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Foto © Michael Pöhn

Wildes, gefährliches Raubtier

LULU
(Alban Berg, Friedrich Cerha)

Besuch am
9. Dezember 2017
(Premiere am 3. Dezember 2017)

 

Wiener Staatsoper

Eine Menge schwarz beklei­deter Männer umsteht die beiden. Plötzlich zücken alle gleich­zeitig ein Messer, heben es hoch und stechen zu, während sie einen gellenden, durch­drin­genden Schrei loslässt und das Orchester im vollen Fortissimo aufschreit. Dann geht die Menge ausein­ander, Jack the Ripper schreitet nach vor und ersticht auch noch die Gräfin Geschwitz, während Lulu blutüber­strömt vor ihrem eigenen Bild im Rahmen tot kauert: So drastisch und packend endet an der Wiener Staatsoper Alban Bergs Lulu.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Es ist ein immer­wäh­render Kampf, ein Kampf der Geschlechter, der hier statt­findet. Deswegen lässt Willy Decker die Oper in einer symbo­li­sierten Arena, einem Halbrund mit einigen Leitern und Türen, die Ausstattung schuf Wolfgang Gussmann, mit einem Sofa in roten Kussmundform oder Schau­fens­ter­puppen ablaufen. Darüber hat er als zweite, dunkle Spiel­ebene die Stufen eines Amphi­theaters bauen lassen. Hier frönen die schwarzen Männer dem Voyeu­rismus, spiegeln oder verviel­fäl­tigen aber auch das Geschehen auf der Vorder­bühne. Die angelehnten Leitern ermög­lichen auch direkte Auftritte auf die untere Bühne.

Deckers Insze­nierung ist nicht neu, sie stammt aus der letzten, damals noch zweiak­tigen Produktion der Wiener Staatsoper aus 2000, die er nun bereits als dreiaktige, in der von Friedrich Cerha vollendeten Fassung in Paris 2011 gezeigt und jetzt für Wien weiter­ent­wi­ckelt hat. Er erzählt die depri­mie­rende Geschichte der Lulu nach zwei Dramen von Frank Wedekind – Der Erdgeist und Die Büchse der Pandora – über sexuelle Hörigkeit und trieb­haftes Verfal­lensein nach einer kurzen, weniger aufre­genden Anlaufzeit bis zum grausigen Ende symbol‑, detail­reich und fesselnd.

Foto © Michael Pöhn

Diese zwölf­tö­nende Oper – es ist das erste Musik­drama überhaupt, in dem Zwölf­ton­musik verwendet wurde – ist ein musika­lisch höchst diffi­ziles Werk, mit dem Alban Berg an die Grenzen des Spiel­baren vorge­stoßen ist. Sie ist vom ungemein präzise schla­genden Ingo Metzmacher und im Orchester der Wiener Staatsoper sehr analy­tisch mit klang­licher Durch­sich­tigkeit dieser komplexen und technisch höchst vertrackten Partitur, mit hoher Ausdrucks­kraft und enormer Spann­kraft und Emotio­na­lität zu erleben. Zudem wird aus der Lulu-Musik eine enorm hohe Sinnlichkeit und eine gewaltige Sogwirkung entlockt.

Die Protago­nisten werden den außer­or­dent­lichen, stimm­lichen Anfor­de­rungen überwiegend gerecht. Agneta Eichenholz meistert mit ihrem schlanken, etwas kleinen Sopran die kräfte­rau­bende Riesen­partie der Lulu mit fesselnder Ausdrucks­kraft und allen kaum singbaren Höhen. Darstel­le­risch hätte ihre multiple Persön­lichkeit von Naivität aber auch Durch­trie­benheit noch Luft nach oben. Von großer Bühnen­präsenz ist Bo Skovhus als getrie­bener und zerris­sener Dr. Schön und Jack the Ripper, der auch stimmlich eindringlich zeigt, wie er dieser Frau rettungslos verfallen ist. Ausdrucks­stark und stimm­ge­waltig singen Angela Denoke die Lulu-Vereh­rerin Gräfin Geschwitz und Jörg Schneider den Maler. Herbert Lippert gefällt als lyrischer Alwa. Franz Grund­heber verleiht der Figur des Schigolch eher gemüt­liche denn dämonische Züge. Markig tritt Wolfgang Bankl als Tierbän­diger und Athlet auf. Auch die kleineren Rollen sind gut besetzt.

Großer Jubel beim Publikum.

Helmut Christian Mayer

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