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Im nüchternen Seelenlabor

EURYANTHE
(Carl Maria von Weber)

Besuch am
15. Dezember 2018
(Premiere am 12. Dezember 2018)

 

Theater an der Wien

Ab und zu verirrt sich noch die Ouvertüre in ein Konzert­pro­gramm. Die gesamte Oper Euryanthe von Carl Maria von Weber fristet aber im heutigen Opern­be­trieb ein Schat­ten­dasein. An der Musik kann es nicht liegen, denn die ist durch und durch meisterhaft und hat alles, inklusive Ohrwürmer, was man sich so wünscht. Also muss es am Libretto liegen und das ist sowohl, was den Inhalt, als auch was die Sprache betrifft, wirklich schwer verdaulich und nur auf vier Personen fokus­siert. Dieses hat der Komponist der im Theaterfach völlig unerfah­renen Helmina von Chézy, mit der er sich bald überworfen hat, anver­traut, als das Publikum des Wiener Kärnt­nert­or­theaters nach seinem so erfolg­reichen Freischütz gespannt einen Nachfolger erwartete. Diesmal wollte Weber erstmalig ein großes Bühnenwerk ohne Dialoge, im Stil der Großen Oper kompo­nieren. Die Bedeutung der Kompo­sition zur Einleitung einer neuen drama­ti­schen Epoche des Musik­dramas wurde zwar erkannt, eine Breiten­wirkung wurde dem Werk, das 1823 in eben diesem Theater erfolg­reich aufge­führt und in vielen weiteren deutschen Städten ebenso erfolg­reich nachge­spielt wurde, jedoch bis heute nicht zuteil. Der gefürchtete Kritiker Eduard Hanslick stellte später eine Verwandt­schaft von Euryanthe und Richard Wagners Lohengrin her, und konsta­tierte, dass Wagner nur mehr an die von Weber vorge­gebene Richtung der roman­ti­schen Oper anzuknüpfen brauchte.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Und bei der Musik macht Constantin Trinks am Pult des ORF-Radio-Sympho­nie­or­chesters Wien alles richtig: Er braust mit Verve durch die Ouvertüre, lässt aber die herrliche, kunst­volle Musik inklusive der vielen exzellent muszierten Soli immer ausschwingen und den Klang von filigraner Lyrik bis zu bombas­tisch auftrump­fenden Tönen in hochklas­siger Lesart hören.

Die schwere Partie der Titel­heldin ist bei Jacquelyn Wagner in substanz­vollen Händen, wobei sie mit ihrem hellen, blühenden Sopran besser singt als darstellt. Norman Reinhardt singt die Partie des Adolars mit angenehmem, höhen­si­cherem Tenor, bleibt wie Euryanthe in der Rolle eher bewegungsarm und wirkt dadurch etwas blass. Im Gegensatz zu Theresa Kronthaler, einem furiosen Rache­engel, die die Partie der intri­ganten Eglantine mit tobendem Tempe­rament, aber auch lügne­ri­schen Schmei­chel­ein­heiten spielt und mit ihrem durch­schlag­kräf­tigen, biegsamen Mezzo­sopran voll ausfüllen kann. Ihr konge­nialer Bösewicht-Partner Graf Lysiart wird von Andrew Forster-Williams mit schönem Bariton gesungen und dämonisch gespielt. Bewun­dernswert, dass er sich darauf einlässt, eine gefühlte Viertel­stunde auf der Bühne split­ter­nackt herum­zu­irren. Eigentlich eine Zumutung der Regie ohne Mehrwert. Stefan Cerny gibt einen stimm­ge­wal­tigen König Ludwig VI. ohne Tadel. Spiel­freudig wie immer und makellos singend hört man auch den exzel­lenten Arnold-Schoenberg-Chor.

Foto © Monika Rittershaus

Regisseur Christof Loy, der Meister der Tiefen­psy­cho­logie, verzichtet in seiner Insze­nierung auf jegliches Rittertum, auf mystische Natur­stimmung und Butzen­schei­ben­ro­mantik. Er fokus­siert wie fast immer auf die seeli­schen Vorgänge der Protago­nisten, ihre innere Zerris­senheit mit sparsamer Bewegung, aber kleinen Gesten und bedeut­samen Blicken, die alles offen­legen. Das alles wird in dem bei ihm schon bekannten, länglichen, weißen, fast leeren, mit nur einem Bett und einem Klavier als symbol­trächtige Versatz­stücke ausge­stat­teten Trich­terraum, den Johannes Leiacker schuf, in heutigen eleganten Kostümen von Judith Weihrauch zum Seelen­labor der Gefühle.

Fazit: Ein fein geschlif­fenes Kammer­spiel von beacht­licher Intensität.

Am Ende gibt es viel Applaus und Jubel.

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