O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Auf Liebe und Tod

CUPID & DEATH
(Adrian Schvarzstein)

Besuch am
10. März 2018
(Premiere)

 

Kölner Fest für Alte Musik, Trinitatiskirche

Das Kölner Fest für Alte Musik beginnt wieder. Die Vorfreude ist groß, das Programm vielver­spre­chend. Und Thomas Höft, der Künst­le­rische Leiter, ist stolz wie Oskar, dass er in diesem Jahr Emma Kirkby als Gast begrüßen darf. Gleich am Eröff­nungs­abend tritt die Grande Dame der Alten Musik auf. Und verzaubert gleich mal das Publikum. Aber davon später mehr.

Die Eröffnung findet nicht etwa im Zentrum für Alte Musik statt, sondern in der Trini­ta­tis­kirche, einem Ort, den die Evange­lische Kirche gern für kultu­relle Veran­stal­tungen zur Verfügung stellt. Die Anordnung scheint konven­tionell. Im Kirchen­schiff sind Stuhl­reihen aufge­stellt. Im Altarraum ist die Bühne einge­richtet, rechts davon ist das Podium für das Orchester aufgebaut. Bei der Ausstattung setzt Suzanne Harkämper kräftige, farben­frohe Symbolik, in die sich immer auch das Schwarz der Trauer mischt. Auf dem Programm steht Cupid & Death, eine Masque aus dem Jahr 1653, die Matthew Locke und Chris­topher Gibbons kompo­niert haben. Unter einer Masque versteht man ein Bühnen­spiel, das aus einer Abfolge von gespro­chenen Dialogen, langen Ballett­suiten, Rezita­tiven, Songs und Chören besteht. Die Masques fanden in Privat­räumen statt und bezogen das Publikum ausdrücklich mit ein. Wochen im Voraus bereitete sich das Publikum auf diese Ereig­nisse vor, ließ Tanzmeister nach Hause kommen, um die Reihen­tänze einzu­stu­dieren. Im Köln des Jahres 2018 eher eine ungewöhn­liche Konstellation.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Auf Basis dieser Masque hat Adrian Schvarz­stein einen Abend entwi­ckelt, der sich – wie man es von seinem Fugit gewöhnt ist – erst im Nachhinein so recht erschließen will; um dann umso nachhal­tiger zu wirken. So stellt sich zu Beginn heraus, dass es sich durchaus nicht um eine konven­tio­nelle Anordnung handelt, denn es gibt gar keinen Zuschau­erraum. Das Publikum ist die Hochzeits­ge­sell­schaft, die der bevor­ste­henden Trauung beiwohnt. Eine eher aufdring­liche Hochzeits­pla­nerin verteilt noch bevor­zugte Plätze, ehe endlich das Orchester herein­ge­rufen wird. Die Zeremonie könnte jetzt eigentlich beginnen, wenn es nicht noch einen Festchor gäbe, der zunächst einmal mit Freuden­geheul und israe­li­schen Folklore-Liedern Einzug hielte. Dann stellt sich heraus, dass der Pastor doch glatt die Termin­über­schneidung mit einer Beerdi­gungs­feier übersehen hat. Hier also treffen Krieg und Frieden – das diesjährige Motto des Festivals – zusammen. Die Hochzeit als Beginn turbu­lenter Zeiten und die Beerdigung als Symbol des ewigen Friedens. Mit dem Sarg tritt auch der Tod in die Kirche ein. Es beginnt eine wüste Abfolge von Trauer- und Freuden­szenen, die auch weitere Tote zur Folge haben und schließlich mit dem arabi­schen Liebeslied Lamma bada enden.

