O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Lob der Kunst

DER SCHAUSPIELDIREKTOR
(Wolfgang Amadeus Mozart, Henrik Albrecht)

Besuch am
25. Dezember 2021
(Video on Demand)

 

Junge Oper im Nord, Staats­theater Stuttgart

Die in Hamburg geborene Elena Tzavara studierte Musik­theater-Regie an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Danach arbeitete sie freibe­ruflich an inter­na­tio­nalen Bühnen. Von 2009 bis 2013 war sie Leiterin der Kölner Kinderoper unter der Intendanz von Uwe Eric Laufenberg. Bei ihren Arbeiten in Köln fiel auf, dass sie nicht versuchte, große Oper kindge­recht umzusetzen, sondern Urauf­füh­rungen für die Kinderoper in Auftrag gab. Bekannt wurde vor allem die Jugendoper Border des Kompo­nisten Ludger Vollmer. Seit vielen Jahren verbindet sie auch die Arbeit mit dem Kompo­nisten Henrik Albrecht. Seit Beginn des Jahres 2017 ist Tzavara Künst­le­rische Leiterin der Jungen Oper im Nord und des Inter­na­tio­nalen Opernstudios.

Die Junge Oper im Nord basiert auf der Jungen Oper Stuttgart, die 1997 von Klaus Zehelein unter dem Dach der Staatsoper Stuttgart gegründet wurde. Ziel ist bis heute nach eigenen Angaben, „wegwei­sendes Opern­re­per­toire für ein junges Publikum“ zu generieren. 2018 bezog die Junge Oper die Spiel­stätte Nord und heißt seitdem auch JOiN – Junge Oper im Nord. Unter dem Label hat sich Tzavara etwas Hübsches zum Weihnachtsfest einfallen lassen. Überra­schen­der­weise kein neues Opern­re­per­toire, aber irgendwie gilt eine Neube­ar­beitung ja auch. Und dafür hat sie den Schau­spiel­di­rektor von Wolfgang Amadeus Mozart für eine Online-Produktion ausge­wählt. Von Heilig­abend bis Silvester kann man sich das Ergebnis hier anschauen.

Bildschirmfoto

1786 kam das Singspiel im Auftrag von Kaiser Joseph II. in der Orangerie von Schloss Schön­brunn bei Wien gemeinsam mit Antonio Salieris Oper Prima la musica, poi le parole zur Urauf­führung. Tatsächlich kam Salieris Werk erheblich besser beim damaligen Publikum an, der Titel seiner Arbeit wurde gar zum geflü­gelten Wort: Erst die Musik, dann die Worte. Das mag auch daran gelegen haben, dass Mozart die Musik nur äußerst spärlich einsetzte. Kaum ein Drittel der gesamten Aufführung war kompo­niert. Die Handlung war simpel und im Vaude­ville-Stil aufge­führt. Schau­spiel­di­rektor Frank muss eine neue Truppe zusam­men­stellen, um eine Oper aufzu­führen. Der Bankier Eiler sagt die Finan­zierung des Unter­fangens zu, soweit seine Geliebte, Frau Pfeil, ein Engagement erhält. Es findet ein Vorsingen statt. Als ein Streit um die Höhe der Gagen aufkommt, droht Frank, das Unter­fangen abzusagen, sollten sich die Darsteller nicht einigen. Im Schluss­gesang kommen die Darsteller überein, dass kein Künstler sich über den anderen stellen solle. Nun, manches im Stück erinnert an eine sehr moderne Opern­pro­duktion, wenn man vielleicht von der Botschaft des Werks absieht, die aber den Starkult an gewissen Bühnen noch einmal karikiert. Im Übrigen ist das Singspiel eine Ode an die Oper und die Kunst im Allge­meinen, die hier über das Wesen des Menschen gestellt wird. Es gibt an Tzavaras Umsetzung nichts zu kriti­sieren, wenn man von der Empfehlung für Kinder ab acht Jahren absieht. Richtiger sollte es wohl heißen: Kinder ab acht Jahre in Begleitung von Erwach­senen. Denn die Werte, die hier verhandelt werden, dürften sich kaum einem Achtjäh­rigen erschließen. Da könnte es durchaus hilfreich sein, wenn das Kind nach der Aufführung Gelegenheit hat, mit den Eltern oder Oma und Opa noch über das eben Erlebte zu sprechen.

Vom Unter­hal­tungswert ist die Aufführung allemal auch für Kinder geeignet. Die Regis­seurin hat hier eine bunte, flotte und vor allem filmisch schlüssige Insze­nierung geschaffen, die einein­viertel Stunden wie im Fluge vergehen lässt. Elisabeth Vogetseder gestaltet den gesamten Raum zur Bühne. Eine Guckkas­ten­bühne ist mit zahlreichen Vorhängen ausge­stattet, in die zwischen­zeitlich eine Tür eingebaut wird und die den Blick auf Maske und Garderobe freigibt. Zeitgleich haben die Kameras das vor der Bühne aufge­baute Orchester und das Pult des Schau­spiel­di­rektors im Blick. Die Kamera­führung wirkt absolut profes­sionell, immer noch keine Selbst­ver­ständ­lichkeit bei Online-Produk­tionen von Theatern. Die Licht­ge­staltung ist ebenso wie die Tontechnik fast durch­gängig gelungen. Es gibt ein, zwei Aussetzer, die man wirklich vernach­läs­sigen kann. Zumal Vogetseder herrliche Fanta­sie­kostüme entworfen hat, die einen rechten Augen­schmaus darstellen.

Bildschirmfoto

Musika­lisch ist die Produktion ein wunder­bares Erlebnis. Henrik Albrecht hat das Stück komplett neu arran­giert und dabei viele ursprüng­liche Sprech­rollen zu Gesangs­stücken umgewandelt. Das klingt wie aus einem Guss und macht Spaß. Vlad Iftinca als Musika­li­scher Leiter schau­spielert auch ein wenig, hat aber auch sonst genug damit zu tun, echten Mozart-Klang zu entfalten. Und löst das in Teamarbeit mit seinem Kammer­or­chester und den Sängern großartig.

Die Sprecher­rolle behalten hat der Schau­spiel­di­rektor, hier darge­stellt von Sebastian Schäfer, der hin und wieder ein bisschen überdreht, aber das ist ja nun mal Vaude­ville. Gerard Farreras gibt den Buff, einen Assis­tenten, der das Echo liebt und das auch sehr gekonnt spielt. Als Bankdi­rektor schmeißt Jorge Ruvalcaba mit Bank-Noten nur so um sich. Warum Linsey Coppens als Frau Pfeil ständig halbblind über die Bühne talpern muss – das weiß wohl in ein paar Jahren auch niemand mehr, aber Coppens setzt es glaub­würdig um. Clare Tunney und Ángel Macias spielen das exotische Ehepaar Herz. Sie bringen noch einmal ordentlich Pfeffer auf die Bühne. Herrlich ist auch der Auftritt von Laia Vallés als Frau Silber­klang. Gesanglich gibt es keine Ausreißer, aber viel Wortverständliches.

Elena Tzavara hat hier ein köstliches Stück auf die Bühne gebracht und die richtige Mischung aus theatra­li­scher Aufführung und filmi­scher Umsetzung gefunden. Das kann man für die Feiertage rundherum empfehlen. Auch für Opern­an­fänger unbedingt geeignet.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: