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Foto © Jean-Baptiste Millot

Das Vergnügen als Höhepunkt

VÖLLEREI
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. November 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Tage Alter Musik in Herne, Kulturzentrum

Opulenz ist vielleicht das Stichwort, das das Zeitalter des Barocks am besten trifft. Zumindest für die Mächtigen. Ausschwei­fungen gehören an die Höfe wie pausbä­ckige Putten in die Kirchen. Es gibt kein Maß und kein Halten. Im Herner Kultur­zentrum will man dem Rechnung tragen. Unter dem Titel Völlerei – die fünfte der sieben Todsünden – soll es um die Maßlo­sigkeit gehen, die heute unter anderen Vorzeichen so massiv auftritt, dass man nur noch staunen möchte. Gegen die Völlerei der Neuzeit ist der Barock ein „Fliegen­schiss der Geschichte“, um ein Zitat zu verwenden, das heute ungestraft über die natio­nal­so­zia­lis­tische Zeit verwendet werden darf, hier aber wohl besser passt, um die Dimen­sionen zu verdeutlichen.

Die Tage der Alten Musik in Herne antworten darauf mit einem Diver­tis­sement aus einer Zeit des „Genuss- und Drogen­rau­sches im Spiegel franzö­si­scher und deutscher Unter­hal­tungs­musik“. Der Saal des Kultur­zen­trums Herne ist gefüllt wie lange nicht mehr. Und das, obwohl sich die allzu trockene Akustik der Bühne inzwi­schen herum­ge­sprochen haben dürfte. Aber der Ausblick auf den Genuss, das Ensemble Le Caravan­sérail live erleben zu dürfen, scheint groß genug, um die klang­lichen Einbußen in Kauf zu nehmen.

Bertrand Cuiller – Foto © Jean-Baptiste Millot

Erst vor drei Jahren gegründet, konzi­pierte der Cembalist Bertrand Cuiller das Ensemble so, dass es sowohl als Kammer­or­chester als auch für Opern­auf­füh­rungen einge­setzt werden kann. Die Spezia­lität des Orchesters liegt bei der Musik des 17. und 18. Jahrhun­derts, nur gelegentlich führt es auch Werke des 21. Jahrhun­derts auf. In Herne tritt das Orchester mit zwölf Musikern an, darunter ist gleich drei Mal die Block­flöte vertreten. Und das mit gutem Grund. Schließlich verlangt Les plaisirs de Versailles, eben jenes Diver­tis­sement von Marc-Antoine Charpentier, die Betonung dieses Instru­ments ebenso wie das Concerto comique La servante au bon tabac von Michel Corrette. Den Auftakt bilden die Vergnü­gungen von Versailles.

Gleich vier Sänger, die auch als Chor auftreten, braucht es, um sich dem Pläsier zu widmen. Sopra­nistin Rachel Redmond singt die Konver­sation, die hier eher geschwätzig als geistvoll daher­kommt, Kollegin Hasnaa Bennani übernimmt den Part der Musik. Beide können hier glänzen, einer­seits, weil es die Rollen hergeben, anderer­seits, weil die techni­schen Anfor­de­rungen an die Stimme durchaus beherrschbar sind. Allen­falls die franzö­si­schen Sprach­kennt­nisse könnten eine Heraus­for­derung darstellen, genügen aber den deutschen Ohren voll und ganz. Das gilt auch für den Tenor Zachary Wilder, der kurzfristig krank­heits­be­dingt für Jeffrey Thompson einge­sprungen ist, um das Spiel, ein Vergnügen und den Erzähler zu übernehmen. Comus, der Zeremo­nien­meister, schließlich wird von dem Bass Stephan Macleod gesungen. Selbst beim Lach-Chor bleiben die Stimmen auf dieser Bühne aller­dings recht mau. Um in den wahren Genuss des Stücks zu kommen, sollte man es sich unbedingt noch einmal im WDR-3-Konzert­player anhören. Hier erklingen Witz und Eleganz in ganzer Pracht.

Rachel Redmond – Foto © Chris Wallace

Da das Diver­tis­sement mit seinen knapp 30 Minuten für einen Konzert­abend nicht reicht, wird es um das komische Konzert von Michel Corrette erweitert, der 25 Zwischen­mu­siken für Opern­auf­füh­rungen in der Opéra comique kompo­nierte. Das dreisätzige, kurzweilige Werk ertönt rein instru­mental, während François Couperin in seinem Épitaphe d’un paresseux auch einem Sopran und einem Bass Raum gibt, um die Grabin­schrift eines Faulenzers wieder­zu­geben, der sein Leben in zwei Hälften teilte: In der einen schlief er, die andere verbrachte er mit Nichtstun.

Zum Nichtstun sind auch die Sänger im ersten Stück des zweiten Teils verdonnert. Dann kommt nämlich als Inter­mezzo das Quartett in e‑Moll aus Georg Philipp Telemanns Tafel­mu­siken zu Gehör. Wie den übrigen Abend auch, dirigiert Cuiller dabei vom Cembalo aus, was aller­dings wohl eher zum Gefallen des Publikums geschieht. Denn allzu oft sind seine Hände oberhalb der Partitur nicht zu sehen. Was der Arbeit des Orchesters keine Verluste einbringt. Hier wird ausge­glichen und fröhlich musiziert, wie es dem Wesen der Musik entspricht.

Das gilt auch für den nächsten Höhepunkt des Abends. Oft aufge­führt, lassen auch die Musiker der Karawan­serei sich Schweigt stille, plaudert nicht von Johann Sebastian Bach nicht entgehen, besser bekannt als Kaffee-Kantate. Hier können auch Redmond, Wilder und Macleod noch einmal stimmlich glänzen.

Ein kurzwei­liger Abend geht mit rauschendem Beifall des Publikums zu Ende. Das letzte Konzert des Abends widmet sich der Faulheit und richtet sich eher an Nacht­schwärmer, beginnt es doch erst um 23 Uhr in der dritten Spiel­stätte des Festivals, der Künst­ler­zeche Unser Fritz. Aber auch dafür gibt es ja den WDR-3-Konzert­player.

Michael S. Zerban

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