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Bruch der heiteren Unterhaltung

DIE COMEDIAN HARMONISTS
(Franz Wittenbrink)

Besuch am
19. Oktober 2019
(Premiere)

 

Mainfranken-Theater Würzburg

Es ist eine beglü­ckende Erfolgs­ge­schichte mit einem sehr traurigen Ende, die Geschichte des berühm­testen Vokal­quar­tetts der Vorkriegszeit, der Comedian Harmo­nists. Die Karriere und Freund­schaft der vier Männer und ihres Pianisten wurde durch die Macht­über­nahme der Nazis brutal beendet. Der Grund: Drei von ihnen waren Juden, und solche „Neger­musik“ wie von den Harmo­nists wurde von der Reichs­mu­sik­kammer verboten. Doch heute hört man ihre bekannten, harmlos-witzigen Schlager wie den kleinen grünen Kaktus wieder gerne; die sind eben unverwüstlich.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Im Mainfranken-Theater Würzburg feiert das Publikum trotz des letztlich depri­mie­renden Endes die Insze­nierung von Andreas Wiedermann wegen der Musik und weil alles so schwungvoll und rasant daher­kommt; das Stück des Autors Gottfried Greif­fen­hagen, musika­lisch einge­richtet von Franz Witten­brink hinter­lässt aber auch ein Quantum Nachdenk­lichkeit.  Zuerst beherrscht die Bühne im Hinter­grund eine riesen­große Hör-Muschel, auf der später absichtlich verschwommene, schnell verschwin­dende Bilder der „fiebrigen“ 1920-er Jahre zu sehen sind, an der Seite deuten Balken einen noch unfer­tigen Raum oder ein Dachge­schoß an; nur die Drehscheibe in der Mitte weist schon auf die Auftritte der Sänger hin. Im zweiten Teil sind die hölzernen Stützen wegge­fallen, das alte Klavier wird durch einen schwarz glänzenden Flügel ersetzt, und die Kleidung der Akteure verändert sich vom etwas ärmlichen Äußeren zu elegantem Smoking und schicken Anzügen und Mänteln.

Foto © Nik Schölzel

Eins aber bleibt von Anfang an: Viele Koffer, Symbol für nur vorläufige Anwesenheit, Abreise und Vertreibung. Nachdem durch die Nazizeit, sicht- und hörbar durch Filmüber­blen­dungen und unver­ständ­liches Hitler-Gebrüll, die Hörmu­schel ausein­an­der­bricht und damit auch die Freund­schaft der Comedian Harmo­nists, trennen sich die Wege – ein Traum ist beendet. Einzig die recht übertriebene Knall­charge der Wirtin stört ein wenig die ansonsten gelungene Ausstattung von Aylin Kaip; Alexander Darkow schlüpft danach in etwas realis­ti­scher gezeichnete, kleinere Rollen. Was aber faszi­niert an dieser Insze­nierung sind die raschen, schnellen Wechsel. Alles geht Schlag auf Schlag: die Anfänge, als Harry nach dem Vorbild der ameri­ka­ni­schen Gesangs­gruppe The Revelers eine entspre­chende deutsche zusam­men­stellen will, die entner­venden Proben, die verständ­lichen Zweifel und Konflikte, die Hoffnung auf Erfolg, der kometen­hafte Aufstieg und dann das depri­mie­rende Ende.

Dass all das so überzeugend über die Bühne kommt, liegt auch an einem hervor­ragend aufein­ander abgestimmten und sehr respek­tabel singenden Ensemble mit zwei „gelernten“ Sängern. Cedric von Börries ist ein anfangs etwas radebre­chender Ari Lesch­nikoff, Martin Pauli ein eher arrivierter Akade­miker Erich Abraham-Collin, Daniel Fiolka mit seinem kräftigen Bariton ein starker Roman Cycowski, Wolfgang Mirlach ein ständig aktiver und emotional eindring­licher Harry Frommermann, Gründer und überzeu­gende Leitfigur der Comedians, und Jakob Mack ein groß gewach­sener Robert Biberti. Mit André Callegro hat die nicht nur durch die herrlichen, hervor­ragend gesun­genen und wie eine Show präsen­tierten Ohrwürmer hinrei­ßende Aufführung ihren musika­li­schen Leiter in der Rolle des ausge­zeich­neten Pianisten der Truppe, Erwin Bootz.

Das Premie­ren­pu­blikum im ausver­kauften Haus feiert alle Mitwir­kenden mit Jubel, mehreren Vorhängen, stehenden Ovationen, und lässt sie erst nach drei Zugaben gehen.

Renate Freyeisen

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