O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DIE FLEDERMAUS
(Johann Strauß)
Besuch am
29. Juli 2025
(Premiere am 24. Juli 2025)
Bevor in Weikersheim das Spiel beginnen darf, können sich die Zuschauer an der herrlichen Kulisse freuen, die der Innenhof des Barockschlosses bietet, weniger jedoch an dem Xylofon-Spieler, der mit Hingabe sein Instrument immer wieder abwischt, denn – es regnet. Zwar nicht gerade viel, ein paar Tropfen sind es aber immer wieder. So kommen die Orchestermusiker tatsächlich auch schon mal und setzen sich, um dann gleich wieder im sicheren und trockenen Raum zu verschwinden. Zu kostbar sind die Instrumente auch bei den jungen Musikern des Bundesjugendorchesters, die alle zwei Jahre zusammen mit den Jeunesses Musicales hier eine Opernproduktion stemmen. Ganz schnell sind sie wieder verschwunden, mit Plastiktütchen auf den Geigen, den Celli und den Fagotten. Fast eine Stunde muss das Publikum ausharren, damit man beginnen kann.
Und da zeigt sich schon, wie begeisterungsfähig die jungen Menschen sind: Hintereinander kommen diejenigen auf die Bühne, die ihr Instrument auch im Regen spielen können: die Blechbläser. Jeweils ein Quartett von Posaunen und Hörnern erfreuen die Zuhörer mit Sätzen zu Volksliedern und auch das Hebe deine Augen auf aus dem Elias von Mendelssohn. Wer sich da nicht wohlig in die mitgebrachte Decke hüllt und sich an der sprühenden Energie der Jugendlichen freut, ist selbst schuld.

Dazu leuchtet schon der riesige Lüster, der auf die Bühne gefallen zu sein scheint – Symbol einer untergehenden Gesellschaft, die Strauß mit seiner Operette aufs Korn nimmt? Und da man spät beginnt, kann auch das Licht, durch Thomas Rösener alles gut in Szene setzend, von Anfang Effekte zeigen. Regisseur Dominik Wilgenbus mit Co-Regisseur Felix Scharff setzt in seiner Fassung der Fledermaus von 1873 mit dem jungen Ensemble auf eine starke Personenregie, zu der Sandra Linde ein reduziertes, aber absolut passendes und zweckmäßiges Bühnenbild gebaut hat. Silbrig glitzernde Quader werden zu einem Bett geformt und dienen später den reichlich angetrunkenen Hauptfiguren als halsbrecherische Stege, auf denen sie ihr komödiantisches Können zeigen können.
In eben diesem Bett darf Adele, während sie den Postboten vernascht, ihre erste Koloratur passend zu den Bewegungen beim Sex loslassen. Slapstickmäßig geht es weiter, ständig ist alles in Bewegung, und die großartige Choreografie von Giovanni Corrado hält einen in Atem, allein zu Beginn des zweiten Teiles zieht sich alles ein wenig. Stimmcoach Katharina Blaschke als Gefängniswärter Frosch gibt gemeinsam mit dem am Belcanto geschulten Tenor Marcelo Alexandre als Alfred eine witzige Einlage mit Zitaten aus Opern, wie das oft so gemacht wird. Uschi Haug als Kostümbildnerin steuert dem Ganzen fantasievolle und farbige Kostüme bei, die man sich auf den großen Opernbühnen, wo der graue Anzug häufig als Allerweltsheilmittel angesehen wird, oft wünschen würde.

Der musikalische Leiter Dirk Kaftan hat das riesige Bundesjugendorchester hervorragend im Griff und zeigt schon in der Ouvertüre, wo’s langgeht. Mit viel Impetus, dynamisch differenziert, in locker-leichter Sektlaune süffig ausgekostet, bringt er die jungen Musiker zu Höchstleistungen, kostet auch kleinste Figuren aus und trägt die Sänger mit Wohlwollen. Der Chor in der Einstudierung von Pieter-Jan Van den Broeck singt sauber und homogen und ist mit großer Spielfreude bei den Ensembleszenen dabei.
Die Sänger dieses Abends – man hat Doppel- und Dreifachbesetzungen – sind durchwegs ihrer Aufgabe gut gewachsen: Kaspar Fischer-Mylenbusch singt den Eisenstein, Luzia Ostermann Prinz Orlofsky, Thomas Garcia Santillan den Frank, Kilian Staudt Dr. Blind und Despina Louka die Ida. Ljubomir Milanovic als Dr. Falke offenbart einen wohltuend warmen und gut strömenden Bariton, und die beiden weiblichen Hauptfiguren haben die Bühne voll im Griff: Lena Geiger singt eine erfreulich jugendlich-lyrische Rosalinde mit Format, kraftvollen Tönen und großem Ausdruck. Valerie Haunz schließlich als Adele wickelt nicht nur die Männer auf der Bühne, sondern auch die Zuschauer mit ihrer perfekt sitzenden, trotz aller Höhe und Koloratur immer weichen und warmen Stimme um den Finger.
Und nicht nur Dr. Falke, der betrunken über einem Drehstuhl liegt, beim Orchester mitpfeift, feststellt, dass er zu tief ist und dann den Drehstuhl höherstellt, bewirkt Lacher im Publikum. Alle Dialoge sind spritzig und auf den Punkt gebracht von Dramaturgin Sara Zimmermann. Nach begeistertem Applaus verlässt zu später Stunde ein etwas fröstelndes, aber wunderbar unterhaltenes Publikum den Schlosshof. Und man muss sich sagen: So arg wie Alfred, der in der Frosch-Szene lange nur mit Bademantel bekleidet auf einem Gerüst ausharren muss, hat wohl keiner gefroren. An den ersten drei Augusttagen gibt es noch Vorstellungen, bei schlechtem Wetter in der zweiten, akustisch sehr hochwertigen Spielstätte, der Tauberphilharmonie gleich nebenan. Sehr zu empfehlen!
Jutta Schwegler