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Foto © Andreas Heideker

Auf dem Podest der Musik

ZELMIRA
(Gioachino Rossini)

Besuch am
21. Juli 2018
(Premiere)

 

Rossini-Festival, Trink­halle, Bad Wildbad

Rossini satt in Bad Wildbad im Nordschwarzwald. Allein vier Opern­pro­duk­tionen, etliche Konzerte, dazu die Petite Messe Solenelle bilden den Kern von Rossini in Wildbad im Jahr des Doppel­ju­bi­läums. Vor 150 Jahren wird der Komponist von 39 Opern­werken in Pesaro geboren. Seit respek­tablen 30 Jahren existiert nun das Belcanto Opera Festival, dank insbe­sondere seines Inten­danten Jochen Schön­leber. Diesem gelingt es von Jahr zu Jahr, junge, talen­tierte Spezia­listen des Rossini-Fachs sowie Belcanto-affine Chöre und Orchester aus dem mittel- und osteu­ro­päi­schen Raum für die Festwochen zu gewinnen und bei beschei­dener finan­zi­eller Ausstattung auch meistens bei der Stange zu halten. Ein Engagement, das in einer Sonder­zu­wendung des Kunst­mi­nis­te­riums und einer gleich­zei­tigen Förderung seitens der Baden-Württemberg-Stiftung im Jubilä­umsjahr einen sicht­baren und wirksamen Ausdruck gefunden hat. Eine offen­kundig zudem willkommene Gelegenheit für Minis­ter­prä­sident Winfried Kretschmann als Schirmherr des Jubilä­ums­fes­tivals, sich als Anhänger der Kunst der Oper zu outen und diese in den Programm­heften der aktuellen Saison „als Königin der Bühnen­künste“ zu feiern.

Eine der program­ma­ti­schen Zielset­zungen des Festspiels geht dahin, Opern Rossinis auch jenseits der Block­buster wie Il Barbiere zu präsen­tieren. Das dann regel­mäßig bei Stoffen, die sich nicht gerade für eine aufwändige Insze­nierung aufdrängen, in konzer­tanten Auffüh­rungen. Frei nach Salieri: Prima la musica e poi lo spettacolo. Nach Aureliano in Palmira im Vorjahr nun also in deutscher Erstauf­führung Zelmira, Rossinis Abschieds­ge­schenk an Neapel, 1822 im Teatro San Carlo urauf­ge­führt. Das Dramma per musica beruht auf einem wenig inspi­rierten Libretto von Andrea Leone Tottola nach Pierre-Laurent Buirette de Belloys Schau­er­ge­schichte Zelmire von 1762. Kern der auf der antiken Insel Lesbos spielenden, schwer­fäl­ligen Geschichte von Königs­mördern, Thron­räubern und Abenteurern ist das leicht absurde Spiel um Zelmira, die Tochter des Königs Polidoro, die des Anschlags auf ihren Gemahl Ilo beschuldigt wird, den Fürsten von Troja. Um in schönster Opern­tra­dition das lieto fine, das glück­liche Ende der Oper, zu sichern, werden alle Verleum­dungen und Intrigen auf Anfang gestellt. Vater und Tochter überleben. Respire in seno/​Sereno – il cor, seufzt im Finale des zweiten Akts Zelmira. Und der Chor lässt die helle­nische Kolportage in einem Jubel der Herzen ausklingen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Publikum



Chat-Faktor



Anders als etwa Semiramide, ein Jahr später in Venedigs La Fenice zur Urauf­führung gebracht, fristet Zelmira in den Spiel­plänen der Musik­theater weltweit ein Schat­ten­dasein. Die Gründe dürften nicht nur in der Dürftigkeit der Handlung begründet sein. Auch musika­lisch fällt die Partitur in Punkto Eleganz und Stringenz ein Stück hinter den vergleich­baren Seria-Werken Rossinis zurück. Gewiss, die Titel­partie, ganz auf die Sopra­nistin Isabella Colbran, seine spätere Ehefrau, zugeschnitten, bietet Belcanto-Auftritte vom Feinsten, so die melan­cho­lische, von Harfe und Englisch Horn umspielte Klage Perche mi guardi e piango und das obligate finale Rondo, akzen­tuiert von Chor und Orchester. Das Duett von Polidoro und Ilo, ein Schlüs­sel­moment des Dramas, begleitet einmal von Solostrei­chern, dann, nach einem Freuden­aus­bruch der beiden, von Piccolo-Flöten und Oboen, bestätigt wie der expressive Dialog der Zelmira mit ihrer Vertrauten Emma die exorbi­tante Ensem­ble­kunst Rossinis. Zum Super­lativ wird die nicht zuletzt durch zwei grandios gestaltete Quintette. Doch ist die Partitur nicht frei von Redun­danzen und Längen im typischen recitar cantando. Es ist auch nach dieser Wildbader Erstauf­führung durchaus nachvoll­ziehbar, wenn der Rossini-Experte Richard Osborne schreibt, die Musik für Zelmira wirke „eher konstruiert als inspiriert“.

