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Foto © Schubertiade Schwarzenberg

In Sternennächten

LIEDERABEND CHRISTOPH PRÉGARDIEN
(Franz Schubert)

Besuch am
15. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Schuber­tiade, Angelika-Kauffmann-Saal, Schwarzenberg

Gleich zur Eröffnung der Schuber­tiade am Samstag betritt der Großmeister des Liedge­sangs, Christoph Prégardien, die Bühne des Schwar­zen­berger Angelika-Kauffmann-Saales. In seinem Lieder­abend stellt sich der Sänger der schwie­rigen Frage nach der Verbindung von Himmel und Erde, von Diesseits und Jenseits und der Frage nach der Vergäng­lichkeit zu Wasser und zu Land. Und wenn auch im Bregen­zerwald an diesem Abend die Sterne am Himmel nicht zu sehen sind, vielmehr ein leiser Regen fällt, kann man sich fragen, ob der Himmel nicht Tränen des Mitge­fühls vergießt.

Denn Prégardien ist nicht nur ein sehr guter Sänger, er ist in diesem Bereich einer der größten Gestalter überhaupt. Dabei liegt seine Gabe nicht darin, nur Ausdruck zu zeigen, vielmehr glaubt man zu spüren, dass er in seinem tiefsten Inneren angeschlossen ist, dass er nicht nur seine Gefühle dem Publikum vermittelt, sondern dieses in einen Bereich führt, den vielleicht so mancher noch nicht für sich erschlossen hat. Ein langes erfolg­reiches Leben als Sänger liegt bereits hinter ihm, schon als Student war er intensiv in Konzerten tätig, später sang er Lieder­abende, Oratorien und Opern, mit den besten Orchestern und Dirigenten der Zeit.

Gleich zu Beginn macht er klar, worum es geht: In der Fahrt zum Hades aus den Liedern Schuberts nach Gedichten von Johann Mayrhofer begibt er sich in die Zwischenwelt zwischen Leben und Tod. Schon hier zeigt Prégardien, dass er ein Meister der leisen Töne ist. In Freiwil­liges Versinken, der Sonnen­un­tergang als metapho­ri­scher Weg in den Tod, berührt vor allem die Zeile „Ich scheide herrlich, naht die Nacht“. Wie Ulfru fischt kommt munter daher und bringt den philo­so­phi­schen Satz „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht!“, der schon Theodor W. Adorno entzückte. Die Lieder Nacht­violen, Auflösung, Der Alpen­jäger und der Gondel­fahrer, das Lied eines Schiffers an die Dioskuren und Der Schiffer machen deutlich, wie an diesem Abend immer wieder die Wellen der Seen und Meere an den Bühnenrand schlagen, meisterlich in Szene gesetzt von Daniel Heide. Wenn dieser Pianist den Gondeln die Wellen bereitet, sieht man förmlich die Sterne im Wasser blitzen.

Und wenn das auch alles bisher von höchster Güte zeugt, erreichen die beiden Künstler mit Die Sternen­nächte eine andere Ebene. Die Stimme Prégar­diens öffnet sich noch weiter und erlangt in Bezug auf die Sterne mit „sie strahlen heiter“ eine neue Dimension, entfaltet ein noch schöneres Timbre, und der Zuhörer taucht noch tiefer ein in diese „monder­hellten Nächte“. In Abschied nähert man sich wieder dem Tod, im Nacht­stück vor der Pause lässt Mayrhofer den Harfner sterben, bei „Der Alte horcht, der Alte schweigt – Der Tod hat sich zu ihm geneigt“ schaffen Prégardien und Heide einen der Höhepunkte des Abends.

Foto © Schuber­tiade Schwarzenberg

Überhaupt: Daniel Heide. Längst in der ersten Riege der Begleiter angelangt, zeichnet sein Spiel eine besondere Klarheit und Wahrhaf­tigkeit aus. Dabei verzaubert er ganz besonders bei den hellen, den glitzernden Passagen. Er ist immer beim Sänger, schafft auch mit den Tasten die Welten der Dichter und des Kompo­nisten und folgt mit entspanntem Gesicht und freund­licher Zuwendung seinem Partner, große Freude am Spiel zeigend.

Weiterhin geht es um Abschied, aber program­ma­tisch wird dem zweiten Teil mit Liedern nach Gedichten von Friedrich Schiller das Lied Hoffnung voran­ge­stellt. Hektors Abschied lässt Sänger und Pianisten im Dialog mit schönen Farben sowohl Andro­mache als auch Hektor imagi­nieren, An Emma philo­so­phiert über einen möglichen Tod der Liebe, während mit Gruppe aus dem Tartarus die stürzenden Fluten im Klavier schließlich in einer tolldreisten Steigerung die “Sense des Saturns“ zerbrechen lassen. Mit Strophe aus „Die Götter Griechen­lands“ und Sehnsucht betreten Wagemut und Hoffnung die Bühne, bevor der letzte Teil des Abends mit Liedern nach Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe den Zuhörer in gefäl­ligere, gemäßigtere Gefilde führen, übrigens oft etwas tiefer intoniert als noch vor ein paar Jahren.

Des Schäfers Klage und Meeres Stille werden vom sehr lebendig vorge­tra­genen Heiden­röslein aufge­fangen, Jägers Abschied, An den Mond und Willkommen und Abschied mit dem wild galop­pie­renden Pferd in den Tasten schließen das offizielle Programm ab.

Das Publikum im nahezu ausver­kauften Saal dankt es den beiden Künstlern mit großem, begeis­tertem, teils stehendem Applaus. Es gibt zunächst zwei Zugaben, An mein Herz und Der Wanderer nach Friedrich von Schlegel.

Und dann greift der Sänger wiederum tief in die Wunder­kiste Schuberts: Der Zwerg macht zum Schluss alle Vorzüge des Ausnah­me­künstlers noch einmal überdeutlich. Und wir wissen nun mit Sicherheit: Wer immer hofft, stirbt singend.

Jutta Schwegler

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