O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Seit 1994 findet die Schubertiade auch in Schwarzenberg statt, einer Gemeinde im Bregenzerwald mit annähernd 2.000 Einwohnern. Von April bis Oktober veranstalten die beiden österreichischen Gemeinden Hohenems und Schwarzenberg das Kammermusik-Festival in den Bergen am Bodensee. Wer sich darauf einlässt, bekommt allerdings weit mehr geboten als exquisite Konzerte im Angelika-Kauffmann-Saal.

Eine Woche Schwarzenberg – welch ein Erlebnis! Fast schon ehrfürchtig betritt man am ersten Tag den Angelika-Kauffmann-Saal, wohl wissend, welche großen Künstler der Kammermusik, welche weltweit geschätzten Größen des Liedgesangs hier schon ihren Auftritt hatten. Die Liederabende sollen es sein, und die Organisatoren haben sich alle Mühe gegeben, die Woche spektakulär beginnen zu lassen, gleich zwei Liederabende läuten sie ein.
In diesem Juni-Zyklus 2024 haben sie Glück, das Wetter spielt fast die ganze Woche mit, sind auch die ersten beiden Tage noch etwas frischer, werden dann schon die kleinen Kleidchen, die neuen Jumpsuits und die althergebrachten Dirndl getragen. Letztere nur von den Einheimischen, die sie mit Stolz präsentieren, ihre „Juppe“, bei der das gesamte Gewand nach dem Rock benannt ist, wie eine Wäldlerin erzählt.
Aber insgesamt ist die Kleiderordnung sehr moderat bei diesem Festival, manche kommen direkt vom Berg mit Wanderschuhen und Rucksack an, manche mit noch feuchten Haaren vom Schwimmbad, manche Herren in kurzen karierten Hemden, manche im Anzug. Einige haben sich sorgfältigst gestylt, einige gar nicht, alles ist hier erlaubt. Jeder hat seinen individuellen Platz im großen Ganzen und fühlt sich wohl, so, wie er ist. Und jeder wird von den Damen an der Garderobe oder am Einlass, die einen willkommen heißen, auf die freundlichste Art und Weise begrüßt, persönlich angesprochen und eventuell auch als Stammgast erkannt, der schon seit Jahrzehnten hierherkommt.
Das Hierher-Kommen, das Ankommen, hat natürlich auch seine besondere Bedeutung. Viele fahren mit dem Privatauto hier hoch, entweder über Egg oder übers „Bödele“, den malerischen kleinen Pass von Dornbirn herauf und wird mit einem majestätischen Blick über das Hochplateau belohnt. Und man hat es wahrscheinlich gar nicht bemerkt, dass man an einem Wohnmobil vorbeikommt, das einen Künstler der Schubertiade beherbergt, der auf seinen vielen Konzertreisen auf die im Vergleich unpersönliche Atmosphäre in Hotels verzichtet. Viele kommen auch mit einer Busreise oder dem Linienbus, zum Teil quer durch Österreich, die Schweiz, Deutschland, die Niederlande oder sogar England angereist. Die Zuschauer wohnen überall. Natürlich in Schwarzenberg selbst, in den alten Gasthöfen unterschiedlicher Ausstattung, in denen die Zimmer zur Zeit der Schubertiade meist schon auf Jahre hinweg vorreserviert werden. Andere in den Ferienwohnungen, Fremdenzimmern, die die Einheimischen gerne zur Festivalzeit und auch sonst anbieten. Aber auch die umliegenden Ortschaften sind gut besucht von den Kammermusikfans wie von den Künstlern selbst, die dort etwas mehr Anonymität genießen können, als in Schwarzenberg selbst, wenn sie das möchten.
Mit allen Sinnen erleben

