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Foto © Beate Kröhnert

Mitreißender Epochen-Mix

CLOSER TO PARADISE
(Diverse Komponisten)

Besuch am
30. Mai 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Mozartfest Würzburg, St. Johannis, Würzburg

Das diesjährige Würzburger Mozartfest widmet sich dem Seelen­for­scher Mozart, und in dessen Schaffen drückt sich auch das aus, was Spark – die klassische Band zusammen mit dem Weltklasse-Counter­tenor Valer Sabadus – bei ihrem vielbe­ju­belten Auftritt unter dem Motto Closer to Paradise vermitteln wollen, nämlich die Sehnsucht des Menschen nach einem wie immer gearteten Paradies, ob in der Liebe, dem Tod oder im Traum. Das Programm dieser vielfach ausge­zeich­neten, auch mit dem Echo-Klassik prämierten Musiker reicht vom Barock über Klassik und Romantik bis zur Moderne mit Pop, Folk und Rock, wird präsen­tiert in eigenen, meist ungewöhn­lichen Arran­ge­ments und überrascht das begeis­terte Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Johan­nis­kirche bei diesem Cross over durch alle möglichen Musik­stile mit immer wieder Neuem, kann so Alt und Jung faszi­nieren und dabei die Grenzen zwischen U- und E‑Musik verwischen.

Denn in der akustisch vorteil­haften, leicht mystisch ausge­leuch­teten Kirche sind sechs exzel­lente Musiker zu erleben bei packendem, bestens aufein­ander abgestimmten Spiel. Einmal für Spark fünf Könner auf ihren Instru­menten, der jazzig agierende Pianist Christian Fritz, Stefan Balaz­sovics mit Violine und Viola, der ausge­zeichnete, tempe­ra­ment­volle Cellist Victor Plumettaz und die beiden Flöten-Virtuosen Daniel Koschitzki, auch mit Melodica imponierend, und Andrea Ritter, und beide bedienen souverän und brillant unzählige,  verschie­denste Arten von Flöten, von der Piccolo-Flöte über die tradi­tio­nelle Block­flöte bis hin zur riesigen Bass-Flöte, wobei sie die Instru­mente auch innerhalb der einzelnen Stücke geschwind wechseln. Die Arran­ge­ments stammen meist von ihnen. Noch gesteigert wird die Wirkung ihrer Darbie­tungen durch den deutsch-rumäni­schen Counter­tenor Valer Sabadus, denn sein variabler, großer Counter­tenor, stets weich und rund, mit weiten, glänzenden Höhen, bester Diktion und plasti­scher Textge­staltung, faszi­niert ebenso durch diffe­ren­zierten Ausdruck. Die Band fesselt dabei durch vielseitige Rhythmik bei oft wahnwit­ziger Geschwin­digkeit und expressive Wechsel.

Foto © Beate Kröhnert

Los geht es erst einmal festlich mit Händel, mit dem bekannten, aber bei Spark sich anders als gewohnt anzuhö­renden Einzug der Königin von Saba und danach mit der Arie Augeletti, che cantate der Almirena aus dem Rinaldo, wobei Sabadus in einen necki­schen Dialog eintritt mit den Triller-Läufen der Picco­lo­flöten durch seine locker zwitschernden Verzie­rungen und dann mit schim­mernden Höhen verzaubert, während bei Vivaldis Ouvertüre zu Il Giustino und der Arie Vedrò con mio diletto des Anastasio aus dieser Oper glänzende, in sich gestei­gerte Linien beim Sänger imponieren. Das Allegro aus Vivaldis Concerto g‑Moll op. 32 RV 587 jagt dann wie ein virtuoser Wirbelwind dahin und beschließt furios den Barock-Teil. Mozarts Andantino und Allegro aus Les petits riens KV 299b sowie das sehnsüchtig erregte Lied Dans un bois solitaire KV 308 vermitteln auch Melan­cho­li­sches, bevor dann mit einem Tango Heavyvon von Lev Zhurbin Leiden­schaft­liches sich mit fast wilder Kraft bei der Spark-Band Bahn bricht. Bei Gabriel Fauré und seinem Au bord de l’eau op. 81 formu­liert der Sänger sehnsüchtig melan­cho­lische Stimmung, aber bei Léo Ferré und Écoutez la chanson bien douce nach einem Gedicht von Vérlaine bricht pure Lebens­freude durch wie auf einem folklo­ris­ti­schen Jahrmarkt. Dagegen scheint bei Michael Nymans Vermeer’s Wife ebenso wie bei Robert Schumanns Lied In der Fremde Tröst­liches in der Aussicht auf den Tod zu liegen, und bei dem rockigen, rhyth­mi­schen Stück Seemann von Oliver Riedel nach Rammstein findet dieser Seemann, von der hoch schwe­benden Stimme empor­ge­tragen und sich immer mehr steigernd zu einem verzwei­felten Ruf, seine Ruhe wohl erst im Grab im Meer.

Für viele Menschen verspricht der Traum die Erfüllung von Sehnsüchten; da soll man die Augen schließen bei Dreams von Chiel Meijering; tänze­risch mitreißend, folklo­ris­tisch kommt der Scotch Club von Spark-Mitglied Victor Plumettaz als schneller Rausch daher, und bei dem Wunsch nach einer einzigen Liebkosung bei One Caress von Martin Gore nach Depeche Mode, als Traum eindrücklich durch die große Weitung der Stimme, führt alles hin zu furios antrei­bender Rhythmik der Band und Closer to Paradise , 2018 kompo­niert von Daniel Koschitzki, dem stimmungs­vollen, triumphal starken Ende eines spannenden und klug aufge­bauten Konzertabends.

Dass danach das Publikum die Musiker mit stehendem Applaus feiert, erfordert Zugaben, zuerst Could it be magic nach Barry Manilow und dann für alle Klassik-Fans noch ein wunderbar klingendes, dahin­schmel­zendes Ombra mai fu.

Renate Freyeisen

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