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Foto © Ufuk Arslan

Spitzentöne beim Sex

DIE FLEDERMAUS
(Johann Strauß)

Besuch am
29. Juli 2025
(Premiere am 24. Juli 2025)

 

Junge Oper Schloss Weikersheim

Bevor in Weikersheim das Spiel beginnen darf, können sich die Zuschauer an der herrlichen Kulisse freuen, die der Innenhof des Barock­schlosses bietet, weniger jedoch an dem Xylofon-Spieler, der mit Hingabe sein Instrument immer wieder abwischt, denn – es regnet. Zwar nicht gerade viel, ein paar Tropfen sind es aber immer wieder. So kommen die Orches­ter­mu­siker tatsächlich auch schon mal und setzen sich, um dann gleich wieder im sicheren und trockenen Raum zu verschwinden. Zu kostbar sind die Instru­mente auch bei den jungen Musikern des Bundes­ju­gend­or­chesters, die alle zwei Jahre zusammen mit den Jeunesses Musicales hier eine Opern­pro­duktion stemmen. Ganz schnell sind sie wieder verschwunden, mit Plastik­tütchen auf den Geigen, den Celli und den Fagotten. Fast eine Stunde muss das Publikum ausharren, damit man beginnen kann.

Und da zeigt sich schon, wie begeis­te­rungs­fähig die jungen Menschen sind: Hinter­ein­ander kommen dieje­nigen auf die Bühne, die ihr Instrument auch im Regen spielen können: die Blech­bläser. Jeweils ein Quartett von Posaunen und Hörnern erfreuen die Zuhörer mit Sätzen zu Volks­liedern und auch das Hebe deine Augen auf aus dem Elias von Mendelssohn. Wer sich da nicht wohlig in die mitge­brachte Decke hüllt und sich an der sprühenden Energie der Jugend­lichen freut, ist selbst schuld.

Foto © Ufuk Arslan

Dazu leuchtet schon der riesige Lüster, der auf die Bühne gefallen zu sein scheint – Symbol einer unter­ge­henden Gesell­schaft, die Strauß mit seiner Operette aufs Korn nimmt? Und da man spät beginnt, kann auch das Licht, durch Thomas Rösener alles gut in Szene setzend, von Anfang Effekte zeigen. Regisseur Dominik Wilgenbus mit Co-Regisseur Felix Scharff setzt in seiner Fassung der Fledermaus von 1873 mit dem jungen Ensemble auf eine starke Perso­nen­regie, zu der Sandra Linde ein reduziertes, aber absolut passendes und zweck­mä­ßiges Bühnenbild gebaut hat. Silbrig glitzernde Quader werden zu einem Bett geformt und dienen später den reichlich angetrun­kenen Haupt­fi­guren als halsbre­che­rische Stege, auf denen sie ihr komödi­an­ti­sches Können zeigen können.

In eben diesem Bett darf Adele, während sie den Postboten vernascht, ihre erste Koloratur passend zu den Bewegungen beim Sex loslassen. Slapstick­mäßig geht es weiter, ständig ist alles in Bewegung, und die großartige Choreo­grafie von Giovanni Corrado hält einen in Atem, allein zu Beginn des zweiten Teiles zieht sich alles ein wenig. Stimm­coach Katharina Blaschke als Gefäng­nis­wärter Frosch gibt gemeinsam mit dem am Belcanto geschulten Tenor Marcelo Alexandre als Alfred eine witzige Einlage mit Zitaten aus Opern, wie das oft so gemacht wird. Uschi Haug als Kostüm­bild­nerin steuert dem Ganzen fanta­sie­volle und farbige Kostüme bei, die man sich auf den großen Opern­bühnen, wo der graue Anzug häufig als Aller­welts­heil­mittel angesehen wird, oft wünschen würde.

Foto © Ufuk Arslan

Der musika­lische Leiter Dirk Kaftan hat das riesige Bundes­ju­gend­or­chester hervor­ragend im Griff und zeigt schon in der Ouvertüre, wo’s langgeht. Mit viel Impetus, dynamisch diffe­ren­ziert, in locker-leichter Sektlaune süffig ausge­kostet, bringt er die jungen Musiker zu Höchst­leis­tungen, kostet auch kleinste Figuren aus und trägt die Sänger mit Wohlwollen. Der Chor in der Einstu­dierung von Pieter-Jan Van den Broeck singt sauber und homogen und ist mit großer Spiel­freude bei den Ensem­ble­szenen dabei.

Die Sänger dieses Abends – man hat Doppel- und Dreifach­be­set­zungen – sind durchwegs ihrer Aufgabe gut gewachsen: Kaspar Fischer-Mylen­busch singt den Eisen­stein, Luzia Ostermann Prinz Orlofsky, Thomas Garcia Santillan den Frank, Kilian Staudt Dr. Blind und Despina Louka die Ida. Ljubomir Milanovic als Dr. Falke offenbart einen wohltuend warmen und gut strömenden Bariton, und die beiden weiblichen Haupt­fi­guren haben die Bühne voll im Griff: Lena Geiger singt eine erfreulich jugendlich-lyrische Rosalinde mit Format, kraft­vollen Tönen und großem Ausdruck. Valerie Haunz schließlich als Adele wickelt nicht nur die Männer auf der Bühne, sondern auch die Zuschauer mit ihrer perfekt sitzenden, trotz aller Höhe und Koloratur immer weichen und warmen Stimme um den Finger.

Und nicht nur Dr. Falke, der betrunken über einem Drehstuhl liegt, beim Orchester mitpfeift, feststellt, dass er zu tief ist und dann den Drehstuhl höher­stellt, bewirkt Lacher im Publikum. Alle Dialoge sind spritzig und auf den Punkt gebracht von Drama­turgin Sara Zimmermann. Nach begeis­tertem Applaus verlässt zu später Stunde ein etwas fröstelndes, aber wunderbar unter­hal­tenes Publikum den Schlosshof. Und man muss sich sagen: So arg wie Alfred, der in der Frosch-Szene lange nur mit Bademantel bekleidet auf einem Gerüst ausharren muss, hat wohl keiner gefroren. An den ersten drei August­tagen gibt es noch Vorstel­lungen, bei schlechtem Wetter in der zweiten, akustisch sehr hochwer­tigen Spiel­stätte, der Tauber­phil­har­monie gleich nebenan. Sehr zu empfehlen!

Jutta Schwegler

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