Denn ansonsten läuft man im Festivaldorf selbst den großen Namen über den Weg. Ganz unaufgeregt, direkt nach oder zwischen den Konzerten begegnen einem Tobias Feldmann und Lauma Skride in Freizeitkleidung, nur erst einmal durch die Violine auf dem Rücken des Geigers zu erkennen, ganz anders sehen sie aus als im Konzertdress. Nach den Konzerten geben viele Künstler im Foyer am runden Tischchen noch Autogramme, schreiben freundliche Sätze in Programmhefte und unterhalten sich ausführlich und herzlich mit den Besuchern. Und auch der Künstler hat Hunger, wird nach den Konzerten vom Leiter des Festivals, Gerd Nachbauer, an den langen Tisch im Gasthof Krone eingeladen, im Gastraum, nicht weit von den übrigen Tischen. Ansonsten trifft man dort an den anderen Abenden schon auch auf die Beteiligten. Daniel Heide lebt eine Woche auf dem Plateau und ist für kleine Schwätzchen durchaus zu haben. Konstantin Krimmel, der im nächsten Jahr noch intensiver dabei sein wird, bringt seine Chihuahuas mit zum Essen, alles ganz natürlich, ganz familiär. Man kostet natürlich die Gerichte, für die die Gegend bekannt ist: Kässpatzen, Tafelspitz, Tiroler Knödelsuppe, Kaiserschmarrn und ähnliches.
Die Konzerte selbst sind bis auf wenige Ausnahmen nahezu ausverkauft. Ticketpreise von 35 bis 89 Euro liegen etwas höher als im Münchner Prinzregententheater und in der Wigmore Hall in London. Man bucht hier aber auch nicht nur ein Konzert, man bucht ein Gesamterlebnis, das einen aus dem Alltag herauskatapultiert. Eine grandiose Landschaft und Gleichgesinnte sind mitinbegriffen, mit denen man sich schon beim ersten, noch mehr beim zweiten Zusammentreffen und erst recht, wenn man beim Essen am Nachbartisch landet, sehr angeregt über die Darbietungen, über die verschiedenen Stimmen, die unterschiedlichen Streicher oder Pianisten ausgetauscht. Man schließt Bekanntschaften und neue Freundschaften, verabredet sich zur Premiere in Bregenz vier Wochen später und hat eigentlich nie das Gefühl, allein bleiben zu müssen, wenn man das nicht will. Man merkt, dass die Welt ein Dorf ist, mit so vielen hat man gemeinsame Bekannte. Ein behütetes Fleckchen Erde, bei dem aller Alltag aus dem Kopf gespült wird.

Man verabredet sich zu Wanderungen und Spaziergängen, und die Landschaft empfängt einen in diesem Jahr mit vom Regen rein gewaschenen Wäldern, saftig grünen, fett glänzenden Wiesen und Wolken in einem vor Blau nur so strahlenden Himmel. Die Bäche und Flüsse sind gut gefüllt, die Wasserfälle sprudeln munter den Berg hinunter und die Wanderwege wirken wie herausgeputzt. Oben auf den Bergen, durch die Bergbahnen mit der Gästekarte kostenlos zu erreichen, findet auch der ungeübte Wanderer ein kleines Paradies: Enzian, Knabenkraut, an den Stellen, wo der Schnee noch schmilzt, das Alpenglöckchen. Aber auch Thymian, an den Bachläufen die Sumpfdotterblumen und als die wunderbare Bewohnerin der Wiesen die Trollblumen mit ihren kugeligen, knallgelben, großen Blütenständen. Auf das gefleckte Knabenkraut trifft man immer wieder, das eher selten zu sehende Alpen-Berghähnlein, die Herzblättrige Kugelblume und Bergazaleen, die die Felsen mit ihrem Rot überziehen.
Und die Konzerte selbst? Fernab aller Kritik muss man sagen, dass das Niveau hier oben besonders hoch ist. Presseleute und Fernsehteams reisen an, schon vor Beginn der Konzerte herrscht eine kribbelige, aufgeregte Stimmung im Saal, Begeisterung ist in den Pausen allenthalben zu spüren. Die Künstler stehen manchmal am Anfang recht aufgeregt vorne, vor allem, wenn sie vielleicht noch nicht den ganz berühmten Namen in der Welt haben. Es gilt auch immer wieder, im Programm Neues zu entdecken, neben Altbewährtem, gerne wieder Gehörtem. Die Besucher sind Feuer und Flamme für die Musik, was sich auch manchmal an Stellen, die ungewöhnlich sind, im Applaus Ausdruck verschafft. Weniger zu verstehen sind Handysignale, die immer wieder einmal den Genuss stören.
Im Laufe der Woche zeigte sich das Wetter aber nicht nur von der Postkartenseite, gegen Ende gehen heftige Regenschauer nieder. Aber wer will darüber Unmut äußern, wenn genau in dem Moment, als die junge Sopranistin und Einspringerin Erika Baikoff Die junge Nonne singt, bei „Wie brauset durch die Wipfel der heulende Sturm! Es klirren die Balken, es zittert das Haus! Es rollet der Donner, es leuchtet der Blitz!“ ein heftiges Gewitter niedergeht? In Schwarzenberg spielt eben auch das Wetter mit, bei einem Festival, in das man sich gerne hineinziehen lässt, und zu dem man im nächsten Jahr gerne wieder fährt, um Vertrautes und Anheimelndes zu finden.
Das Programm 2025 ist schon veröffentlicht, und auch Tickets können schon gebucht werden.
Jutta Schwegler
Mehr Eindrücke von Schwarzenberg finden Sie in der Fotogalerie.