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MANDELRING-QUARTETT – KONSTANTIN KRIMMEL
(Diverse Komponisten)
Besuch am
15. Juni 2024
(Premiere)
Schwarzenberg hat sich fein gemacht: Fahnen wehen zur Begrüßung der Besucher, alle Gasthöfe sind geöffnet, auf den Parkplätzen sieht man Kennzeichen aus Deutschland, der Schweiz, England, den Niederlanden. Eingebettet in die herrliche Gegend des Bregenzerwaldes liegt das Dorf da, bereit für das internationale Publikum der Schubertianer, das jedes Jahr zwei Mal in das Mekka der Kammermusik, in den nahezu ausverkauften Angelika-Kauffmann-Saal, pilgert.
Franz Schubert, der leider schon mit 31 Jahren an Krankheiten starb, die man heute gut heilen könnte, schuf schon im Alter von 18 Jahren Werke wie den Erlkönig. Sein Opus D 112 entstand im Jahr 1814. Es ist noch eng an Vorbilder wie Haydn und Mozart angelehnt, dabei jugendlich und vital. In der Interpretation des Mandelring-Quartetts erklingt es klar, aber etwas distanziert. Nach dem zarten und sehr verhaltenen Anfang folgen deutliche Akzente. Fahl und intensiv kommt der zweite Satz daher, der letzte Satz gestaltet sich intensiver. Primus Sebastian Schmidt gibt seinen Geschwistern Nanette und Bernhard Schmidt und Bratschist Andreas Willwohl deutliche Impulse, stampft auch schon mal mit dem Bein mit. Insgesamt aber wirkt das Ganze etwas zurückhaltend.

Das ändert sich zunächst auch nicht, als Bariton Konstantin Krimmel mit Sieben Liedern von Franz Liszt beginnt, bearbeitet und für Streichquartett arrangiert von Aribert Reimann. Krimmel verfügt über einen relativ hellen, lyrischen Bariton. Er artikuliert sehr ausgeglichen, immer frei auf dem Atem flutend, sehr klar und schnörkellos. Seine Phrasen strömen auf einem langen Atem, und gerade die a‑cappella-Stellen der Lieder geraten zu einem Erlebnis, besonders in Verlassen, dem ersten Lied. Sehr intensiv gestaltet er, jedes Wort ist verständlich, das Vibrato wird sehr sparsam nur an passenden Stellen eingesetzt. Krimmel verfügt zudem über viele Farben, mit denen er die verschiedenen Stimmungen ausdrücken kann. Dabei fließt die Stimme scheinbar endlos immer weiter, immer gleich frisch und bei gutem Legato voll Schmelz und Süße besonders in den leisen Passagen. Die Phrase „Mir wird so leicht“ aus Gebet erschafft er mit großer Emotionalität. Dabei verfügt er über ein gehöriges Potenzial für die Forte-Stellen, drückt nie, lässt alles strömen. Man darf gespannt sein, wie sich die Stimme des gerade mal 31-Jährigen in den nächsten zehn Jahren noch entwickelt.
Das Mandelring-Quartett setzt hier die Bearbeitung Reimanns anfangs noch etwas distanziert um, liefert besonders bei den hellen, träumerischen Passagen die richtige Stimmung und macht im Laufe der Sieben Lieder weiter auf, spielt sich näher an Krimmels Ausdruckswillen heran und wirkt bei den folgenden Fünf Liedern, für Bariton und Streichquartett bearbeitet von Stefan Heucke, endlich auch emotional und tiefgründig.
Bei Ich atmet einen linden Duft begleitet das Ensemble intensiv und sehr auf den Sänger bedacht, und bei Um Mitternacht gelingt allen Mitwirkenden ein Höhepunkt bei „Herr über Tod und Leben: Du hältst die Wacht Um Mitternacht!“, ebenso das „Gute Nacht!“ im Tamboursg’sell.
Ludwig van Beethovens Streichquartett f‑moll, opus 95, das Quartetto serioso, lockt nun das Mandelring-Quartett noch weiter aus der Reserve. Hier geht es hinein in die Dramatik, macht die innere Zerrissenheit deutlich und wird intensiv emotional.
Das Publikum im Angelika-Kauffmann-Saal dankt es den Künstlern mit kräftigem Applaus. Und wenn man im Foyer seine Sitznachbarin fragt, wie es ihr gefallen habe, heißt es: „Natürlich gut, sonst würde man ja nicht hierherkommen.“ Am Montag wird Konstantin Krimmel noch einmal mit Schuberts Schwanengesang und ausgewählten Liedern zu hören sein, sehr zum Gefallen aller vermutlich.
Jutta Schwegler