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Zeit der Überraschungen

Sechs Sänge­rinnen und Sänger mit ihren Klavier­be­gleitern sind verblieben, um den Wettstreit der norddeut­schen Musik­hoch­schulen zu einem guten Ende zu bringen. Das hochin­ter­es­sierte Publikum im vollbe­setzten Saal genießt den würdigen Rahmen der Veranstaltung.

Juliane Bookhagen – Foto © O‑Ton

Schnee­regen, Kälte und ein ungemüt­licher Wind beherrschten die ersten Tage am Timmen­dorfer Strand. Am Finaltag überflutet die Sonne den mondänen Kurort. Die Menschen ergießen sich über Strand und Kurpro­menade. Erstaunlich, wie viele Gäste das Ostsee­heilbad auch im Winter beher­bergt, die nun auf den Spuren von Hermann Löns, Marcel Reich-Ranicki und Leila Negra wandeln. Viel zu schnell ist das Schön­wetter-Inter­mezzo wieder vorbei. Aber die gute Laune bleibt.

Wie üblich geht dem Wettbe­werbs­finale ein luxuriöses Abend­essen voran, ehe sich die Schar von Gästen, Sängern, Instru­men­ta­listen und Jury-Mitgliedern im Konzertsaal des Hotels versammeln. Auf der Bühne ist rechts wieder ein überdi­men­sio­naler Weihnachtsbaum aufgebaut, linkerhand findet der Bechstein-Flügel Platz. In diesem Jahr ist die Bühne unzulänglich ausge­leuchtet. Die einzelnen Spots verbreiten zwar punktuell eine andeu­tungs­weise drama­tische Beleuchtung, erschweren aber auch den Sängern, sich ins rechte Licht zu setzen.

Bevor aber die Sänger an den Start gehen, gibt es erfreulich kurze Begrü­ßungs­reden, ehe Rainer Wulff, Jury-Vorsit­zender und Moderator des Abends, wohl vorbe­reitet und humorvoll das Publikum durch das Finale begleitet. Auch wenn sich der Journalist, der viele Jahre beim Norddeut­schen Rundfunk in leitender Funktion tätig war, beim Austern-Witz ein wenig verhebt, mögen die Besucher seine pointierte Anmode­ration, die unter anderem Don Giovanni recht treffend charak­te­ri­siert: „Voll enthemmt mit Kukident“. Das anwesende Publikum amüsiert sich köstlich.

Und dann wird es doch ernst. Erstmalig ist beim Wettbewerb Öster­reich vertreten. Judith Öster­reicher steht still und starr, guckt ausdrucks­stark. Das mag der Aufregung geschuldet sein, dem Lied an den Mond von Antonin Dvorák hilft es nicht, auch wenn es schön vorge­tragen ist. Die Zueignung von Richard Strauss muss ohne nennens­werte Emotionen auskommen. Und bei Du sollst der Kaiser meiner Seele sein von Robert Stolz mag dann auch keine rechte Freude mehr aufkommen. Obwohl sie über Bühnen­er­fahrung verfügt, bekommt sie die Kurve nicht, das Publikum mit Mimik und Gestik zu überzeugen. Damit bleibt sie nicht allein. Die gerade mal 23-jährige Ascelina Klee, die im Halbfinale noch mit ihrem Bühnen­zauber auf der „kleinen Bühne“ begeistern konnte, kann die Faszi­nation nicht in den Konzertsaal übertragen. Eine drama­tische Mimik und detail­reiches Spiel können kaum darüber hinweg­täu­schen, dass die Stimme das nötige Volumen vermissen lässt. Die Jury hat ihr Joseph Haydns Fac me vere tecum flere – Lass mich wahrhaft mit dir weinen – Hugo Wolfs Nixe Binsefuß und Georg Friedrich Händels Svegliatevi nel core – Erwacht in meinem Herzen – auferlegt. Nach dem Programm möchte man ihr zuraten, sich auf die Alte Musik zu spezialisieren.

