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Geld regiert die Welt

BESUCH DER ALTEN DAME
(Gottfried von Einem)

Besuch am
20. März 2018
(Premiere am 16. März 2018)

 

Theater an der Wien, Wien

Für die Avant­gar­disten galt Gottfried von Einem als verstaubter, rückwärts­ge­wandter Komponist. Beim Publikum hingegen wurden seine Werke immer große Erfolge. Er verleugnete nie die Tonalität und trotzdem wusste er immer wieder klanglich zu überra­schen. Denn seine Klang­sprache ist soghaft, pochend, komplex, mit spannenden Akzenten durch­setzt. So auch bei seiner 1971 urauf­ge­führten Oper Der Besuch der alten Dame, die jetzt als Hommage an seinen heurigen 100. Geburtstag im Theater an der Wien zur Aufführung gelangt. Die Wiener Staatsoper folgt übrigens in Kürze mit Dantons Tod, einer Oper, mit der der 1996 verstorbene Komponist seinen Durch­bruch feierte.

Dieses Zieldrama wirkt natur­gemäß noch stärker, wenn seine Sogwirkung so zum Ausdruck kommt, wie beim ORF-Radio­sym­pho­nie­or­chester Wien unter Michael Boder, einem ausge­spro­chenen Spezia­listen fürs „modernere“ Reper­toire: Fein ausba­lan­ciert, kulti­viert, diffe­ren­ziert, nie vorder­gründig, auch dynamisch an die Dimension des doch eher kleineren Theaters an der Wien angepasst, was auch der Textver­ständ­lichkeit der Protago­nisten zugutekommt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Und die sind für alle Partien ideal besetzt. Katarina Karnéus verbindet in der sehr fordernden Partie der Claire Zachan­assian mit etwas herbem Timbre und allen Spitzen­tönen, Verbit­terung mit Charme und Belus­tigung. Ihr zur Seite steht Russell Braun, ihr ehema­liger Geliebter Alfred Ill. Er singt die Partie akzentfrei, kraftvoll und markant. Er hat sie einst, als sie schwanger wurde, wegen einer reichen Kaufmanns­tochter verstoßen. Jetzt kehrt Claire als super­reiche Frau zurück und will sich für die ihr wider­fahrene Ungerech­tigkeit rächen. Sie bietet dem dahin­sie­chenden, herun­ter­ge­kom­menen, verarmten Heimatdorf Güllen, wo es kaum noch Arbeit gibt, eine Spende von einer Milliarde, wenn jemand Ill tötet. Zuerst wird das Angebot von den Einwohnern als unmora­lisch abgelehnt. Das in Aussicht gestellte Geld korrum­piert die Einwohner jedoch zusehends, man kauft eifrig auf Pump ein, leistet sich immer mehr Luxus und alles führt zum erwar­teten, fatalen Ende.

Foto © Werner Kmetitsch

Und alle machen mit: So auch der zynische und besser­wis­se­rische Lehrer, der von Adrian Eröd mit seinem Pracht­ba­riton gesungen wird. Und der aufge­blasene Bürger­meister, den Raymond Very sehr eindringlich mit allen Spitzen­tönen und viel Groteske gestaltet. Wie auch sogar Markus Butter als ketten­rau­chender und mit kräftigem Bariton singender Pfarrer. Und auch der Arzt, der von Martin Achrainer ideal verkörpert wird. Martin Köfler gibt den ebenfalls mitma­chenden, gewalt­be­reiten Polizisten. Cornelia Horak ist die genuss­süchtig aufge­don­nerte Frau von Ill. Mark Milhofer singt den großartig gezeich­neten, unheim­lichen Butler Boby der Milli­ar­därin, der auch ständig ihren schwarzen Panther an der Leine hält, mit scharfem Charak­ter­tenor und dämoni­scher Ausstrahlung. Bewährt schau­spie­le­risch und gesanglich wie immer top: der Arnold-Schoenberg-Chor.

Grau und eintönig gekleidet sind anfänglich nicht nur die Einwohner von Güllen, in dieser Farbe sieht man auch die Häuser des Kaffs und Züge, die als Karto­nagen herun­ter­hängen. Kein Schnellzug hält mehr regulär, bis die Milli­ar­därin, die die Notbremse gezogen hat, hier am Bahnhof in grellem, gelbem Kostüm, wie eine artifi­zielle, schrille Hexe mit Arm- und Beinpro­thesen, aussteigt. Immer im Schlepptau hat sie ihren Butler wie auch den schwarzen Panther, diesen Spitz­namen hat sie einst ihrem Geliebten gegeben.

Nach ihrem unmora­li­schen Angebot ändert sich nun die Farbsym­bolik. Immer mehr Farbtupfer dominieren die Bühne, zum Ende ist sie schließlich im schrillen Grellbunt, je mehr sich auch die Meinung der Bevöl­kerung und ihr immer mehr steigender Konsumwahn ändert. Auch moder­ni­siert sich das Ambiente in der Ausstattung von David Fielding immer mehr. Regisseur Keith Warners Bilder sind kurzweilig, seine Analogie ist schlüssig. Er erzählt die bitterböse, beklem­mende Parabel über die Gier und die korrum­pie­rende Macht des Geldes des großen Schweizer Drama­tikers Friedrich Dürrenmatt, der auch das Libretto selbst verfasste, detail­liert, ideen­reich, packend und eindrucksvoll.

Fazit: Zeitge­mäßes Musik­theater vom Feinsten, das unter die Haut geht und vom Publikum bejubelt wird.

Helmut Christian Mayer

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