Schau­spieler, Darsteller und Sänger bekommen eine Menge zu tun, um den weiteren Ablauf in den Griff zu bekommen. Schvarz­stein selbst sorgt als Meßner in beängs­tigend-komödi­an­ti­scher Weise immer wieder für Ordnung, versucht, weitere schlimme Entwick­lungen vergeblich zu vermeiden. Unglaublich der Todes­marsch von Emma Kirkby. Die fragile Person mit der zarten Stimme verkörpert die Original-Oper ebenso wie Bethany Seymour als Braut. Beide entzücken mit ihren feinen Stimmen. Christos Pelekanos beein­druckt als Pastor nicht nur mit seiner körper­lichen Erscheinung, sondern vor allem damit, wie er trotz einer schweren Erkältung seinen Bariton angenehm und rollen­ge­recht erklingen lässt. Bassem Hawar spielt nicht nur einen Bräutigam, sondern auch die Djose. Ihm zur Seite steht der Trauzeuge Saad Mahmood Jawad mit seiner Oud. Die Tenöre Lothar Blum als Küster und Mario Lerchen­berger als Bestatter bringen ebenso beein­dru­ckende Leistungen wie Sopra­nistin Maria Jonas als Hochzeits­pla­nerin und Sängerin – unter anderem des sefar­di­schen Liedes Con la cuba y la furcha, das ursprünglich aus Istanbul stammt und auch heute noch oft auf Türkisch gesungen wird – oder die Braut­jungfern Feeda Soubaiti-el-ali und Rita William, die dann auch die drei traurigen Lieder Marabu amsi aus dem Libanon, Nanni Nanni als sephar­di­sches Lied oder das irakische Dillilol anstimmen. In diesem Stück vermi­schen sich die Kulturen ohne Hemmung und zeigen, was am Ende einer solchen Kombi­nation heraus­kommt: Bereicherung.

Jūraté Širvyté-Rukštelé als Tod – Foto © O‑Ton

Und wenn der Tod so aussieht wie Jūraté Širvyté-Rukštelé, gehe ich gern mit ihm. Wie Kirkby im schwarzen Kostüm, aber liebreizend, sich in Barock­tänzen übend, ist sie Versu­chung, verfüh­re­ri­sches Leben, Trost, Vergäng­lichkeit und Trauer zugleich. Thomas Höft lässt es sich nicht nehmen, die Auffassung des Ensembles von Auffüh­rungs­praxis höchst­per­sönlich zu demons­trieren, indem er als Elvis-Presley-Karri­katur mit einer Perücke, für die viele Polyester sterben mussten, eine Ballade zum Besten bringt. Hier wird Musik­theater zum überdrehten Ereignis, das die Emotionen hochkochen lässt. Mitglieder des deutsch-arabi­schen Kultur­vereins Altaan treten als Chor Sonne der Aramäer auf. Die iraki­schen Volks­tänze und Lieder, die sie aufführen, müssten vielleicht nicht ganz so folklo­ris­tisch anmuten, erfri­schen aber als lebens­froher Gruß aus einer Kultur, die mit ihrem Reichtum sonst leider nicht so oft in Erscheinung treten kann.

Zwischen­durch glänzt auch immer wieder die eigent­liche Musik von Cupid & Death auf, die von der Neuen Hofka­pelle Graz, gleichwohl auf histo­ri­schen Instru­menten, sehr gegen­wärtig und frisch vorge­tragen wird. Ihr Musika­li­scher Leiter Michael Hell hat auch gemeinsam mit Hawar für die Arran­ge­ments gesorgt, so dass sich zwischen­zeitlich auch die Musik­kul­turen gekonnt vermi­schen können.

Irgendwann geht auch das schönste Fest einmal zu Ende. Hier versammeln sich alle Betei­ligten wieder im Kirchen­schiff, um gemeinsam noch einmal mit Lamma bada Funken sprühen zu lassen. In einem wunder­schönen Schlussbild ergießt sich wohlver­dienter Applaus über ein Fest, das alle Facetten mensch­lichen Lebens gezeigt hat. Einige der Betei­ligten haben sich hier schon mal vorge­stellt: Sie werden bis Ende März noch in mancherlei Auffüh­rungen zu erleben sein. Ein Festival, das so prächtig eröffnet wird, kann eigentlich nur noch ein Erfolg werden.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: