O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DER FREISCHÜTZ
(Carl Maria von Weber)
Besuch am
28. September 2018
(Premiere am 12. Oktober 1980)
Sie gehört zu den Methusalems der Inszenierungen auf den Deutschen Bühnen. Seit 1980 wird an der Staatsoper Stuttgart Webers romantische Oper Der Freischütz in der Inszenierung von Achim Freyer gespielt. Einige Leser werden sich bestimmt auch noch an die damalige Fernseh-Übertragung erinnern, die später auch noch auf DVD konserviert wurde. Freyer, der sich für Regie, Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeigt, gelingt in seiner Arbeit das kleine Kunststück, die Oper einerseits werkgetreu zu inszenieren und andererseits auch Zwischenebenen einzubauen.
Das beginnt schon beim Bühnenbild, ein architektonisches, detailverliebtes Meisterwerk. Eine Mischung aus Zimmer und romantischer Landschaft, liebevoll ausgemalt – das sieht man heutzutage nur noch ganz selten. Bis an die Seitenlogen zieht sich die Kulisse. Die Fluchtpunktperspektive sorgt dafür, dass der Zuschauer in die Bühne eintauchen kann, ja fast hineingesaugt wird. Zusammen mit den Kostümen steht auf dem ersten Blick das klassische Volkstheater im Mittelpunkt. Da gibt es Trachten und Lederhosen zu sehen, die Jagdgesellschaft tritt im satten Förster-grün auf. Mit dem Eremiten, mit weißem Rauschebart, wird die Oper eröffnet. Vor der Ouvertüre wird das zentrale Motiv, der Kampf Gut gegen Böse, Gott gegen den Teufel, benannt. Ein Motiv, das sich auch im Bühnenbild wiederfindet: das allsehende Auge Gottes in der Bühnenmitte, darüber der schwarze Stein der Wolfsschlucht mit seinen geisterhaften Formen. Der Eremit möchte Agathe und Max genau vor diesen dunklen Mächten beschützen, und so gibt er Agathe gesegnete weiße Rosen mit, die später in der Handlung noch ihre Bedeutung finden werden.
Freyers Personenführung ist bis heute immer etwas gewöhnungsbedürftig, wenn die Sänger in roboterhaften, stereotypen Gesten verharren müssen. Allerdings bringt der Regisseur auf diese Weise manchen Gedanken mit wenigen Mitteln auf den Punkt. Die Leiterin der Wiederaufnahme, Carmen C. Kruse, hat sicher auch eigene Details miteingebracht, sich ansonsten aber an den roten Faden Freyers gehalten. Auch wenn sich in die 169. Vorstellung eine gewisse Routine eingeschlichen hat, besitzt die Regie immer noch ihren ganz eigenen Charme und sehr viel Suggestivkraft.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Die Sänger werfen sich mit Leidenschaft in ihre Rollenporträts. Daniel Behle bleibt da im Vergleich als Max ein bisschen zu verhalten, weil Freyer das auch so wollte, aber Behle könnte genau eben etwas mehr vorführen. Dass Behle kein junger Heldentenor ist, tut seiner Leistung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Selten hat man die Gesangslinie so klar und angenehm gehört. Bei dem Sänger mischen sich Wort und Ton aufs feinste, und man versteht auch jeden Satz. Das dunkle Timbre passt zu der oft geforderten Mittellage der Tessitura, und gleichzeitig schwingt sich die Stimme bruchlos in jeden hohen Ton hinein. Bei seiner Agathe klingt das nicht ganz so ausgeglichen. Laura Wilde lässt es bei ihrem Rollendebüt etwas an Ruhe in der Stimme vermissen. Zumindest in den tieferen Lagen. Da fehlt der Stimme einfach eine gewisse Eleganz und die innige Rundung. Sobald sie aber ihre Wünsche in die Höhe steigen lässt, zeigt sich da ein wunderschöner Vollblut-Sopran, der völlig unforciert und tremolofrei höchstes Glück offenbart. Ein Ännchen der Extraklasse mit gestochen scharfen Koloraturen, einer durchgebildeten Stimme und der richtigen Portion Witz ist Josefin Feiler. Friedemann Röhling, als Kaspar ebenfalls ein Debütant, erreicht nicht die Basstiefen der Partie, aber dafür genau das richtige Maß an Intensität, um die Intention eines Schurken zu offenbaren, der eigentlich nur um seine eigene Seele bangt. Michael Nagl ist mit markantem Bass ein Kuno, dem man gerne zuhört. Das gleiche gilt für David Steffens, der den rettenden Aufritt des Eremiten wirkungsvoll gestaltet. Michael Ebbecke und Elliott Carlton Hines sekundieren auf gutem Niveau als Ottokar und Kilian. Kristian Metzner klingt als Samiel manchmal etwas zu balsamisch.

Kein Wunder – er ist Mitglied im Staatsopernchor Stuttgart, und der liefert in der Einstudierung von Manuel Pujol eine großartige Leistung ab. Die Stimmen sind ausgeglichen und harmonisch hervorragend abgestimmt. Die Männer tragen den berühmten Jägerchor mit maskuliner Kraft, aber auch gleichzeitig mit musikalischer Raffinesse vor – eine seltene Mischung und hier zudem gewürzt mit der passenden Portion Komik. Perfekt! All diese Stimmen bindet Georg Fritsch am Pult der Staatsorchesters Stuttgart zusammen. Seine Interpretation ist recht zügig, manchmal vielleicht eine Spur zu glatt. Innerhalb des gut disponierten Orchesters vernimmt man schöne Solomomente, aber auch aufbrausende Naturereignisse. Besonders die Wolfsschluchtszene ist in ihrem Aufbau musikalisch höchst dramatisch umgesetzt und passt damit zu der szenischen Wiedergabe.
Nach dem glücklichen Finale gibt es langen Applaus von einem Publikum, das eigentlich selbst großen Beifall verdient hätte. Ein Handyklingeln ist die einzige Störung und das, obwohl eine Schulklasse anwesend ist. Derartig diszipliniert und gleichzeitig begeisterungsfähig in allen Altersklassen ist es ein dankbares Publikum für eine Saisoneröffnung.
Rebecca Hoffmann