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MEISTERSERIE A
(Diverse Komponisten)
Besuch am
12. Januar 2019
(Einmalige Aufführung)
Wer im nördlichen Westfalen ausgewählte Klassik in edlem Ambiente erleben will, der kennt diese Adresse: Entstanden als Lustgarten des Grafen zu Bentheim-Steinfurt verfügt Steinfurt mit seiner gerade mal 200 Besucher fassenden Konzertgalerie in einer exotischen Garten-Fluss-Landschaft über einen Aufführungsort, um den es manche andere Städte beneiden und von der das benachbarte Münster seit Jahrzehnten nur träumen kann. So ist es kein Wunder, dass die Bagno-Konzertgalerie inzwischen ihr 23. Programm präsentiert.
In gleich zwei Reihen von Meisterkonzerten lädt der rührige künstlerische Leiter Matthias Schröder des Bagno-Kulturkreises zu zehn hochklassigen Konzerten ein, fügt vier Sonderkonzerte mit ausgefallenen Programmen und Musikern hinzu und bietet für besondere Ereignisse Musikerlebnisse im alten Falkenhof, einem früheren Königshof, an.
Zum ersten Meisterkonzert im neuen Jahr bringt das Mendelssohn-Kammerorchester Leipzig und Ragna Schirmer als Pianistin Kompositionen von Haydn, Schumann und Beethoven. Die 24 Musiker haben gerade noch neben dem Flügel einen Stehplatz und zeigen fast zwei Stunden lang großes „Stehvermögen“. Haydns Symphonie Nr. 7 Le Midi – Der Mittag – das mittlere Werk einer als Zyklus verstandenen Kompositionsreihe Die Tageszeiten, ruft mit gravitätischem Klang und mäßigem Tempo ein wenig das Hofleben „derer von“ Bentheim-Steinfurt in Erinnerung. In spielerischem Wechsel und einem durchlaufenden Cello-Rhythmus spielen die Themen zwischen den Instrumentengruppen, Violinen und Oboen wechseln sich in der melodieführenden Rolle ab oder brillieren durch schnelle Läufe.

Mit Clara Schumanns Konzert für Klavier und Orchester ändern sich Ausdruck und musikalische Stimmung. Vom ausgefeilten Cello-Solo des Leiters des Ensembles Peter Bruns bis zum vollen Orchester, von feinen Melodiebögen bis zu dissonanten Passagen zeigt Schumanns Musik ein durchaus modernes Klangbild, das der Pianistin Ragna Schirmer alle Möglichkeiten bietet, ihre technische Brillanz und hohe Ausdrucksintensität zu demonstrieren. Auch wenn Clara Schumanns Anerkennung als Komponistin deutlich hinter ihrer Reputation als gefragte Pianisten zurückblieb, zeigen ihre Interpretationen gemeinsam mit dem Leipziger Kammerorchester durchaus eine moderne Note. Schirmer breitet eher flächige Pianopassagen farbig aus, unterstreicht feine Unisono-Bögen ebenso wie Forte-Passagen, lässt Melodiebögen gefühlvoll klingen oder Modulationen Spannungen aufbauen und wieder lösen. Im Wechselspiel mit Peter Bruns‘ Cello erklingt ein selten zu hörendes Zusammenspiel, bevor das Orchester zu einem wuchtigen Finale ansetzt.
In einem kurzen Intermezzo erinnert Peter Bruns in wenigen Zeilen und einem Zwischenspiel als „Überraschungsständchen“ an den 200. Geburtstag von Clara Schumann.
Auch im letzten Stück des Programms, dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 in G‑Dur von Ludwig van Beethoven spielt der Wechsel zwischen Celli und Piano eine besondere Rolle. Zu Beginn setzt Beethoven ein rhythmisch betontes Thema, das Bläser und Streicher variieren, danach führen Piano und Bläser ein neues Thema ein. Fast gewinnt der Zuhörer den Eindruck, das Stück mit seinen zahlreichen schnellen Passagen und raschen, farbigen Läufen sei extra für Schirmer komponiert, die immer wieder und mit neuem Ausdruck diese Läufe scheinbar mühelos perlen lässt, bis sie dann mit wuchtig gesetzten Akkorden das Finale ankündigt. Das versierte und fein aufeinander abgestimmte Orchester gibt der Solistin stets den gewünschten musikalischen Rahmen.
Erst nach der von Ragna Schirmer zurückhaltend und gefühlvoll intonierten Träumerei von Robert Schumann als Zugabe lässt der langanhaltende Beifall langsam nach, bevor sich ein sehr zufriedenes und bewegtes Publikum auf den Heimweg macht.
Horst Dichanz