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Fotos ähnlich der Aufführung - Foto © Martin Sigmund

Rüstiger Freischütz

DER FREISCHÜTZ
(Carl Maria von Weber)

Besuch am
28. September 2018
(Premiere am 12. Oktober 1980)

 

Staatsoper Stuttgart

Sie gehört zu den Methu­salems der Insze­nie­rungen auf den Deutschen Bühnen. Seit 1980 wird an der Staatsoper Stuttgart Webers roman­tische Oper Der Freischütz in der Insze­nierung von Achim Freyer gespielt. Einige Leser werden sich bestimmt auch noch an die damalige Fernseh-Übertragung erinnern, die später auch noch auf DVD konser­viert wurde. Freyer, der sich für Regie, Bühnenbild und Kostüme verant­wortlich zeigt, gelingt in seiner Arbeit das kleine Kunst­stück, die Oper einer­seits werkgetreu zu insze­nieren und anderer­seits auch Zwischen­ebenen einzubauen.

Das beginnt schon beim Bühnenbild, ein archi­tek­to­ni­sches, detail­ver­liebtes Meisterwerk. Eine Mischung aus Zimmer und roman­ti­scher Landschaft, liebevoll ausgemalt – das sieht man heutzutage nur noch ganz selten. Bis an die Seiten­logen zieht sich die Kulisse. Die Flucht­punkt­per­spektive sorgt dafür, dass der Zuschauer in die Bühne eintauchen kann, ja fast hinein­ge­saugt wird. Zusammen mit den Kostümen steht auf dem ersten Blick das klassische Volks­theater im Mittel­punkt. Da gibt es Trachten und Leder­hosen zu sehen, die Jagdge­sell­schaft tritt im satten Förster-grün auf. Mit dem Eremiten, mit weißem Rauschebart, wird die Oper eröffnet. Vor der Ouvertüre wird das zentrale Motiv, der Kampf Gut gegen Böse, Gott gegen den Teufel, benannt. Ein Motiv, das sich auch im Bühnenbild wieder­findet: das allse­hende Auge Gottes in der Bühnen­mitte, darüber der schwarze Stein der Wolfs­schlucht mit seinen geister­haften Formen. Der Eremit möchte Agathe und Max genau vor diesen dunklen Mächten beschützen, und so gibt er Agathe gesegnete weiße Rosen mit, die später in der Handlung noch ihre Bedeutung finden werden.

Freyers Perso­nen­führung ist bis heute immer etwas gewöh­nungs­be­dürftig, wenn die Sänger in roboter­haften, stereo­typen Gesten verharren müssen. Aller­dings bringt der Regisseur auf diese Weise manchen Gedanken mit wenigen Mitteln auf den Punkt. Die Leiterin der Wieder­auf­nahme, Carmen C. Kruse, hat sicher auch eigene Details mitein­ge­bracht, sich ansonsten aber an den roten Faden Freyers gehalten. Auch wenn sich in die 169. Vorstellung eine gewisse Routine einge­schlichen hat, besitzt die Regie immer noch ihren ganz eigenen Charme und sehr viel Suggestivkraft.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Sänger werfen sich mit Leiden­schaft in ihre Rollen­por­träts. Daniel Behle bleibt da im Vergleich als Max ein bisschen zu verhalten, weil Freyer das auch so wollte, aber Behle könnte genau eben etwas mehr vorführen. Dass Behle kein junger Helden­tenor ist, tut seiner Leistung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Selten hat man die Gesangs­linie so klar und angenehm gehört. Bei dem Sänger mischen sich Wort und Ton aufs feinste, und man versteht auch jeden Satz. Das dunkle Timbre passt zu der oft gefor­derten Mittellage der Tessitura, und gleich­zeitig schwingt sich die Stimme bruchlos in jeden hohen Ton hinein. Bei seiner Agathe klingt das nicht ganz so ausge­glichen. Laura Wilde lässt es bei ihrem Rollen­debüt etwas an Ruhe in der Stimme vermissen. Zumindest in den tieferen Lagen. Da fehlt der Stimme einfach eine gewisse Eleganz und die innige Rundung. Sobald sie aber ihre Wünsche in die Höhe steigen lässt, zeigt sich da ein wunder­schöner Vollblut-Sopran, der völlig unfor­ciert und tremo­lofrei höchstes Glück offenbart. Ein Ännchen der Extra­klasse mit gestochen scharfen Kolora­turen, einer durch­ge­bil­deten Stimme und der richtigen Portion Witz ist Josefin Feiler. Friedemann Röhling, als Kaspar ebenfalls ein Debütant, erreicht nicht die Basstiefen der Partie, aber dafür genau das richtige Maß an Inten­sität, um die Intention eines Schurken zu offen­baren, der eigentlich nur um seine eigene Seele bangt. Michael Nagl ist mit markantem Bass ein Kuno, dem man gerne zuhört. Das gleiche gilt für David Steffens, der den rettenden Aufritt des Eremiten wirkungsvoll gestaltet. Michael Ebbecke und Elliott Carlton Hines sekun­dieren auf gutem Niveau als Ottokar und Kilian. Kristian Metzner klingt als Samiel manchmal etwas zu balsamisch.

Foto © Martin Sigmund

Kein Wunder – er ist Mitglied im Staats­opernchor Stuttgart, und der liefert in der Einstu­dierung von Manuel Pujol eine großartige Leistung ab. Die Stimmen sind ausge­glichen und harmo­nisch hervor­ragend abgestimmt. Die Männer tragen den berühmten Jägerchor mit masku­liner Kraft, aber auch gleich­zeitig mit musika­li­scher Raffi­nesse vor – eine seltene Mischung und hier zudem gewürzt mit der passenden Portion Komik. Perfekt! All diese Stimmen bindet Georg Fritsch am Pult der Staats­or­chesters Stuttgart zusammen. Seine Inter­pre­tation ist recht zügig, manchmal vielleicht eine Spur zu glatt. Innerhalb des gut dispo­nierten Orchesters vernimmt man schöne Solomo­mente, aber auch aufbrau­sende Natur­er­eig­nisse. Besonders die Wolfs­schlucht­szene ist in ihrem Aufbau musika­lisch höchst drama­tisch umgesetzt und passt damit zu der szeni­schen Wiedergabe.

Nach dem glück­lichen Finale gibt es langen Applaus von einem Publikum, das eigentlich selbst großen Beifall verdient hätte. Ein Handy­klingeln ist die einzige Störung und das, obwohl eine Schul­klasse anwesend ist. Derartig diszi­pli­niert und gleich­zeitig begeis­te­rungs­fähig in allen Alters­klassen ist es ein dankbares Publikum für eine Saisoneröffnung.

Rebecca Hoffmann

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