger, wird nach den Konzerten vom Leiter des Festivals, Gerd Nachbauer, an den langen Tisch im Gasthof Krone einge­laden, im Gastraum, nicht weit von den übrigen Tischen. Ansonsten trifft man dort an den anderen Abenden schon auch auf die Betei­ligten. Daniel Heide lebt eine Woche auf dem Plateau und ist für kleine Schwätzchen durchaus zu haben. Konstantin Krimmel, der im nächsten Jahr noch inten­siver dabei sein wird, bringt seine Chihuahuas mit zum Essen, alles ganz natürlich, ganz familiär. Man kostet natürlich die Gerichte, für die die Gegend bekannt ist: Kässpatzen, Tafel­spitz, Tiroler Knödel­suppe, Kaiser­schmarrn und ähnliches.

Die Konzerte selbst sind bis auf wenige Ausnahmen nahezu ausver­kauft. Ticket­preise von 35 bis 89 Euro liegen etwas höher als im Münchner Prinz­re­gen­ten­theater und in der Wigmore Hall in London. Man bucht hier aber auch nicht nur ein Konzert, man bucht ein Gesamt­erlebnis, das einen aus dem Alltag heraus­ka­ta­pul­tiert. Eine grandiose Landschaft und Gleich­ge­sinnte sind mitin­be­griffen, mit denen man sich schon beim ersten, noch mehr beim zweiten Zusam­men­treffen und erst recht, wenn man beim Essen am Nachbar­tisch landet, sehr angeregt über die Darbie­tungen, über die verschie­denen Stimmen, die unter­schied­lichen Streicher oder Pianisten ausge­tauscht. Man schließt Bekannt­schaften und neue Freund­schaften, verab­redet sich zur Premiere in Bregenz vier Wochen später und hat eigentlich nie das Gefühl, allein bleiben zu müssen, wenn man das nicht will. Man merkt, dass die Welt ein Dorf ist, mit so vielen hat man gemeinsame Bekannte. Ein behütetes Fleckchen Erde, bei dem aller Alltag aus dem Kopf gespült wird.

Troll­blume – Foto © O‑Ton

Man verab­redet sich zu Wande­rungen und Spazier­gängen, und die Landschaft empfängt einen in diesem Jahr mit vom Regen rein gewaschenen Wäldern, saftig grünen, fett glänzenden Wiesen und Wolken in einem vor Blau nur so strah­lenden Himmel. Die Bäche und Flüsse sind gut gefüllt, die Wasser­fälle sprudeln munter den Berg hinunter und die Wanderwege wirken wie heraus­ge­putzt. Oben auf den Bergen, durch die Bergbahnen mit der Gäste­karte kostenlos zu erreichen, findet auch der ungeübte Wanderer ein kleines Paradies: Enzian, Knaben­kraut, an den Stellen, wo der Schnee noch schmilzt, das Alpen­glöckchen. Aber auch Thymian, an den Bachläufen die Sumpf­dot­ter­blumen und als die wunderbare Bewoh­nerin der Wiesen die Troll­blumen mit ihren kugeligen, knall­gelben, großen Blüten­ständen. Auf das gefleckte Knaben­kraut trifft man immer wieder, das eher selten zu sehende Alpen-Bergh­ähnlein, die Herzblättrige Kugel­blume und Bergazaleen, die die Felsen mit ihrem Rot überziehen.

Und die Konzerte selbst? Fernab aller Kritik muss man sagen, dass das Niveau hier oben besonders hoch ist. Presse­leute und Fernseh­teams reisen an, schon vor Beginn der Konzerte herrscht eine kribbelige, aufge­regte Stimmung im Saal, Begeis­terung ist in den Pausen allent­halben zu spüren. Die Künstler stehen manchmal am Anfang recht aufgeregt vorne, vor allem, wenn sie vielleicht noch nicht den ganz berühmten Namen in der Welt haben. Es gilt auch immer wieder, im Programm Neues zu entdecken, neben Altbe­währtem, gerne wieder Gehörtem. Die Besucher sind Feuer und Flamme für die Musik, was sich auch manchmal an Stellen, die ungewöhnlich sind, im Applaus Ausdruck verschafft. Weniger zu verstehen sind Handy­si­gnale, die immer wieder einmal den Genuss stören.

Im Laufe der Woche zeigte sich das Wetter aber nicht nur von der Postkar­ten­seite, gegen Ende gehen heftige Regen­schauer nieder. Aber wer will darüber Unmut äußern, wenn genau in dem Moment, als die junge Sopra­nistin und Einsprin­gerin Erika Baikoff Die junge Nonne singt, bei „Wie brauset durch die Wipfel der heulende Sturm! Es klirren die Balken, es zittert das Haus! Es rollet der Donner, es leuchtet der Blitz!“ ein heftiges Gewitter niedergeht? In Schwar­zenberg spielt eben auch das Wetter mit, bei einem Festival, in das man sich gerne hinein­ziehen lässt, und zu dem man im nächsten Jahr gerne wieder fährt, um Vertrautes und Anhei­melndes zu finden.

Das Programm 2025 ist schon veröf­fent­licht, und auch Tickets können schon gebucht werden.

Jutta Schwegler

Mehr Eindrücke von Schwar­zenberg finden Sie in der Fotogalerie.

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