O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DIE COMEDIAN HARMONISTS
(Franz Wittenbrink)
Besuch am
19. Oktober 2019
(Premiere)
Es ist eine beglückende Erfolgsgeschichte mit einem sehr traurigen Ende, die Geschichte des berühmtesten Vokalquartetts der Vorkriegszeit, der Comedian Harmonists. Die Karriere und Freundschaft der vier Männer und ihres Pianisten wurde durch die Machtübernahme der Nazis brutal beendet. Der Grund: Drei von ihnen waren Juden, und solche „Negermusik“ wie von den Harmonists wurde von der Reichsmusikkammer verboten. Doch heute hört man ihre bekannten, harmlos-witzigen Schlager wie den kleinen grünen Kaktus wieder gerne; die sind eben unverwüstlich.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Im Mainfranken-Theater Würzburg feiert das Publikum trotz des letztlich deprimierenden Endes die Inszenierung von Andreas Wiedermann wegen der Musik und weil alles so schwungvoll und rasant daherkommt; das Stück des Autors Gottfried Greiffenhagen, musikalisch eingerichtet von Franz Wittenbrink hinterlässt aber auch ein Quantum Nachdenklichkeit. Zuerst beherrscht die Bühne im Hintergrund eine riesengroße Hör-Muschel, auf der später absichtlich verschwommene, schnell verschwindende Bilder der „fiebrigen“ 1920-er Jahre zu sehen sind, an der Seite deuten Balken einen noch unfertigen Raum oder ein Dachgeschoß an; nur die Drehscheibe in der Mitte weist schon auf die Auftritte der Sänger hin. Im zweiten Teil sind die hölzernen Stützen weggefallen, das alte Klavier wird durch einen schwarz glänzenden Flügel ersetzt, und die Kleidung der Akteure verändert sich vom etwas ärmlichen Äußeren zu elegantem Smoking und schicken Anzügen und Mänteln.

Eins aber bleibt von Anfang an: Viele Koffer, Symbol für nur vorläufige Anwesenheit, Abreise und Vertreibung. Nachdem durch die Nazizeit, sicht- und hörbar durch Filmüberblendungen und unverständliches Hitler-Gebrüll, die Hörmuschel auseinanderbricht und damit auch die Freundschaft der Comedian Harmonists, trennen sich die Wege – ein Traum ist beendet. Einzig die recht übertriebene Knallcharge der Wirtin stört ein wenig die ansonsten gelungene Ausstattung von Aylin Kaip; Alexander Darkow schlüpft danach in etwas realistischer gezeichnete, kleinere Rollen. Was aber fasziniert an dieser Inszenierung sind die raschen, schnellen Wechsel. Alles geht Schlag auf Schlag: die Anfänge, als Harry nach dem Vorbild der amerikanischen Gesangsgruppe The Revelers eine entsprechende deutsche zusammenstellen will, die entnervenden Proben, die verständlichen Zweifel und Konflikte, die Hoffnung auf Erfolg, der kometenhafte Aufstieg und dann das deprimierende Ende.
Dass all das so überzeugend über die Bühne kommt, liegt auch an einem hervorragend aufeinander abgestimmten und sehr respektabel singenden Ensemble mit zwei „gelernten“ Sängern. Cedric von Börries ist ein anfangs etwas radebrechender Ari Leschnikoff, Martin Pauli ein eher arrivierter Akademiker Erich Abraham-Collin, Daniel Fiolka mit seinem kräftigen Bariton ein starker Roman Cycowski, Wolfgang Mirlach ein ständig aktiver und emotional eindringlicher Harry Frommermann, Gründer und überzeugende Leitfigur der Comedians, und Jakob Mack ein groß gewachsener Robert Biberti. Mit André Callegro hat die nicht nur durch die herrlichen, hervorragend gesungenen und wie eine Show präsentierten Ohrwürmer hinreißende Aufführung ihren musikalischen Leiter in der Rolle des ausgezeichneten Pianisten der Truppe, Erwin Bootz.
Das Premierenpublikum im ausverkauften Haus feiert alle Mitwirkenden mit Jubel, mehreren Vorhängen, stehenden Ovationen, und lässt sie erst nach drei Zugaben gehen.
Renate Freyeisen