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Entdeckenswerte Rarität

HALKA
(Stanislaw Moniuszko)

Besuch am
22. Dezember 2019
(Premiere am 15. Dezember 2019)

 

Theater an der Wien

Wenn sich ein Ausnah­me­sänger ungemein für die Aufführung einer spezi­ellen Oper engagiert, diese regel­recht zu seiner Herzens­an­ge­le­genheit wird und er auch bereit ist, dabei mitzu­wirken, lässt sich ein Intendant nicht lange bitten, diese auf den Spielplan zu setzen: Die Rede ist von Halka von Stanislaw Moniuszko, dessen 200. Geburtstag außerdem heuer gefeiert wird, und von Piotr Beczała, der sich für diese polnische Natio­naloper einge­setzt hat sowie von Roland Geyer, der sie jetzt am Theater an der Wien in einer Kopro­duktion mit der polni­schen Natio­naloper, dem Teatro Wielki in Warschau, aufführen lässt.

Es ist die unglück­liche Geschichte eines aus dem bäuer­lichen, armen Milieu entstam­menden Mädchens, eben Halka, die sich in den standes­gemäß über ihr stehenden Janusz verliebt und von diesem schwängern lässt. Sie ignoriert dabei die Liebe ihres sie stets umsor­genden Jugend­freundes Jontek völlig. Allein Janusz wendet sich der reichen und schönen Zofia zu, um sich mit ihr zu vermählen. Der Plot endet fatal: Halka verfällt in Wahnsinn und begeht Selbstmord.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Musik des polni­schen Kompo­nisten, der von 1819 bis 1872 lebte und hochverehrt starb, ist voll von slawi­scher Folklore, etwa polni­schen Tänzen, aber auch Lyrismen wie auch roman­ti­schen Leitmo­tiven. Es ist eingängige Musik, die aller­dings wahrscheinlich noch mehr Wirkung erzielen könnte, wenn nicht Dirigent Lukasz Borowicz das ORF-Radio-Sympho­nie­or­chester zu enormer Lautstärke animierte, wodurch viele Feinheiten unter­gehen und es den Sängern nicht unbedingt leicht gemacht wird. Mehr unter­schied­liche Nuancen wären notwendig, damit auch der wie immer spiel­freudige, sehr gute Arnold-Schönberg-Chor besser zur Geltung käme.

Foto © Monika Rittershaus

Aller­dings ist bei der besuchten Aufführung von einer mittleren Sensation zu berichten. Denn anstelle der plötzlich erkrankten Sopra­nistin Corinne Winters für die Titel­heldin gelang es dem Theater an der Wien, mit Ewa Vesin mehr als einen Ersatz zu schaffen. Das Glück ist, dass die Sopra­nistin die Rolle auch regie­mäßig schon mehr als in den Ansätzen einstu­diert hat, denn sie sollte die Partie im Februar in Warschau, wohin die Produktion dann wandert, singen. Sie singt die Halka von zartestem, innigem Piano bis zu den gewal­tigen, drama­ti­schen Ausbrüchen lupenrein. Darstel­le­risch zeigt sie eine geschundene Grenz­gän­gerin zwischen den sozialen Welten. Piotr Beczała als ihr sie ständig umsor­gender Jontek, dem die schönste Arie des Werkes Die Tannen rauschen zugedacht ist, singt nicht nur diese mit viel Schmelz und tollen Höhen betörend schön. Der Wotan-erprobte Tomasz Konieczny als sich von Halka abwen­dender Janusz singt diesen mit ungetrübter Kraft, aber vielen Nuancen und ist auch darstel­le­risch sehr gefordert. In den kleineren Partien hört man noch die exzel­lente Natalia Kawalek als Zofia sowie Alexey Tikho­mirov als Brautvater.

Die Tragödie wird nicht im bäuer­lichen, folklo­ris­ti­schen Ambiente des 19. Jahrhun­derts belassen, wo sie laut Libretto spielen sollte, sondern von Regisseur Mariusz Trelinski kurzerhand in ein „cooles“, gläsernes Hotel der 70-er Jahre des 20. Jahrhun­derts verlegt. Die Bühnen­bilder stammen von Boris Kudlicka, Die Kostüme, die Dorothée Roqueplo erdacht hat, passen ebenfalls in die Zeit. Hier arbeiten Halka als Stuben­mädchen und Jontek als Kellner. Zofia ist die Tochter des Hotel­di­rektors. Alles ist in Schwarz-Weiß gehalten. Schon beim musika­li­schen Vorspiel ist die Polizei mit Taschen­lampen und der Spuren­si­cherung im Einsatz, um den Tod der Halka zu unter­suchen. Mit überwiegend dunklen Licht­stim­mungen, heftigem Regen an die Glasscheiben und dem Drehen der Drehbühne wird eine thril­ler­artige Atmosphäre erzeugt und der Plot als Albtraum von Janusz gezeigt. Der muss immer wieder mehrmals die gleichen Situa­tionen durch­stehen und kann den Stress nicht einmal mehr mit viel Alkohol verkraften. Die Ideen und die Perso­nen­führung sind bestechend.

Zum Schluss bricht das Publikum in großen Jubel aus, insbe­sondere für die Einsprin­gerin Ewa Vesin.

Helmut Christian Mayer

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