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Foto © Clive Barda

Vergessenes ans Licht gebracht

MARGHERITA
(Jacopo Foroni)

Besuch am
26. Oktober 2017
(Premiere am 20. Oktober 2017)

 

Wexford Opera Festival, O’Reilly Theatre

Verträumt und abgeschieden liegt das Provinz­städtchen Wexford an der südöst­lichen Insel­spitze Irlands. Hafen und Fischfang, Fisch­zucht und Handel dominieren das Leben. Einmal im Jahr für zwei Wochen Ende Oktober veran­staltet die Wexford Opera Stiftung das gleich­namige Festival, das durch seine Ausrichtung auf ungespielte Meister­werke einzig­artig ist. Mit wachsendem Interesse richtet sich die Aufmerk­samkeit der Opern­freunde auf diesen beschau­lichen Ort. 2008 wurde die Arbeit der Stiftung und zahlloser freiwil­liger Unter­stützer mit der Fertig­stellung eines neuen Opern­hauses gekrönt, das ohne Skandale in kürzester Zeit um lediglich 30 Millionen Euro fertig­ge­stellt wurde und durch irische Beschei­denheit in Eleganz und akusti­scher Qualität besticht. Ein Dokument von erfolg­reicher Zusam­men­arbeit zwischen kommu­nalem Entschei­dungs­träger, privatem Engagement und Management.

Beispielhaft sind auch die profes­sio­nellen Aktivi­täten im Sammeln von privaten Geldern und Sponsoren. Persön­licher Kontakt mit den Verant­wort­lichen und Künstlern wird gelebt. Am Eingang begrüßen das Management und das Kuratorium im Stiftungsrat hilfs­bereit jeden Besucher, Geldgeber finan­zieren direkt einzelne Bausteine, wie gesamte Produk­tionen oder die Auftritte einzelner Künstler und werden auch in die Vorbe­rei­tungen und die Auffüh­rungs­praxis einge­bunden. Dazu kommt eine Vielzahl freiwil­liger Helfer, die mit Begeis­terung und anste­ckender Höflich- und Freund­lichkeit den reibungs­losen Ablauf des Festivals mit mittler­weile reich­hal­tigem Programm sichern.

Neben drei abend­fül­lenden Werken werden am Nachmittag Kurzopern, sogenannte short­works, gespielt, zu Mittag gibt es lunch recitals und an spiel­freien Abenden werden Konzerte angeboten. Mit Vorträgen, Einfüh­rungen, Lesungen und auch einem Theater­abend wird der anrei­sende Besucher aus dem In- und vermehrt aus dem Ausland gut beschäftigt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Dieses Jahr ist ein Schwer­punkt auf italie­nische Kompo­nisten und deren vergessene Werke aus verschie­denen Epochen gerichtet. Mit Luigi Cheru­binis Medea wurde das diesjährige Festival in der Regie von Fiona Shaw eröffnet. Bei der Urauf­führung gefeiert, geriet es trotzdem schnell in Verges­senheit. So auch das Schicksal von Jacopo Foronis erster Oper Margherita. Sein viel zu früher Tod an Cholera 1858 mit 33 Jahren verhin­derte seinen Durch­bruch als Komponist, seine erfolg­reiche Tätigkeit als Dirigent und Orches­ter­leiter in Stockholm schränkte zudem seine Kompo­si­ti­ons­tä­tigkeit ein. In der Tradition des Belcanto von Rossini und Donizetti angesiedelt, schreitet er in der Orchste­rierung seiner Werke in Richtung Hochro­mantik und nähert sich dem Meister Verdi. Basierend auf einem Stück Eugene Scribes, handelt das Werk von der Liebe der jungen, hübschen Waise Margherita zum Soldaten Ernesto und dem Begehren des verbre­che­ri­schen Gesellen Rudolfo auf den Reichtum der gutgläu­bigen, großher­zigen Waise. Bewusst geschürte Intrigen, Irrungen und Verwir­rungen dominieren die Handlung, die am Ende diesem Melod­ramma semiseria eine glück­liche Lösung beschert.

Alessandra Volpe als Margherita – Foto © Clive Barda

Michael Sturm hat bereits die zweite Oper Cristina von Schweden von Jacopo Foroni im Staats­theater Oldenburg, dem Kopro­du­zenten dieser Insze­nierung, auf die Bühne gebracht. Er siedelt seine Gestaltung in die Zeit des Wieder­aufbaus nach dem zweiten Weltkrieg an. Umgeben von ausge­bombten tristen grauen Hauswänden – Bühnenbild von Stefan Rieckhoff – amüsiert sich im starken Kontrast eine bunt gekleidete, ländliche Gesell­schaft rund um die Haupt­dar­steller, deren steigender Wohlstand erkennbar ist. Der in seinem Amt lustlose Bürger­meister Ser Matteo wirkt wie ein kleiner Mafioso mit seinem hellen Zweireiher mit Hut. Die Regie teilt ihm die komische Note zu, die Matteo d’Apolito versucht, in seinem Spiel umzusetzen, aber es fehlt ihm die Lässigkeit und auch die sänge­rische Souve­rä­nität und Kraft. Sein Neffe, der Bösewicht Rudolfo wird durch Filippo Fontana stärker gezeichnet und mit seinem warmen Bariton, der auch über eine würzige Lautstärke verfügt, gut ausge­füllt. In der Titel­rolle wirkt Alessandra Volpe mit ihrem kraft­vollen und metallen schmet­ternden Sopran schon sehr erwachsen. Dem kann Andrew Stenson als ihr Geliebter auch wenig entge­gen­halten. Unsicher und begrenzt in der Höhe kämpft der Tenor mit dem Gesang, sodass wenig Darstellung in der Rolle seinen Platz findet. Conte Rodolfo hat eine majes­tä­tische Schlüs­sel­rolle in diesem Werk, deshalb auch als Bassrolle gezeichnet. Groß in Gestalt fehlt aber dem ukrai­ni­schen Bassisten Yuriy Yurchuk Fülle und honorige Schwere. Seine große Arie im ersten Akt erreicht so nicht den gebüh­renden Stellenwert.

Die Musik von Jacopo Foroni verbindet orches­trierten Sprech­gesang, belcante Artistik in den Kolora­turen und roman­tische Arien mit italie­ni­schem Kolorit. Hervor­ragend der bestens von Errol Girdle­stone präpa­rierte Chor des Festivals, der in den vielen Chorszenen Stimmung und Hörgenuss verbreitet. Timothy Myers ist es ein Herzens­wunsch, das Werk Foronis wieder bekannter zu machen. Mit viel Verständnis und Können vermittelt er seinen Musikern italie­nische Farbe und Akzent im Spiel. Er kompri­miert dosiert den Orches­ter­klang, um den Sängern Freiraum zu gewähren, ohne Schwung und Leich­tigkeit zu verlieren. Solis­tische Wechsel­spiele mit der Bühne gelingen reibungslos und der Spannungs­bogen bricht nie ab.

Insgesamt ein unbeschwerter Opern­abend aus einer Mischung von Reminis­zenzen an bekanntere Kompo­nisten und Zeitge­nossen Foronis, der in der Perso­nen­regie durchaus mehr Schwung und Einfälle vertragen hätte. Das Publikum spendet kräftig kurzen Beifall.

Helmut Pitsch

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