Voller Inspi­ration und Elan dagegen meistern die Virtuosi Brunenses, regel­mäßig Gast an der Oos, ihre Aufgabe. Das Projektorchester aus Mitgliedern des Orchesters der Janáček-Oper und der Philhar­monie Brünn sowie weiterer Musiker von Orchestern Tsche­chiens scheint an diesem Abend seinem Namen alle Ehre machen zu wollen. Sie agieren schlicht virtuos. Einen gehörigen Anteil daran ist zweifellos Gianluigi Gelmetti, dem aus Rom stammenden Experten für das italie­nische Fach, zuzuschreiben, 2017 in Wildbad auch als musika­li­scher Leiter von Eduardo e Christina präsent. Gelmetti führt die Virtuosi, den von Mateusz Prendota einstu­dierten, exzel­lenten Górecki Chamber Choir und das heraus­ra­gende Sänger­ensemble hochkon­zen­triert und souverän durch die Aufführung.

Foto © Andreas Heideker

In der Titel­rolle begeistert die Wildbad-bewährte Silvia Dalla Benetta durch eine stupende vokale  Leistung, die natürlich auch ein Stück durch Rossinis Faible für die ansonsten heikle Rolle begünstigt ist. Sie ist firm in all den dynami­schen Linien mit ihren jähen Sprüngen und den fordernden Kolora­turen, die der Sopra­nistin abver­langt werden. Rossini ist bei ihr – wie bei ihrer Vorgän­gerin vor 150 Jahren – in besten Händen, genauer: Stimm­bändern. Dass das Podest, auf dem die Musik zelebriert wird, fast zu einem Schau­fenster weiblicher Belcanto-Kompetenz avanciert, ist danach Marina Comparato als Zelmiras Vertrauter Emma zuzuschreiben. Die Mezzo­so­pra­nistin glänzt mit einer in allen Registern ausge­reiften, beweg­lichen Stimme von hoher Impul­si­vität. Con affetto in einem Wort, was in diesem Fall auch eine exzessive Körper­sprache meint, die ihr das Publikum aller­dings nicht übel nimmt, wie der lebhafte Schluss­beifall beweist.

In den Rollen der Männer überzeugt vor allem Federico Sacchi als Polidoro mit gefäl­ligem Timbre, akkurater Intonation und Phrasierung. Dabei ist der Bass erst kurzfristig einge­sprungen. Auch der zweite Bass im Vokal­ensemble, Luca Dall’Amico als Leucippo, macht mit sonorem Timbre Eindruck. Mert Süngü ist als Ilo mit seinem macht- und ausdrucks­vollen Tenor äußerst präsent. Aller­dings forciert er völlig unnötig permanent, als wolle er sich mehr auf sein Tempe­rament als auf seine eigentlich technisch profes­sio­nelle Stimme verlassen. Etwas rätselhaft erscheint die sänge­rische Perfor­mance von Joshua Stewart in der Rolle des  Zelmira-Gegen­spielers Antenore. Der Tenor geht seine Auftritte zwar coura­giert und geschmeidig an, eckt jedoch im Passaggio hingegen zwischen Mittel- und Oberstimme immer wieder an. Der in Wildbad viel beschäf­tigte Tenor Xiang Xu bewältigt seinen Part als Eacide ohne Fehl und Tadel. In margi­naler Rolle gibt Emmanuel Franco dem Hohepriester Jupiters seine angenehme Bass-Stimme.

Das Publikum in der voll besetzten Trink­halle, dem zentralen Spielort des Belcanto-Festivals, überschüttet alle musika­li­schen Akteure mit anhal­tendem Beifall. Zelmira erlebt eine Erstauf­führung in Deutschland, die die Rezep­ti­ons­ge­schichte des Werks berei­chern wird. Das Festival sieht noch eine weitere Aufführung Ende dieser Woche vor, dauert im Übrigen noch bis Ende Juli. Genügend Gelegen­heiten mithin noch für Rossini-Affici­o­nados und Belcanto-Fans.

Ralf Siepmann

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