Wie aller­dings Yinghao Liu, der Bassba­riton, zu den Meriten am Ende des Abends kommt, wird Geheimnis der Jury bleiben. Denn er überzeugt weder mit O Ruddler than the Cherry – Oh, rosiger als die Kirsche – von Händel noch mit der Widmung von Robert Schumann, die er in schlud­rigem Deutsch intoniert. Einiger­maßen leidlich bringt er Mozarts Madamina, il catalogo è questo – Schöne Donna, dies genaue Register – aus Don Giovanni auf die Bühne. Ganz anders Juliane Bookhagen, die mit ihren 30 Jahren als Mezzo­so­pra­nistin versucht, Leben auf die Bühne zu bringen. Im Halbfinale ist ihr das sehr gut gelungen, im Finale fällt ihr das schwerer. Denn Gustav Mahlers Wer hat das Liedlein erdacht? und die Träne­narie Massenets bieten wenig Möglich­keiten, sich vor dem Klavier zu produ­zieren. Dem Publikum aller­dings gefällt ihre Version von Una voce poco fa besonders gut. Da gibt es auch schon mal ein brava aus den Stuhlreihen.

Den Beitrag von Shuang Zhang könnte man vernach­läs­sigen, zumal bei Felix Mendelssohn Bartholdys Sopranarie Jerusalem aus dem Oratorium Paulus mal wieder ein „Jerosalem“ zu hören ist. Aber sie dringt bei den Kompo­nisten immerhin bis in das Jahr 1962 vor und beein­druckt mit einer gelun­genen Inter­pre­tation von Luigi Nonos Sopransolo aus Canti di vita e d’amore – Lieder von Leben und Liebe.

Die 24-jährige Irina Bogdanova ist mit ihrer Partnerin Daria Parkho­menko auf dem Start­platz sechs, weil ihr drama­ti­scher Auftritt im Halbfinale sie für den Abschluss des Abends empfahl. Anders als am Vortag im kleinen Saal kann sie im Konzertsaal ihre Stimme besser als alle anderen zur Geltung bringen. Nach der Arie Tu che di gel sei cinta – Du, die du von Eis umgürtet – der Liù aus Puccinis Turandot gefällt Du bist die Ruh‘ von Franz Schubert in berückend klarem Vortrag und mit Es lebt eine Vilja aus Lehárs Lustiger Witwe erreicht sie gar die Herzen ihrer Hörer. Es kommt, wie es kommen muss: Irina Bogdanova gewinnt mit Abstand den Maritim-Gesangs­wett­bewerb 2017 am Timmen­dorfer Strand.

Es folgen aus Sicht der Jury auf Platz zwei der Bassba­riton Yinghao Liu, der zudem ein Engagement bei den Eutiner Festspielen mit nach Hause nimmt, sowie auf Platz drei die Sopra­nistin Shuang Zhang. Den Gästen im Saal hingegen hat am besten der Vortrag der Mezzo­so­pra­nistin Juliane Bookhagen gefallen, und so darf sie den Publi­kums­preis in Empfang nehmen. Es gehört mit zu den Glanz­lichtern dieses Wettbe­werbs, dass auch die Klavier­be­gleitung prämiert wird. Hier konnte in diesem Jahr die jüngste Pianistin des Wettbe­werbs, Anastasia Sokolova mit 21 Jahren, am meisten begeistern. Über den zweiten Platz durfte sich der Preis­träger aus dem Vorjahr, Nikolai Shamalov, freuen.

Aber es gab auch Kritik bei der anschlie­ßenden Feier. Und die richtete sich vor allem gegen die betreu­enden Hochschul­lehrer, denen man vor allem bei der Beratung in der Programm­auswahl ihrer Schütz­linge mehr Umsicht und Fantasie zugetraut hätte. Denn eines ist klar: So intim die Atmosphäre des Wettbe­werbs in seiner Austragung ist, hat er doch im Laufe von 18 Jahren eine Strahl­kraft entwi­ckelt, die auch ein Licht auf die Qualität der Hochschulen wirft. Und das ist gut so.

Michael S. Zerban

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