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TOSCA
(Giacomo Puccini)
Besuch am
19. April 2019
(Premiere am 9. März 2019)
Liebe, Eifersucht, Ausnutzung der Macht – diese drei Elemente beherrschen bekanntlich die Handlung der Oper Tosca von Giacomo Puccini. In der neuen Produktion von Hasko Weber werden sie mit Bezug auf das Hier und Heute ausgelegt. Bühnenausstatter Thilo Reuther weist gleich im ersten Akt mit seinem raumfüllenden, umgekippten Kreuz auf die mächtige Stellung der Kirche hin. Cavaradossi malt ein großes Poster im Pop-Art-Stil, ein kleiner Altar mit Madonna-Plastiklampe und Batteriekerzen, die erst angehen, wenn man sie anbläst. Scarpia kommt als harmloser Undercoveragent daher. Auch im zweiten Akt erzählt das Bühnenbild die Geschichte mit weiteren Symbolen: eine Neonlichtskulptur einer Kalaschnikov, die auch noch in den entscheidenden musikalischen Momenten die Farbe wechselt, und den berühmten Armsessel von Walter Gropius – wir sind in Weimar, wo man gerade 100 Jahre Bauhaus feiert – identifizieren Scarpia als Kunstinvestor, der seine Macht eher im persönlichen Gespräch aufflammen lässt. Zwar wird Cavaradossi off-stage gefoltert, aber im entscheidenden Moment auf der Bühne von Scarpia dann doch angegriffen und fast erwürgt – mit einer langstieligen Rose. Mit Rosen kennt sich Tosca als erfolgreiche Sängerin aus, und Blumen werden dann auch von ihr auf Scarpia verteilt, nachdem sie – eine moderne Frau muss ja auf alles gefasst sein – ihren selbst mitgebrachten Dolch benutzt hat, um Scarpia umzubringen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Beim Hinrichtungsort des dritten Aktes waren die Graffitikünstler mit großformatigen Bildern am Werk. Unverkennbar der Zweck des Ortes mit übergroßen Einschüssen auf roten Wänden. Dazu die Kostüme von Sarah Antonia Rung, die vergebens probieren, den Spagat zwischen historischen Vorlagen und der Gegenwart zu überbrücken.
Der Tosca von Camila Ribero-Souza wird in dieser Produktion keine Gelegenheit gegeben, traditionell weiblich-verführerisch zu sein. Schon ihre Kostüme – Hosenanzüge und klobige Stiefel – zeigen auf, dass diese Figur sich auf innere Werte konzentrieren muss. Das zeigt sie allerdings bestens in ihrem wunderschön innigen Gebet Vissi d’arte mit glockenklarer Höhe. Mit einer kleinen Geste verrät sie viel: Bevor sie beschließt, sich Scarpia hinzugeben, nimmt sie ihre Kreuzkette ab. Das Regiekonzept erlaubt ihr aber nicht, ihren natürlichen Instinkten zu folgen; wenn sie im dritten Akt mit dem vermeintlichen Freibrief zu ihrem Geliebten eilt, übergibt sie den, als wäre es ein Brief vom Finanzamt, und wendet sich ab. Erst wenn über eine gemeinsame Zukunft gedacht wird, kommen sich Tosca und Cavaradossi näher.

Tenor Jaesig Lee ist sowohl stimmlich wie szenisch überzeugend. Wie er mühelos das Vittoria im zweiten Akt schmettert und sehr inbrünstig das Bravourstück E lucevan le stelle singt, lassen erahnen, dass hier ein Welttalent heranreift.
Bariton Alik Abdukayumov gibt leider nicht den Eindruck, dass Scarpia eine Rolle nach seinem Geschmack ist. Viel zu lyrisch und ohne notwendige Lust an der Macht ist seine Interpretation.
Der Regisseur meint, Tosca „nimmt sich selbst aus dem Leben“ in der Schlussszene, da es für sie keine Perspektive mehr gibt. Das erklärt vielleicht, wieso man eine weiße Puppe fallen sieht, während sie an der Rampe kniet und selbst nicht springt. Kurz danach gibt es ein Wiedersehen im Jenseits – Scarpia erscheint und geht auf Tosca zu. Cavaradossi ist wohl noch im Schock, dass er wirklich erschossen wurde – für ihn gibt es keine Auferstehung.
Die ausgezeichnet aufgelegte Staatskapelle wird von Stefan Lano dirigiert. Erstaunlich, wie viel Italianità er dem Orchester entlockt. Lyrische Passagen und dynamische Tempi lassen aufhorchen und die wunderbaren Melodien von Puccini aufblühen.
Einhelliger Applaus für die Solisten, den Dirigenten und die Staatskapelle.
Zenaida des Aubris