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Foto © Michael Pöhn

Düsteres Nachtstück

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
5. Dezember 2021
(Premiere)

 

Wiener Staatsoper

Es ist ein unwirt­licher „Unort“ im Nirgendwo. Denn grau und dunkel ist diese omniprä­sente Stein­wüste, die im zweiten Teil dann noch mit bizarren Felsfor­ma­tionen aufwartet. Die Ausstattung stammt von Katrin Tea Lag. Sie symbo­li­siert die inneren, steinigen Seelen­zu­stände. Hier sind der Titelheld und Leporello gestrandet: Als düsteres Nacht­stück insze­niert Barrie Kosky Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni an der Wiener Staatsoper. Es ist leider wieder eine Produktion, die pande­mie­be­dingt ohne Publikum und nur vor einigen Journa­listen statt­findet, aber dafür als TV-Übertragung gezeigt wird.

In dieser Mondland­schaft mit zu Stein erstarrten Urgefühlen wohnen einsam die verlo­renen und verschreckten Seelen. Lediglich die bunten, modernen Kostüme wirken wie Farbtupfer und einmal, wenn der Titelheld zum Fest lädt, was wie ein überzeich­neter Drogen­exzess wirkt, wird der Felsen mit Pflanzen behübscht. Offenbar soll diese Düsternis die inneren Zustände reprä­sen­tieren. Aber der Regisseur, Intendant der Komischen Oper Berlin, der auch sämtliche Klischees der Oper streicht, kann diese nicht jedem gefal­lende, optische Tristesse mit Leben erfüllen. Dafür zeugt seinen ausge­feilte, detail­lierte, immer sehr hautnahe Perso­nen­führung. Es gelingt ihm kann auch, die inneren Seelen­zu­stände der Protago­nisten offen­legen und er spart nicht mit Humor. Jede Arie ist detail­reich durch­in­sze­niert. Den Tod des Komturs verant­worten Don Giovanni und Leporello gemeinsam, er wird in tödlicher Umklam­merung begangen. Die Fried­hof­szene spielt in einer Wasser­grotte, wo anstelle der Statue des Komturs ein kopfgroßer Stein herum­ge­worfen wird. Wie überhaupt alle Figuren immer wieder mit Steinen in verschie­densten Größen spielen.

Foto © Michael Pöhn

Ungemein spiel­freudig und auf die vielen Wünsche des Regis­seurs eingehend erweist sich das ausge­wählte, sehr junge Ensemble, wobei mehr auf Darstellung und vokale Expres­si­vität denn auf Schön­gesang gesetzt wird: Kyle Ketelsen beweist sich bei seinem Hausdebüt als kein adeliger Verführer mit edlen Manieren, sondern als recht derber, ja, gewalt­tä­tiger, getrie­bener, viriler Gangster mit kernigem Bariton. Ständig hyper­aktiv und ständig auf Drogen fährt er am Ende nicht zur Hölle, sondern geht einfach wie der Komtur ab. Philippe Sly ist ein andro­gyner, teils zappe­liger, puber­tie­render, ausge­sprochen schön singender Leporello, dem es auch nicht an Komödi­antik fehlt und der dem Titel­helden an Präsenz nicht nachsteht. Beide wirken eher wie Vater und Sohn denn als Herr und Diener. Stanilas de Barbeyrac singt den Don Ottavio mit weichem Timbre. Hanna-Elisabeth Müllers Sopran strahlt in der Rolle der Donna Anna intensiv. Kate Lindsay gibt eine glutvolle, elegante Donna Elvira. Patricia Nolz ist eine quirlige, wunderbar lyrische Zerlina, Peter Kellner ein vitaler Massetto. Ain Anger ist ein adäquater, stets blutver­schmierter Komtur. Auch der Wiener Staats­opernchor macht seine Sache tadellos.

Am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper waltet der Musikchef des Hauses, Philippe Jordan, der auch bei den Rezita­tiven gekonnt subtil das Hammer­klavier bedient: Hier wird mit innerer Mozart­scher Leich­tigkeit und Trans­parenz detail­reich mit vielen Schat­tie­rungen das Düstere, aber auch die Poesie hervor­ge­hoben, ohne auch auf Prägnanz zu verzichten.

Die Führungs­mann­schaft soll auch in den folgenden Spiel­zeiten die beiden weiteren Opern jener Trilogie, die Mozart mit seinem Libret­tisten Lorenzo da Ponte geschaffen hat, Le nozze di Figaro und Così fan tutte, in Szene setzen. Man darf gespannt sein.

Helmut Christian Mayer

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