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EINE ROMANTISCHE CHORGALA
(Diverse Komponisten)
Besuch am
5. April 2024
(Premiere)
Unter das Motto „O welche Lust!“ stellt der Opernchor des Deutschen Nationaltheaters Weimar seine diesjährige Operngala. Entnommen ist das Zitat dem Gefangenenchor aus Fidelio von Ludwig van Beethoven, der ganz am Ende eines fulminanten Programms quer durch die Welt der Opernchöre aus dem 19. Jahrhundert steht. Gut vorbereitet durch Chorleiter Jens Petereit tragen die 50 Sänger auf der großen Bühne des Theaters ihr Publikum durch verschiedene Situationen hindurch, vom Einzug der Gäste auf der Wartburg über einen Chor an den Mond, singende Perlenfischer am blauen Meer, ein Trinklied, Hexengesänge, einen Flüchtlingschor bis zum Wach auf, es nahet gen den Tag aus den Meistersingern.
Bariton Uwe Schenker-Primus vom Ensemble des Nationaltheaters führt gut gelaunt durch „die kleine Landpartie des Opernchores“ und verbindet die einzelnen Stücke mit sehr angenehmer Stimme und einer guten Portion spontanen Humors, als das obligatorische Handy klingelt. Die Staatskapelle Weimar unter der energischen Leitung von Andreas Wolf leitet zu verschiedenen Chören hin und spielt die Ballettmusik aus der Verkauften Braut, als „Teil des Fantasieförderungsauftrags“ ohne Ballett, wie Schenke-Primus sagt, und hier springt auch zum ersten Mal so richtig der Funke über. Später wird die Ouvertüre zu Fidelio nochmals ein Paradestück werden, ansonsten begleiten die Musiker eben den Chor.
Der Abend gehört denn auch eigentlich dem Opernchor. Mit dem Einzug der Gäste aus Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf der Wartburg steigt der Chor mächtig ein, in Dormi, dormi, oh pastorello aus Adriana Lecouvreur lassen nach einer feinen Einleitung durch die Staatskapelle Soprane und Altistinnen den Hirten in den Schlaf finden, worauf die Männer des Chores als Perlenfischer kräftig an den Netzen ziehen und alle in Ruggiero Leoncavallos „Andiam!“ aus I Pagliacci die Glocken erklingen lassen. Sehr spannungsvoll bereitet das Orchester den Mondaufgang in O süßer Mond, o holde Nacht aus Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nikolai vor – sehr schön hier der Anfang in den Celli – den Mond nach und nach aus den Tiefen des Orchesters hebend, der Chor steigt mit ein, hier kommt Atmosphäre auf. Überhaupt scheinen die Cellisten zwischen den anderen Instrumentalisten den meisten Spaß zu haben, mit viel Freude geben sie sich in die herrliche Musik hinein, mit Mascagni und Smetana wird zur Pause hingeleitet.

Während die Staatskapelle unter ihrem Dirigenten Wolf mit dem Preludio der Traviata mit guter Spannung, sehr zart, in langen Bögen und schön phrasiert den zweiten Teil einleitet, wird vom Chor Großes verlangt: Verdis Gran Finale aus dem Autodafé in Don Carlo folgt und wird ausdrucksstark bewältigt. Sehr differenziert und gut ausgewogen singen die Damen den Hexenchor aus Macbeth. Beeindruckend gelingt auch der Chor der Flüchtlinge aus Verdis Macbeth: „Patria oppressa! Il dolce nome“. Mit knackigem Klang, nunmehr gutem, geschlossenem Einsatz und einem großen Forte begeistern die Sänger die Zuhörer.
Der Schluss des Konzertes gehört Ludwig van Beethoven und Richard Wagner. Sehr plastisch und voller Kraft geht die Staatskapelle die Ouvertüre aus Fidelio an, hier ist sie daheim. Im Gefangenenchor singt Gabriel Pereira mit durchsetzungsfähigem Tenor und schönem Timbre den ersten Gefangenen, Oliver Luhn mit hellem Bariton den zweiten. Nicht nur hier hat es der Chor manchmal schwer, sich gegen das Orchester durchzusetzen. Er zeigt bei den Ausschnitten aus den Meistersingern nochmals, dass er gute Pianos singen kann, wenngleich auch jetzt eine bessere Textverständlichkeit vonnöten wäre.
Man kann sich generell fragen, warum bei einer Chorgala, bei der ein Chor im Mittelpunkt des Geschehens stehen sollte, die Sänger im Hintergrund platziert werden und das Orchester direkt davor. Der Chor gewänne sehr an Präsenz, wenn man ihn weiter vorne am Rand der Bühne platzierte und das Orchester entweder dahinter oder im Graben. Einer besseren Textverständlichkeit käme das wohl auch zugute, auch der Kontakt zum Publikum wäre besser.
Chorleiter Petereit legt Wert auf obertonreiches Singen, was besonders bei Sopran und Tenor hörbar wird, manchmal ist auch der Sopran etwas dominant. Der Chor überzeugt am meisten in den ausdrucksstarken Stücken, reißt hier seine Zuhörer mit und liefert ihnen nach begeistertem Applaus die Zugabe aller Zugaben: Va pensiero aus Nabucco, dem das Publikum im zu Dreiviertel besuchten Haus andächtig lauscht, aber nicht wie in Italien mitsingt.
Am 12. und 27. April kann man sich diesen fulminanten Abend in Weimar erneut anhören.
Jutta Schwegler