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NEUES VOM TAGE
(Paul Hindemith)
Besuch am
10. Mai 2018
(Premiere am 4. Mai 2018)
Das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin bringt die Originalfassung der so vom Komponisten bezeichneten Lustigen Oper in drei Teilen Neues vom Tage in einer Neuinszenierung heraus. Paul Hindemith schrieb zwischen 1921 und 1961 insgesamt 16 musikalische Bühnenwerke und mit diesem Werk 1928 ein in jenen Tagen der Weimarer Republik als neue Gattung bezeichnete, sogenannte Zeitoper. Das Stück ist vom Sujet her verwandt mit Richard Strauss‘ gleichzeitig entstandenem Intermezzo, einer Opera Domestica oder auf Deutsch: einer häuslichen Alltagsoper. Librettist war das Multitalent Marcellus Schiffer, Satire-Profi und sogenannter Ahnherr des deutschen Kabaretts.
Zur Handlung: Ein frisch verheiratetes Paar gerät über Lappalien in einen Ehestreit, der zum dringenden Wunsch nach Scheidung führt. Nachdem das Standesamt auf einem amtsgültigen Scheidungsgrund besteht, entschließt man sich, den schönen Herrn Hermann aus seinem Büro für Familienangelegenheiten GmbH anzuheuern, der mit der Ehefrau Laura in flagranti ertappt werden soll. Als diese Szene, angesiedelt im Museum, zu überzeugend ausfällt, und Laura ganz offensichtlich zu viel Spaß an der Situation hat, rastet der Ehemann Eduard aus, und zertrümmert eine alte, kostbare Venusstatue. Anschließend zeigt eine Szene Laura nackt im Bade, die Vorzüge der Warmwasserversorgung lobend, wobei ihr der schöne Herr Hermann näher zu kommen versucht, was schließlich vom Personal und allen Gästen des Hauses peinlicherweise beobachtet und begutachtet wird. Schließlich findet das Paar wieder zusammen, kann die hohen Schulden nach der Zertrümmerung der kostbaren Venus jedoch nur durch den Verkauf der eigenen Story an die Medien zurückverdienen und bleibt so auf immer Sklave einer sensationslüsternen Öffentlichkeit unter ständiger Begleitung eines nervtötenden Conférenciers …
| Musik | ![]() |
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Das Werk selbst zeichnet sich durch Abstinenz hinsichtlich jeglicher gesellschaftlicher Stellungnahme aus. Es ging Komponist und Librettist um die Ablehnung und Loslösung von der Romantik, der Kunst und der gesellschaftlichen Zwänge der Kaiserzeit. Es wird eine neue Liberalität und die Säkularität ihrer neuen Helden des Alltagslebens in Form einer Realsatire gefeiert. Eine wirklich tragende Idee zusammen mit anderen Werken des Genres ist letztlich nicht entstanden und so blieben diese Werke nur eine kurze Episode in den vielseitigen, elektrisierenden Jahren und künstlerischen Versuchsfeldern der Weimarer Republik.
Bei der Umsetzung kommt es auf ein gekonnt abgespultes Uhrwerk an trockenem Witz und ein ideales komödiantisches Timing an. Das gelingt Regisseur Toni Burkhardt zusammen mit seinem Team Wolfgang Kurima Rauschning für die Bühne und Anja Schulz-Hentrich für die Kostüme ganz famos. Klare Personenführung in einem sparsamen, aber die Satire mitatmenden Bild, der Auftritt einzelner Solisten und des Chors wiederholt auch im Zuschauerraum oder in den Proszeniumslogen, wirkungsvolle Komik in Mimik und Gestik machen den Abend zu einem kurzweiligen Vergnügen. Dabei wird die feine Gratwanderung zur Vermeidung von Knallchargeneffekten immer eingehalten.

Karen Leiber als Laura hat ihre große und schöne Sopranstimme für die Gestaltung der Partie glänzend im Griff und kann mit der Rolle auch ihre komödiantischen schauspielerischen Fähigkeiten glänzend unter Beweis stellen. Dasselbe gilt auch für Yoontek Rhim, der wie im Übrigen alle anderen Sänger auch durch ein sehr klares und verständliches Deutsch überzeugt, das sicherstellt, das die komischen Effekte der Handlung auch über die Rampe kommen. Der Tenor und Verführer vom Dienst wird in jeder Form überzeugend von Matthias Koziorowski als der schöne Herr Hermann gegeben.
Auch alle weiteren Rollen werden von den Mitgliedern des Hauses in engagierter und überzeugender Form dargeboten, beispielhaft seien an dieser Stelle Christian Hees und Itziar Lesaka als Herr und Frau M. genannt. Der Chor unter der Leitung von Joseph Feigl überzeugt gleichfalls durch seine Spiel- und Singfreude. Man merkt dem gesamten Ensemble die Freude an dieser Aufgabe an.
Der eigentliche Taktgeber, Kommentator, Antreiber und Satiriker sitzt jedoch an diesem Abend im Graben: die Mecklenburgische Staatskapelle unter der Leitung von Gabriel Venzago gibt von Anfang an den Takt an und lässt durch das bemerkenswerte Spiel unter anderem der Holz- und Blechbläser, zweier Klaviere und der Saxophonbegleitung aufhorchen. Bei einer solchen mitreißenden Spielfreude aus dem Graben müssen sowohl die Darsteller auf der Bühne wie auch das Publikum einfach mitgehen.
Es gibt denn auch viel Beifall und einzelne Rufe für die Darsteller des am Vatertag nicht voll besetzten Hauses. Dabei lohnt sich ein Besuch des gelungenen Abends ganz außerordentlich – die weiteren Aufführungen im Mai sollten Theaterfreunde aus der Region nicht verpassen.
Achim Dombrowski