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Zu wenig gehext

MACBETH
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
16. März 2018
(Premiere am 13. Oktober 2012)

 

L’Opéra national de Lyon

Im März hätte man sich einen schöneren Start gewünscht. In Lyon regnet es Bindfäden. Und die Wetter­vor­her­sagen für das Festi­val­wo­chenende sind beileibe nicht berau­schend. Da kann man ja schon froh sein, dass man im Innern des Opern­hauses unter­kommen darf. Freie Plätze gibt es hier nämlich kaum noch.

Das Verdi-Festival an der Opéra national de Lyon hat begonnen. Mit einem Mega-Start. An einem Wochenende wird die Wieder­auf­nahme von Macbeth, die Premiere von Don Carlos und eine konzer­tante Aufführung von Attila geboten. Die Wieder­auf­nahme stammt von 2012 und war damals sicher dicht an den aktuellen Ereig­nissen, die heute schon nur noch mehr oder minder Erinne­rungswert haben.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Gern denkt man an das mordlüs­terne Märchen von William Shake­speare aus dem Jahr 1606 zurück, zu dem Francesco Maria Piave einen vierak­tigen Opern­stoff verfasst hat, den Giuseppe Verdi 1847 vertonte. Der englische, könig­liche Heerführer Macbeth steigt darin zum König von Schottland auf, wird zum Tyrannen und schließlich gestürzt. Eingewebt sind mythische Elemente wie etwa Hexen-Prophe­zei­ungen, die sich herrlich bewahr­heiten. Es ist eine Geschichte, die so recht in Wälder, Hochmoore und feucht­kalte Schlösser passt. Nicht so für den Regisseur Ivo van Hove. Der sieht in der Tragödie eher die Macht­kämpfe im Vorder­grund und verzichtet nahezu gänzlich auf das Zaube­rische. So gelingt es ihm zwar, das wichtige Motiv des Freiheits­kampfes hervor­ragend auszu­ar­beiten, aller­dings bleibt er damit die eigent­liche Atmosphäre der Oper schuldig. Van Hove siedelt die Handlung in der Zeit der Finanz­krise an der New Yorker Wall Street an. Damit werden fanta­sie­volle Kostüme überflüssig und folge­richtig kleidet Wojciech Dziedzic das Personal in heutige Business­kleidung. Das ist weniger originell als das Bühnenbild. Jan Versw­eyveld zeigt einen Guckkasten, in dem an drei Wänden überdi­men­sionale Computer-Monitore angebracht sind, mit Ablagen und Bürodreh­stühlen davor. Wären die Monitore Spiegel, wäre ein passabler Frisier­salon daraus geworden. Jeweils mittig in den Wänden sind gläserne Schwing­türen einge­lassen. In der Mitte des Raumes sind vier Sitzgruppen aufgebaut. Was bis hierhin noch nicht weiter aufregend klingt, erwecken Versw­eyveld und der Video-Designer Tal Yarden mit Licht, Compu­ter­ani­ma­tionen und Video­pro­jek­tionen zu eindrucks­vollem Leben. Zeigen die Monitore zunächst noch Grafiken von Geschäfts­ent­wick­lungen oder Börsen­ver­läufen, werden sie später zu weißen, strah­lenden Flächen, die den Eindruck einer Fenster­front vermitteln und das elegant und unauf­fällig einge­setzte Licht unter­stützen. Zwischen­zeitlich sind dort auch mal Comics zu sehen oder animierte Tiere, die scheinbar durch mehrere Monitore laufen. Auf der Rückseite oberhalb der Tür sind wandfüllend wabernde Einsen und Nullen zu sehen, die sich auch schon mal zu Fanta­sie­ge­stalten verdichten können. Die wechseln sich ab mit Schwarz­weiß­fotos der städti­schen Skyline oder auch Spiel­szenen, die die Gräuel­taten in künst­le­risch verfrem­deten Schwarz­weiß­auf­nahmen wieder­geben, mit Demons­tra­ti­ons­bildern oder schließlich auch in einer der stärksten Stellen der Insze­nierung mit Live-Bildern vom Bühnen­ge­schehen. Hier gelingt es van Hove, den Chor im Wortsinne ins rechte Bild zu setzen, wenn er die Köpfe einzelner Choristen aus der anonymen Masse herausholt und in Großauf­nahme zeigt. Selten wird der Chor so gut wie hier in Szene gesetzt. Dabei ist die Perso­nen­führung überaus sänger­freundlich. Wer singt, steht. Macbeth bewegt sich zwischen Bühnen­mitte und Rampe, um von dort – gern mit patin­a­be­haf­teter Sänger­gestik – sein Können zum Besten zu geben. So gerät der Abend insgesamt recht statisch. Erst mit Beginn des Freiheits­kampfes, also in den letzten Minuten, ändert sich das.

Foto © Bertrand Stofleth

Auch sonst verlangt der Regisseur seinem Personal wenig Darstel­le­ri­sches ab. So kann Bariton Elchin Azizov seinen Macbeth voller Inbrunst aussingen. Auch Roberto Scandiuzzi kann seinen Bass als Banco wunderbar und wortver­ständlich gestalten. In seiner Arie Ah, la paterna mano klingt Tenor Arseny Yakovlev in der Rolle des Macduff eher wie Mario Lanza auf Schall­platte, aber in Verbindung mit seiner Großauf­nahme wirkt das sehr gewollt und vor allem herrlich italie­nisch. Wenig Dramatik zeigt Susanna Branchini in ihrer Stimme, mit der Lady Macbeth selbst als Nacht­wand­lerin hinter den Erwar­tungen zurück­bleibt. Einen sehr anspre­chenden Malcolm singt Louis Zaitoun aus dem Opern­studio, und Patrick Bolleire gibt eine gelungene Kostprobe seines Basses als Arzt. Den stärksten Eindruck hinter­lässt an diesem Abend der Chor in der großar­tigen Einstu­dierung von Marco Ozbic. Hier dringt der nach natio­naler Befreiung strebende Verdi voll und ganz durch. Da möchte man am liebsten mit auf die Barri­kaden gehen.

Unter­strichen wird die vor allem in der zweiten Hälfte eindrucks­volle Bühnen­leistung durch das Orchester, das sich von dem jungen Daniele Rustioni am Pult immer wieder zu Höchst­leis­tungen antreiben lässt. Trans­parent, pointiert und emotional wird die Geschichte aus dem Graben heraus erzählt. Da darf man sich so recht auf den bevor­ste­henden Höhepunkt des Wochen­endes – die Premiere von Don Carlos – freuen.

Das Publikum, das nicht mit Zwischen­ap­plaus spart, verab­schiedet sich am Ende freundlich, aber eilig. Als Regisseur und Bühnen­bildner auf die Bühne kommen, drängt es viele schon zum Ausgang. Man kann das ein Stück weit nachvoll­ziehen. So stimmig das Konzept in der Umsetzung ist: So richtig will es in seiner gewollten Moder­nität nicht zur mythen­um­wo­benen Geschichte passen.

Michael S. Zerban

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