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UN BALLO IN MASCHERA
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
7. Juni 2018
(Premiere am 2. Juni 2018)
Zugegeben, die Geschichte von Verdis Ballo in Maschera ist nicht einfach, aber das ist nichts Neues in der Oper. Dreiecksgeschichten, Treue und Verrat sind doch ganz gängige Themen. Diese Handlung basiert sogar auf echten Tatsachen – die Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. am 16. März 1792 auf einem Maskenball. Er wollte den arrivierten Ständen zu viele Privilegien aberkennen, war vom Volk geliebt, aber von den Ständen gehasst. Verdi, der schon einen Ruf als Komponist mit politischem Einfluss hatte, musste den Zensoren mehrere Fassungen vorlegen, bevor die Handlung zur Uraufführung in Rom 1859 genehmigt wurde. In Weimar wird die Boston-Fassung gespielt, die den Ort der Handlung in die fernab gelegene amerikanische Stadt versetzt.
Aber die Geschichte als parodistischen Traum zu erzählen – das macht es sich Regisseurin Eva-Maria Höckmayer zu leicht. Und trägt wenig zur Verständigung bei. In Höckmayers Regie wird der Regent Riccardo gleich zu Anfang von dem maskierten Chor erschossen – eine Vorahnung seines Schicksals. Wie in vielen Alpträumen, wird aber diese Aktion mehrmals wiederholt, jedes Mal fällt Riccardo auf den aufgemalten Schattenriss, wie wir ihn von modernen Krimis kennen. Nach dem echten Schuss im letzten Akt steht er sogar nochmal auf, um dann in den Armen von Amelia zu sterben. Jedoch geht das Regiekonzept nicht auf. Zu viel hat sich die Regisseurin vorgenommen und nicht eindeutig kommuniziert. Zu einer guten Regie gehört, dass man nicht das Programmheft lesen muss, um zu verstehen, was die Intentionen der Regie sind. Hier erfährt man, dass das Konzept als psychologischer Totentanz verstanden werden soll, bei dem sich die niederen Instinkte der Menschheit wie Hohn und Demütigung leichter zeigen lassen, wenn die Ausführenden maskiert sind. Also tänzelt der Chor entweder im Walzerschritt oder zeigt im Can Can diese Emotionen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
In der schwarzweißen Welt, die Bühnenbildner Volker Thiele mit einigen Versatzstücken und Guckkasten herstellt, ist viel Platz für die vielen Video-Hintergründe von Bahadir Hamdemir. Die deuten mit ihren portraitähnlichen Nahaufnahmen die Emotionen der Hauptdarsteller. Dazu kommen die Aufnahmen des neoklassischen Theaterfoyers, die der Bühne Eleganz verleihen sollen. Ergänzend kleiden die zeitlos schwarzen Abendkostüme von Julia Rösler die Darsteller und den Chor. Nur Amelia darf ein türkisfarbenes Kleid tragen. Soll diese Farbe ihre gespaltene Gefühlswelt zwischen treuer Gattin und Mutter und Liebender bezeugen? Wir wissen es nicht. Dazu kommt, dass sie sich im wunderschönen Duett mit Riccardo klischeehaft entkleidet, um danach den schon so oft gesehenen Trenchcoat anzuziehen. Und noch ein allzu deutlicher Hinweis der Regie-mit-Kostümen: Ewig verwickelt sich Amelia in einem weißen Brautschleier, die Wahrsagerin Ulrica bekommt einen schwarzen, um die Aura des Mysteriösen zu steigern.

Trotz des unausgegorenen Regiekonzepts lohnt sich der Besuch dieser Produktion. Nach dem Motto „Prima la musica“ – erst kommt die Musik, dann die Regie. Und diesen Part hat Dirigent Stefan Lano voll im Griff. Wie er der exzellenten Deutschen Staatskapelle so viel der wenig greifbaren Italianità abverlangt, ist bemerkenswert. Manchmal dramatisch, manchmal träumerisch und emotionsgeladen, Lano folgt den Intentionen von Verdi und leistet Feinarbeit mit den Ensembles. Unterstützt wird er von dem sehr guten Ensemble der Sänger. Allen voran Jaesig Lee, der hier sein Rollendebüt als Riccardo gibt. Mit schlankem Timbre und melodischen, schönen Tönen meistert er die Rolle glänzend. Sopranistin Camelia Ribero-Souza ist eine emotionsgeladene Amelia, die mit ihrer sehr reichen Mittellage eine zerrissene Frau darstellt, die zwischen Pflicht und Liebe steht. Alik Abdukayumov überzeugt mit üppigem, samtigem Bariton in seiner Rolle als Renato. Erst als bester Freund des Regenten, dann Komplize der Verschwörer gegen ihn. Nadine Weissmann, vielen bekannt als Erda im Castorfschen Bayreuther Ring, übernimmt hier erstmals die Partie der Ulrica. Eine Erscheinung in Schwarz mit weißer Maske, gibt sie der Partie eine elegante und salonfähige stimmliche Würde, weitab jeglicher schmuddeliger Hinterzimmer-Atmosphäre. Riccardos Page Oscar wird hier von der Sopranistin Caterina Maier keck geboten – mit schönen Koloraturen und Freude am Spiel.
Das Publikum im leider nicht ausverkauften Haus würdigt die Leistungen der Sänger und vor allem des Orchesters mit seinem Dirigenten.
Zenaida des Aubris