O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Schubertiade Schwarzenberg

Milde Süße bei einer kräftigen Stimme

LIEDERABEND ERIKA BAIKOFF
(Diverse Komponisten)

Besuch am
21. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Schuber­tiade, Angelika-Kauffmann-Saal, Schwarzenberg

Man sagt ja, dass in Schwar­zenberg die Natur mitspielt, und das spürt man recht deutlich an diesem Freitag. Nicht nur, dass der Regen immer dann einsetzt, wenn man gerade vom Parkplatz im Foyer ist und umgekehrt. Nein, viel besser: Auf der Bühne stimmen Erika Baikoff und ihr Begleiter Joseph Middleton Die junge Nonne von Franz Schubert an, und man glaubt es kaum: ein heftiger Regen­schauer geht über das Plateau herab – passend zum Text „rollet der Donner, es leuchtet der Blitz!“.

Aber nicht nur äußerlich handelt es sich um einen beson­deren Lieder­abend im gut besetzten Angelika-Kauffmann-Saal. Baikoff ist die zweite Einsprin­gerin. War erst Katharina Konradi vorge­sehen, wurde sie zunächst durch Sophie Rennert ersetzt. Die wiederum musste wegen einer Kehlkopf­ent­zündung absagen, so dass Baikoff ins Spiel kam und innerhalb von einem Tag einsprang. Ein Gewinn, ohne die beiden anderen Sänge­rinnen schmälern zu wollen.

Baikoff ist Absol­ventin des Lindemann Young Artist Develo­pment Program der Metro­po­litan Opera, hat Lieder­fahrung durch die Auftritte bei der Schuber­tíada in Spanien und dem Ciclo de Lied und war letztes Jahr zum ersten Mal in Hohenems bei der Schuber­tiade zu hören. Ab der Spielzeit 202425 wird sie Ensem­ble­mit­glied der Bayeri­schen Staatsoper in München sein. Man darf gespannt sein, was diese reiche Stimme auch in der Oper zu bieten hat.

Robert Schumann, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Hugo Wolf rahmen Lieder von Franz Schubert ein, Baikoff zeigt, was sie kann.

Und das ist nicht wenig, fordern doch die verschie­denen Kompo­nisten eine unter­schied­liche Heran­ge­hens­weise der Vortragenden.

Baikoff hat eine reiche Stimme, füllig und weich. Sie singt sich mit Sehnsucht und Lotos­blume frei und zeigt in Aufträge am Ende opern­hafte Ansätze, die keineswegs stören, sondern der Gestaltung dienen. Über einer eher dunkel einge­färbten Mittellage blüht die Stimme im oberen Bereich nochmals auf, ohne das gute Fundament, die Weichheit zu verlieren. Das Requiem packt einen von der ersten Zeile an und schließt wundervoll im dreifachen Pianissimo.

Foto © Schuber­tiade Schwarzenberg

Mit Schuberts Zwerg zeigt sich Baikoffs unbedingter Ausdrucks­wille. Sehr intensiv imagi­niert sie Landschaft und Situation, gibt sie ohne jede Übertreibung die Dialoge wieder. Sie ist der Zwerg, sie ist die Königin. Bei der Tiefe zeigt sie besondere Farben, dunkel und samtig. Auch Middleton setzt in dem schwie­rigen repeti­tiven Klavierpart starke Akzente. Des Fischers Liebes­glück schmei­chelt bei sehr zärtlicher Beschreibung wohl jugend­lichen Liebes­glückes mit leisesten, honig­satten Tönen den Ohren der Hörer.

Mendels­sohns Die Liebende schreibt, Auf Flügeln des Gesanges, Schilflied und das neckisch vorge­tragene Neue Liebe verlangen von der Sängerin wiederum große Bögen und unter­schied­liche Farben.

In Wolfs Liedern der Mignon aus Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe trifft sie den beson­deren Ton für den manchmal etwas spröden Kompo­nisten. Bei Kennst du das Land finden Sängerin und Pianist zu einem drama­ti­schen Ausdruck.

In Schuberts Suleika I nach Goethes West-östlichem Diwan drückt die junge Sängerin überzeugend die ungeduldige Sehnsucht der Geliebten aus. Hier hätte sie noch mehr auf längere Bögen achten sollen. Leider folgt Middleton nicht immer genau der Solistin, so dass manchmal beide etwas ausein­ander liegen. Auch Im Frühling hätte in der Einleitung der Pianist der Sängerin einen bunteren Blumen­teppich ausbreiten können. Baikoff schafft im Schwes­terngruß vom ersten Ton an eine ungeheure Spannung, der ihr Klavier­be­gleiter zunächst nicht folgen kann. Die junge Nonne zeigt zum Schluss noch neue Farben der Sopra­nistin, fahl und hohl klingt „Und finster die Brust, wie das Grab“. Und wie sie am Ende das „Alleluja“ hinflötet – wie man heute so schön sagt: Gänsehautmoment!

Middleton begleitet sie aufmerksam, ist aber im Vergleich zu Daniel Heide mit Boden­haftung versehen. Während letzterer am Ende der Lieder das Pedal mit der größten Sorgfalt unhörbar loslässt, ist Middleton anscheinend schon in Gedanken beim nächsten Lied. Auch das „Glöcklein vom Turm“ in der jungen Nonne entbehrt jeglicher Verlo­ckung, was die Sopra­nistin durch ihr Timbre zum Glück schnell ausgleicht auf dem Weg „zu ewigen Höhn“.

Man möchte sie wieder hören, diese Sängerin – vielleicht mit einem noch sensi­bleren Begleiter – und so ist der Applaus vom Publikum der Schuber­tiade auch begeistert und fordert mit rhyth­mi­schem Klatschen und Trampeln vehement eine Zugabe: Schuberts Frühlings­glaube lässt die Lüfte nochmals durch den Saal wehen, bevor Sängerin und Pianist ein sehr zufrie­denes Publikum zurücklassen.

Jutta Schwegler

Teilen Sie O-Ton mit anderen: