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Foto © Michael Pöhn

Packendes Revolutionsdrama

ANDREA CHÉNIER
(Umberto Giordano)

Besuch am
29. April 2018
(Premiere 1981)

 

Wiener Staatsoper

Sie ist schon ziemlich in die Jahre gekom­menen und nur noch rudimentär vorhanden, jene Uralt­in­sze­nierung von Otto Schenk aus dem Jahre 1981 von Umberto Giordanos Andrea Chénier an der Wiener Staatsoper. Und sie hat auch schon ziemlich Staub angesetzt mit ihren tradi­tio­nellen Kostümen und den herun­ter­ge­kom­menen Kulissen, die die Örtlich­keiten einiger­maßen histo­risch andeuten. Sie ist überwiegend geprägt von den unter­schied­lichen, schau­spie­le­ri­schen Fähig­keiten der Protago­nisten. Jeder agiert nach seinem Können. Bei den Massen­szenen hingegen dominiert die Statik, die man einfach so hinnimmt. Aber eigentlich ist das Publikum ja nicht wegen der Insze­nierung gekommen. Die ist dem Opern­freund in diesem Fall ziemlich egal, denn es geht in erster Linie um die Protago­nisten, die den Opern­abend inter­essant machen.

„Viva la morte insiem!“ Es sind die letzten Spitzentöne der beiden, die sie gemeinsam schmettern, bevor sie unter gewal­tigen Orches­ter­klängen mit einem Holzkarren zum Schafott geführt werden. Aber nicht nur vor ihrem Liebestod, in diesem finalen Duett faszi­nieren Jonas Kaufmann und Anja Harteros bei dieser franzö­si­schen Revolu­ti­onsoper, sondern auch zuvor stimmlich und darstel­le­risch, besonders wenn sie gemeinsam in voller Harmonie singen und vom Publikum im ausver­kauften Haus umjubelt werden. Nicht zu Unrecht werden die beiden immer wieder als das neue Traumpaar der Oper bezeichnet.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das war jedoch an diesem Abend zumindest keineswegs von Anfang an so: Nach London und München singt Jonas Kaufmann die Titel­partie in diesem richtigen Verismo-Reißer nun erstmalig an der Wiener Staatsoper. Denn anfänglich wirkt er kurz direkt etwas knorrig in der Tiefe und singt recht verhalten. Doch er steigert sich immer mehr. Seine höchsten Spitzentöne sitzen absolut sicher und sind kraftvoll. Schließlich weiß er mit seinem wunderbar samtigen, baritonal klingenden Timbre und seinem kulti­vierten Schön­gesang zu betören und ohne Manie­rismen auch im Ausdruck zu berühren. Er passt ideal in die Rolle des melan­cho­li­schen, ja verträumten Poeten, der ernsthaft, aber auch leiden­schaftlich für die Revolution und die Liebe brennt: Die Partie ist wie geschaffen für ihn.

Foto © Michael Pöhn

Indis­po­niert angesagt, lässt Anja Harteros, Kaufmanns Münchner Dauer­part­nerin, bei ihrem Wiener Rollen­debüt als Maddalena di Coigny zu Beginn etwas zurück­hal­tende, für sie ungewohnte Töne vernehmen. Sie wirkt, wie die Rolle es vorsieht, zu Beginn sehr mädchenhaft, zeigt im Laufe des Abends immer größere Gefühle und reichere Nuancen. Sie begeistert mit großer Legato­kultur und eindrucks­vollen Spitzen­tönen. Ihre große Arie La mamma morta“ wird zum Ereignis und besonders bejubelt.

Robert Frontali ist mit seinem kernigen, kräftigen Bariton ebenfalls sehr präsent und kann mitreißend die innere Zerris­senheit des Carlo Gérard darstellen. Auch für seine Paradearie Nemico della patria erntet er ebenfalls viel Applaus und Jubel. Aus den zahlreichen Neben­rollen ragen Ilseyar Khayrullova als ausdruck­starke Bersi, Zoryana Kushpler als sehr berüh­rende Madelon, Carlos Osuna als intri­ganter Incroyable, Wolfgang Bankl als mächtiger Mathieu sowie Boaz Daniel als warmstim­miger Freund Chéniers Roucher hervor. Untadelig singt auch der Chor der Wiener Staatsoper, der von Thomas Lang einstu­diert wurde.

Marco Armiliato am Pult liebt den großen Klang und lässt das Orchester der Wiener Staatsoper mit saftiger Dramatik, aggres­siven und manchmal lauten, knalligen Revolu­ti­ons­klängen immer extrem spannend musizieren, nimmt dabei aber nicht immer Rücksicht auf die Sänger. Es sind jedoch auch immer wieder subtile Farbnu­ancen aus dem Orches­ter­graben zu vernehmen.

Zum Schluss ertönt lautstarker, langan­hal­tender Jubel für alle Sänger und den Dirigenten beim vollends begeis­terten Publikum.

Helmut Christian Mayer

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