O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Candy Welz

O welche Lust

EINE ROMANTISCHE CHORGALA
(Diverse Komponisten)

Besuch am
5. April 2024
(Premiere)

 

Deutsches Natio­nal­theater Weimar

Unter das Motto „O welche Lust!“ stellt der Opernchor des Deutschen Natio­nal­theaters Weimar seine diesjährige Operngala. Entnommen ist das Zitat dem Gefan­ge­nenchor aus Fidelio von Ludwig van Beethoven, der ganz am Ende eines fulmi­nanten Programms quer durch die Welt der Opern­chöre aus dem 19. Jahrhundert steht. Gut vorbe­reitet durch Chorleiter Jens Petereit tragen die 50 Sänger auf der großen Bühne des Theaters ihr Publikum durch verschiedene Situa­tionen hindurch, vom Einzug der Gäste auf der Wartburg über einen Chor an den Mond, singende Perlen­fi­scher am blauen Meer, ein Trinklied, Hexen­ge­sänge, einen Flücht­lingschor bis zum Wach auf, es nahet gen den Tag aus den Meistersingern.

Bariton Uwe Schenker-Primus vom Ensemble des Natio­nal­theaters führt gut gelaunt durch „die kleine Landpartie des Opern­chores“ und verbindet die einzelnen Stücke mit sehr angenehmer Stimme und einer guten Portion spontanen Humors, als das obliga­to­rische Handy klingelt. Die Staats­ka­pelle Weimar unter der energi­schen Leitung von Andreas Wolf leitet zu verschie­denen Chören hin und spielt die Ballett­musik aus der Verkauften Braut, als „Teil des Fanta­sie­för­de­rungs­auf­trags“ ohne Ballett, wie Schenke-Primus sagt, und hier springt auch zum ersten Mal so richtig der Funke über. Später wird die Ouvertüre zu Fidelio nochmals ein Parade­stück werden, ansonsten begleiten die Musiker eben den Chor.

Der Abend gehört denn auch eigentlich dem Opernchor. Mit dem Einzug der Gäste aus Tannhäuser oder der Sänger­krieg auf der Wartburg steigt der Chor mächtig ein, in Dormi, dormi, oh pastorello aus Adriana Lecou­vreur lassen nach einer feinen Einleitung durch die Staats­ka­pelle Soprane und Altis­tinnen den Hirten in den Schlaf finden, worauf die Männer des Chores als Perlen­fi­scher kräftig an den Netzen ziehen und alle in Ruggiero Leonca­vallos „Andiam!“ aus I Pagliacci die Glocken erklingen lassen. Sehr spannungsvoll bereitet das Orchester den Mondaufgang in O süßer Mond, o holde Nacht aus Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nikolai vor – sehr schön hier der Anfang in den Celli – den Mond nach und nach aus den Tiefen des Orchesters hebend, der Chor steigt mit ein, hier kommt Atmosphäre auf. Überhaupt scheinen die Cellisten zwischen den anderen Instru­men­ta­listen den meisten Spaß zu haben, mit viel Freude geben sie sich in die herrliche Musik hinein, mit Mascagni und Smetana wird zur Pause hingeleitet.

Foto © Candy Welz

Während die Staats­ka­pelle unter ihrem Dirigenten Wolf mit dem Preludio der Traviata mit guter Spannung, sehr zart, in langen Bögen und schön phrasiert den zweiten Teil einleitet, wird vom Chor Großes verlangt: Verdis Gran Finale aus dem Autodafé in Don Carlo folgt und wird ausdrucks­stark bewältigt. Sehr diffe­ren­ziert und gut ausge­wogen singen die Damen den Hexenchor aus Macbeth. Beein­dru­ckend gelingt auch der Chor der Flücht­linge aus Verdis Macbeth: „Patria oppressa! Il dolce nome“. Mit knackigem Klang, nunmehr gutem, geschlos­senem Einsatz und einem großen Forte begeistern die Sänger die Zuhörer.

Der Schluss des Konzertes gehört Ludwig van Beethoven und Richard Wagner. Sehr plastisch und voller Kraft geht die Staats­ka­pelle die Ouvertüre aus Fidelio an, hier ist sie daheim. Im Gefan­ge­nenchor singt Gabriel Pereira mit durch­set­zungs­fä­higem Tenor und schönem Timbre den ersten Gefan­genen, Oliver Luhn mit hellem Bariton den zweiten. Nicht nur hier hat es der Chor manchmal schwer, sich gegen das Orchester durch­zu­setzen. Er zeigt bei den Ausschnitten aus den Meister­singern nochmals, dass er gute Pianos singen kann, wenngleich auch jetzt eine bessere Textver­ständ­lichkeit vonnöten wäre.

Man kann sich generell fragen, warum bei einer Chorgala, bei der ein Chor im Mittel­punkt des Geschehens stehen sollte, die Sänger im Hinter­grund platziert werden und das Orchester direkt davor. Der Chor gewänne sehr an Präsenz, wenn man ihn weiter vorne am Rand der Bühne platzierte und das Orchester entweder dahinter oder im Graben. Einer besseren Textver­ständ­lichkeit käme das wohl auch zugute, auch der Kontakt zum Publikum wäre besser.

Chorleiter Petereit legt Wert auf oberton­reiches Singen, was besonders bei Sopran und Tenor hörbar wird, manchmal ist auch der Sopran etwas dominant. Der Chor überzeugt am meisten in den ausdrucks­starken Stücken, reißt hier seine Zuhörer mit und liefert ihnen nach begeis­tertem Applaus die Zugabe aller Zugaben: Va pensiero aus Nabucco, dem das Publikum im zu Dreiviertel besuchten Haus andächtig lauscht, aber nicht wie in Italien mitsingt.

Am 12. und 27. April kann man sich diesen fulmi­nanten Abend in Weimar erneut anhören.

Jutta Schwegler

Teilen Sie O-Ton mit anderen: