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Pubertäres Verwirrspiel

DIE JUNGFRAU VON ORLÉANS
(Peter Iljitsch Tschaikowski)

Besuch am
27. März 2019
(Premiere am 16. März 2019)

 

Theater an der Wien

Da sucht doch tatsächlich schon bei der Ouvertüre ihr Papa in der Küche sein schnelles Glück zwischen den Beinen einer unbekannten Frau. Aber die beiden werden von der Tochter, es ist Johanna, einem trotzigen Teenager mit zerschlis­senen Jeans und Kapuzens­weater, gestört. Trotz dieser unange­nehmen Situation legt ihr der Vater eine baldige Verehe­li­chung mit einem biederen, von ihm ausge­suchten Mann nahe. Das führt zu gewal­tigem Stunk und einem heftigen Hin- und Herge­schupfe. Johanna lässt Vater und Bräutigam abblitzen und verlässt letztlich wutent­brannt mit Tarnrucksack die väter­liche Wohnung.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Von Lotte de Beer, die hier am Theater an der Wien schon 2014 Bizets Perlen­fi­scher als TV-Dschun­gelcamp recht exzen­trisch insze­niert hat, hat man aber eigentlich nichts anderes erwartet. Die Regis­seurin lässt die auf Friedrich Schiller basie­rende Geschichte der Jungfrau von Orléans von Peter Iljitsch Tschai­kowski – aus 1881 – im Heute und als puber­tie­rende Fantasie eines aufmüp­figen Teenager spielen, der sich als Johanna in diese Lebens­ge­schichte der franzö­si­schen Gottes­krie­gerin des 15. Jahrhun­derts hinein­träumt. Viel Nebel und andere Effekte befeuern die imagi­nierte Sphäre. Auch ein Luftkampf in schwind­liger Höhe zwischen ihr und ihrem später geliebten Lionel, die spekta­kuläre Choreo­grafie stammt von Ran Arthur Braun, schafft Effekt. In ihrem Kinder­zimmer, die Ausstattung haben Clement und Sanou kreiert, hängen auch Poster von Madonna und den Pussy Riots, die auch später perso­ni­fi­ziert mit vielen anderen histo­ri­schen Figuren wie Marlene Dietrich, Margaret Thatcher und den Suffra­getten, die mit schwin­genden Fahnen für das Frauen­wahl­recht werben, auftreten. Insgesamt aber wirkt diese Konzeption sehr aufge­setzt, wenig schlüssig und wird von der histo­risch geprägten Geschichte regel­recht erdrückt. Vor allem, wenn etwa schwer­be­waffnete und gepan­zerte Ritter während Johannas Liebes­nacht mit Lionel ins Kinder­zimmer torkeln, wirkt das sogar unfrei­willig komisch und erinnert an den Fanta­syfilm Time Bandits aus dem Jahr 1981. Und wenn dann nach ihrer Entjung­ferung riesige Stoff­bahnen mit Unmengen von Blutflecken aufge­zogen werden, ist das nur noch plakativ und überzogen. Die eigent­liche, histo­rische Geschichte der Jean d’Arc wirkt bei Lotte de Beer letztlich nur noch wie ein Störfaktor.

Foto © Werner Kmetitsch

Während Eugen Onegin und Pique Dame zum Opern­kern­re­per­toire zählen, haben sich die anderen Opern von Tschai­kowski außerhalb von Russland nie wirklich durch­ge­setzt. Diesmal entschädigt auch die musika­lische Seite nur teilweise, denn Oksana Lyniv am Pult der Wiener Sympho­niker präsen­tiert sehr energisch eine sehr kompakte, teils sehr laute Wiedergabe der Partitur, die durchaus viele hörens­werte Momente aufweist. Leider kommen dabei Sensi­bi­lität, Feinschliff und Balance zwischen den Instru­men­ten­gruppen etwas zu kurz.

Ohne Fehl und Tadel glänzen nur die Stimmen von Daniel Schmutz­hardt als Dunois und wiederum jene des macht­vollen und kraft­vollen Arnold-Schoenberg-Chores, geleitet von Erwin Ortner, dem auch schau­spie­le­risch viel abver­langt wird, als einzige. Darstel­le­risch etwas verloren wirkt Lena Belkina in der Titel­partie. Auch sänge­risch fehlt es ihr, obwohl sie über einen schönen Mezzo­sopran verfügt, an Durch­schlags­kraft. Sie vermag der Johanna zu wenig Pathos zu verleihen, um auch ihre Seelennöte glaubhaft zu machen. Ihren harten, patri­ar­cha­li­schen Vater zeichnet Willard White, der sie auch später der Hexerei anklagt und damit dem Schei­ter­haufen preisgibt, fallweise mit donnernder Stimme. Hier lässt sich hin und wieder noch der einstige Wotan-Darsteller erkennen. Dmitry Golovnin als neuro­tisch gezeigter König Karl VII. gefällt mit detail­lierter Artiku­lation. Martin Winkler karikiert den Erzbi­schof von Reims mehr, als er ihn singt. Kristján Jóhan­nesson als Geliebter Lionel hat einen mächtigen Bariton, der jedoch von Pianissimo-Passagen wenig hält. Unauf­fällig sind der Verlobte von Johanna, Raymond Very, und Simona Mihai als Agnès Sorel, Gespielin des Königs.

Das Publikum reagiert mit heftigem, aber kurzem Applaus.

Helmut Christian Mayer

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