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Von Beginn an herrscht ziemliche Dunkelheit. Aus den dichten Nebelschwaden heraus schälen sich immer mehr einzelne Körper heraus. Es ist das unterdrückte, wie zu Maos Zeiten blaugrau uniformierte Volk von Peking. Manchmal fuchtelt es aggressiv mit Messern herum oder umarmt sich liebevoll. Erst zum jubelnden Happyend ist es, wie alle anderen, blütenweiß gekleidet und die Bühne hell erleuchtet mit einer großen, strahlenden Sonne im Hintergrund: Cecilia Ligorio arbeitet bei der Neuproduktion von Giacomo Puccinis letzter Oper Turandot im Teatro la Fenice in Venedig mit vielen Farb‑, Licht- und anderen Symbolen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
So wird der herunterfallende Mond zum Fallbeil für den persischen Prinzen. Die Bühne selbst, sie wurde von Alessia Colosso erdacht, ist hingegen außer einem Bilderrahmen und einer sich fallweise herabsenkenden Brücke, dem Erscheinungsort der chinesischen Prinzessin, ziemlich leergeräumt und karg. Nur die immer wieder herumwuselnden Kinder sind von Anfang an in unschuldigem Weiß, drei von ihnen doubeln mit roten Anzügen und schwarzen Stiefeln gleich angezogen, bald die drei Minister. Das ist offenbar die Botschaft, dass Kinder charakterlich so wie Erwachsene werden können. Die Kostüme von Simone Valsecchi sind geschmackvoll historisch stilisiert. Besonders prachtvoll das Kleid der Titelheldin, das an mit seiner Strenge an jenes der bösen Königin aus dem Film Schneewittchen erinnert und die Robe des Kaisers Altoum gefallen.
Die Inszenierung ist insgesamt wenig vital, und obwohl die junge italienische Regisseurin den Plot laut Programmheft als reines Märchen sieht, ebenfalls recht nüchtern und mit wenig Poesie versehen. Bei der sehr statischen Rätselszene lässt sie es rätselhafterweise durchgehend schneien. Sehr ansprechend hingegen mit dem schwebenden Lichtern und Geistern ist die Nessun-dorma-Szene und sehr anrührend das helle und strahlende Finale.

Oksana Dyka singt die stolze, kalte Prinzessin mit ihren tödlichen Rätseln hochdramatisch und packend. Sie schafft die schwere dramatische Partie der Turandot mit wagnerischen Anforderungen an Umfang und Tonsprüngen sowie blitzenden Spitzentönen, die jedoch oft recht schneidend scharf werden, mühelos. Walter Fraccaro als Prinz Calaf neigt dazu, zu viel im Forte zu singen, wo nicht nur die Spitzentöne recht angestrengt klingen. Der Hit Nessun dorma gelingt ihm recht ansprechend. Bei Carmela Remigio als Liù hört man ungemein zarte und innig schattierte, aber auch vibratoreiche Töne. Sie ist dem lyrischen Fach schon fast entwachsen. Simon Lim als Timur verfügt über ein weiches Timbre, wirkt aber eher blass. Der Abschied von Liù gelingt ihm jedoch sehr berührend. Das Ministertrio, jene Modernisierung der alten Figuren der Commedia dell’arte, Allesio Arduini als Ping, Valentino Buzza als Pang, Paolo Antognetti als Pong, der Chor des Teatro la Fenice und der Kinderchor singen nahezu tadellos. Passend sind auch die kleineren Partien mit Marcello Nardis als Kaiser Altoum und Armando Gabba als Mandarin besetzt.
Der Klang des Orchesters des Teatro la Fenice unter Daniele Callegari ist prachtvoll, viele feine, aber auch eruptiv dynamische Schattierungen werden ausgereizt. Puccinis Partitur wird außer in einigen knalligen Passagen in eher breiten Tempi, delikat und feinschillernd mit exotisch-koloristischen Klangwirkungen umgesetzt.
Das Publikum reagiert mit heftigem, wenn auch nicht enthusiastischem Beifall. Für das Regie-Team gibt es ebenfalls freundliche Zustimmung.
Helmut Christian Mayer