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MY FAIR LADY
(Alan Jay Lerner, Frederick Loewe)
Besuch am
1. März 2020
(Premiere am 17. April 2016)
Seit 1956 bezaubern die Melodien und Lieder von Alan Jay Lerner und Frederick Loewe die vielen Millionen Besucher der Broadway- und London-Produktionen sowie der unvergesslichen Film-Version mit Rex Harrison und Audrey Hepburn. Auch die Produktion am Deutschen Nationaltheater in Weimar hatte bisher mehr als 35 fast immer ausverkaufte Vorstellungen. Nun wird die Produktion von Regisseur Anthony Pilavachi am Ende dieser Saison abgesetzt. Schade.
Pilavachi erzählt die Pygmalion-Geschichte der einfachen Blumenverkäuferin, die sich, dank dem Phonetik-Unterricht von Professor Higgins in eine wahre Lady verwandelt, mit viel Charme. Der Erfolg dieser Vorstellungsreihe ist auch der musikalischen Umsetzung der Evergreen-Melodien des Dirigenten Stefan Lano zu verdanken, dem es gelingt, der ehrwürdigen Staatskapelle Weimar Broadway-ähnlichen Swing zu entlocken. Und das trotz des zusätzlichen Hindernisses, auf der Bühne hinter den Sängern spielen zu müssen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Das Bühnenbild von Markus Meyer war ursprünglich für die wesentlich kleinere Bühne des Redouten-Theaters konzipiert. Somit sehen die diversen bemalten Versatzstücke auf der wesentlich größeren Bühne des Nationaltheaters manchmal etwas verloren aus. Aber durch das clevere Hin- und Herschieben der bemalten Elemente läuft der notwendige schnelle Szenenwechsel reibungslos – aus dem Platz vor der Oper am Covent Garden wird die Bibliothek des Professors, wo die endlosen Lektionen abgehalten werden, bis Eliza endlich den phonetischen Durchbruch schafft, oder der Buckingham-Palast für den Diplomatenball. Markus Meyer zeichnet auch für die Kostüme verantwortlich, die in ihrer für die 1950-er Jahre klassischen Stilisierung sehr gelungen sind. Besonders der Ausflug zum Pferderennen nach Ascot, mit seiner traditionellen Betonung auf Hutmode ist fantasievoll ausgekostet. Als Referenz zu der Jahrhunderte alten Spitzentradition aus Plauen, ist das Kostüm der Eliza mit schwarz bestickter Tüllspitze ein absoluter Höhepunkt und könnte sich auf jedem roten Teppich der Welt sehen lassen.

Diese Fair Lady wird auf Deutsch gesungen und ist sogar gut verständlich, trotz gelegentlicher Übersteuerung und Verzerrung durch die wohl veraltete Tonverstärkungsanlage. Das hervorragende Ensemble lässt sich davon nicht stören. Allen voran die kurzfristig eingesprungene Caterina Maier als Eliza Doolittle, die mit ihrem hellen Sopran und warmer Höhe sowie großer Spielfreude völlig überzeugt. Ihre Wandlung von der Rinnsteinpflanze mit Berliner Schnauze in eine echte Dame der Gesellschaft hat nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit ihrer Haltung und inneren Überzeugung zu tun. Ebenso spielt Bass-Bariton Damon Nestor Ploumis ihren Vater Alfred P. Doolittle mit voller körperlicher und stimmlicher Hingabe. Seine außerordentliche Bühnenpräsenz dominiert jede seiner Szenen. Bariton Uwe Schenker-Primus ist als Professor Higgins ein glaubwürdiger Egoist; Bernd Lange als Oberst Pickering ist ein vollendeter Gentleman und blasser Gegenspieler. Genau wie Jörn Eichler den Freddy Eynsford-Hill spielt, stellt man sich diesen jungen Verliebten vor – voller Idealismus und wenig Bezug zur Realität. Katrin Niemann gibt seine Mutter Ms Eynsford-Hill mit Stil und Humor. Köstlich wird die gestrenge Haushälterin Ms Pearce mit dem goldenen Herz von Elke Sobe dargestellt.
Markus Oppeneiger hat den spielfreudigen Chor einstudiert und Friedrich Bührer mit Anthony Pilavachi die diversen Tanznummern für die großen Szenen choreografiert – alles notwendige Elemente, die zu der gelungenen Umsetzung des Musicals beitragen.
Auch nach so vielen Aufführungen: stehender Beifall für alle Beteiligten.
Zenaida des Aubris