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Foto © Thomas Kost

Dresdner Künstlerduelle

NEID
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. November 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Tage Alter Musik in Herne

Neid steht als sechste Todsünde am Samstag­nach­mittag auf dem Programm­zettel. Und nein, der Titel erschließt sich nicht. Der Begleittext im Programmbuch hebt auf die berühmte Anekdote des Wettstreits zwischen Louis Marchand und Johann Sebastian Bach in Dresden ab, der nie statt­ge­funden hat. Anders als Bernd Heyder im Programmbuch erzählt, die Idee zu dem Tasten­duell stamme von Johann Georg Pisendel, verweist Ralf Günther in seinem Buch Als Bach nach Dresden kam darauf, dass Jean-Baptiste Volumier als Hofka­pell­meister auf den Einfall kam und dann auch von August dem Starken mit der Durch­führung betraut wurde. Immerhin sind sich beide Autoren im Kern der Sache einig. Kurz vor dem Wettstreit hat sich Marchand aus dem Staub gemacht. Wer aber ist hier auf wen neidisch? Keine Ahnung. Es wird wohl das Geheimnis des Programm­dra­ma­turgen bleiben.

Immerhin entsteht so die Gelegenheit, fünf Kompo­nisten an einem Nachmittag aufzu­führen, die einander gekannt haben. Neben Marchand, Bach und Pisendel kommen noch Francesco Maria Veracini und Antonio Vivaldi dazu.

Stanislav Gres eröffnet das Konzert mit Stücken von Louis Marchand am Cembalo. Ein Vorspiel, zwei Courantes, eine Sarabande und eine Chaconne bilden den Auftakt, der sich gewaschen hat. Viele kennen das Cembalo als Unter­stützung bei Rezitativ in einer Oper. Das zarte Geklimper kann man getrost vergessen. Hier geht es wirklich zur Sache. Und es wird schnell klar, wie Volumier – oder Pisendel – auf die Idee kommen konnte, ein Duell der beiden Meister zu fordern. Wer es gewonnen hätte, dürfte wohl nach dem Vortrag von Johannes Keller ebenso deutlich sein.  Der zeigt seine ganze Virtuo­sität im Spiel der chroma­ti­schen Fantasie und Fuge, BWV 903, von Johann Sebastian Bach.

Leila Schayegh – Foto © Thomas Kost

In Pisendels Sonate in e‑Moll zeigt Leila Shavegh, wie zeitgemäß ihr Geigen­spiel zum Cembalo wirkt. Evgeny Sviridov schließt sich im Zusam­men­spiel mit Gres mit der Sonate Nr. 5 in g‑Moll von Francesco Maria Veracini an, auch wenn Veracini im Vergleich zu seinen Zeitge­nossen ein wenig abfällt. Nach der Sonate in G‑Dur, BWV 1038, die von den Musikern mit Bravour absol­viert wird, befällt das Ensemble der Wahnsinn.

„Die Verrücktheit“, wie die Italiener die einlul­lende Melodie in Moll nannten, breitete sich um 1600 von Spanien aus in Süditalien aus. „Wegen ihrer Eingän­gigkeit und der simplen Akkord­folge diente sie bald als Thema für Varia­tionen auf den verschie­densten Instru­menten, und zwar nicht nur in Italien, sondern auch in Frank­reich und Deutschland.“ Das erfährt man leider nicht aus dem Programmbuch, sondern beim Kammer­mu­sik­führer im Internet. Und dort erfährt man auch, dass Arcangelo Corelli den Zyklus seiner zwölf Violin­so­naten aus dem Jahr 1700 mit seiner Follia für Violine und Basso continuo krönte. Fünf Jahre später veröf­fent­lichte Antonio Vivaldi seine Version für zwei Violinen und Basso continuo. Und die hat es in sich. Vor allem im letzten Satz geht es nicht mehr um eine bloße Variation, sondern um die furiose Brillanz des Geigen­spiels. Und das gelingt den Musikern vortrefflich.

Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen. Genießt die Zugabe in Form des letzten Vivaldi-Satzes andächtig vergnügt. Um dann abermals in tosenden Applaus zu verfallen. So wie schon bei den Stücken zuvor. Lange, überzeugt und im Stehen währt der Beifall für eine Musik, die mit „alt“ nichts zu tun hat.

Michael S. Zerban

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