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AIDA
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
15. April 2018
(Premiere am 15. Januar 1998)
Man kann die trockene Wüstenluft förmlich riechen und den Nil plätschern hören. Franco Zeffirellis Inszenierung ist nunmehr 20 Jahre alt und wirkt unverändert frisch und ergreifend. Regie, Bühne und Kostüme stammen vom italienischem Meister des historischen Kostümfilms, der mit seinen Shakespeare-Verfilmungen sowie Opern-Inszenierungen viele Preise gewonnen hat. Von Beginn an taucht der Betrachter in das alte Ägypten mit seinen kolossalen Götterstatuen und mächtigen Säulenhallen ein. Jedes Detail sitzt, jedes Kostüm wirkt, ohne überladen oder überzogen zu sein. Schon fragt sich der Zuschauer neugierig, wie wird da der Triumphmarsch gestaltet sein. Und hier zieht der Altmeister alle Register.
Sicherlich hat das wenig mit deutschem Regietheater zu tun, aber diese historisierte, monumentale Interpretation, eng am Libretto geführt, ist ein Spektakel für die Sinne. Wann erlebt man schon Radames vom Schimmel stürmisch herunterspringen? Die Massenszenen sind lebendig echt gestaltet, geschickt aufgelockert durch spielende Kinder, herumrennende Frauen, die ihre Helden feiern und begrüßen, bis zu den Fanfarenbläsern, die sich unauffällig ins Volk mischen. Jede Bewegung sitzt, auch die Lichtregie des Japaners Okohato Yasao ist perfekt abgestimmt. Es gibt viel für das Auge zu entdecken, und das traditionsverliebte japanische Publikum spendet berechtigt Szenenapplaus.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Beeindruckend wie Franco Zeffirelli die Bühne in seinen Dimensionen nutzt, um große Räume und Tiefe zu schaffen, genauso aber, um sie für Intimität und Nähe zu verkleinern. Fein ausgedacht sind alle Bewegungen und Gesten.
20. Geburtstag feiert auch das New National Theatre, das Opernhaus von Tokyo. Opera Arena wird das großangelegte Gelände im Stadtteil Shinjuku der 20-Millionen-Metropole genannt und umfasst neben dem Opernhaus für 1800 Zuschauer noch Konzertsäle und Schauspielhäuser. Einmal im Monat wird eine Opernproduktion mehrmals gespielt. Das Opernhaus verfügt über kein eigenes Orchester oder Ensemble. Für diese Produktion wurde das Tokyo Philharmonic Orchester unter der Leitung von Paolo Carignani engagiert. Er schafft am Pult die opulente Begleitung, ohne zu dominant zu sein. Im Tempo wohldosiert, wirkt es durch exakte Einsätze und fein ausmusizierte, gefühlsbetonte Orchestrierung nicht schleppend. Bühne und Orchestergraben harmonieren rücksichtsvoll und geben sich Freiraum zur Darstellung ganz nach dem Regiegedanken Zeffirellis.

Stimmlich überrascht dieser Abend ebenso mit ausgesprochen guten Leistungen. Die junge Koreanerin Rim Sae Kyung ist schon auf deutschen Bühnen aufgetreten. Ihre Aida ist selbstbewusst und von klarer stimmlicher Schönheit. Ihre helle Stimmfärbung und jugendliche Leichtigkeit vermitteln glaubhaft die treue Verliebte, die aber im spannenden Duett mit der zur Höchstform auflaufenden Ekaterina Semenchuk zu kämpfen weiß. Die Russin ist derzeit erfolgreich die Besetzung der buhlenden Pharaonentochter Amneris und das zu Recht. Offen, klar und silbrig hell ist ihr Mezzo, leicht laufen ihr die Melodiebögen, Dramatik kommt ohne Druck fein intoniert. Der Usbeke Najmiddin Mavlyanov ist zwischen diesen Frauen als Radames hin und hergerissen. Betörend wird er von ihnen selbst zu einer sehr gelungenen Performance angefeuert. Zu Beginn noch etwas schwerfällig und unsicher, baut sich die Kraft seiner Stimme auf, der Unterbau gewinnt an Volumen und weichem Timbre. Die Höhen sitzen sicher und erlauben ihm auch in Lautstärke und Tempo zuzulegen. Tsumaya Hidekazu setzt seinen mächtigen Bariton als Ramfis dagegen und auch mit seiner Körpergröße imponiert er. Der Chor des New National Theatre unter der Einstudierung von Misawa Hirofumi trägt mit seiner gelungenen Leistung maßgeblich zu diesem stimmungsvollen Abend bei.
Lange währt der Applaus des begeisterten Publikums, bevor es aus dem antiken Ägypten in seine hochtechnisierte, blankgeputzte Welt des 21. Jahrhunderts zurückkehrt.
Helmut Pitsch