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Herz-Schmerz-Glück

DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN
(Emmerich Kálmán)

Besuch am
2. Dezember 2017
(Premiere)

 

Mainfranken-Theater Würzburg

Herz und Schmerz und ein Happy End, das sich für die Liebenden nicht so ganz ins unbeschwerte Glück auflöst, aber durch die Melodi­en­se­ligkeit dem Publikum freund­liche Unter­haltung ohne allzu großen Tiefgang garan­tiert – das macht Emmerich Kálmáns Operette Die Csárdás­fürstin so beliebt. Hier feiert sich eine schon brüchige Gesell­schaft, äußerlich glanzvoll, innerlich bereits beschädigt, in ihren letzten Zuckungen. Denn die Standes­schranken sind noch nicht aufge­hoben, die Umwelt ist aber schon weiter.

Regisseur Marcel Keller verlegt die Geschichte von den Kriegs­jahren der Urauf­führung 1915 in das Nachkriegsjahr 1948. So beginnt die Handlung im Mainfranken-Theater Würzburg vor grauen Häuser­trümmern in einem etwas herun­ter­ge­kom­menen Varieté in Budapest, dort wo die Chanso­nette Sylva Varescu Triumphe feiert, wo es zwar eng, aber bunt und ungeniert zugeht, wo man einfach Vergnügen sucht und wohin sich einige Herren der ehemals „feinen“ Gesell­schaft eben aus diesem Grund verirren. Der reiche Sprössling des Fürsten­hauses zu Lippert-Weylersheim, Edwin, verliebt sich prompt in den Star dieses Etablis­se­ments, Sylva Varescu; die Neigung wird erwidert, doch eine längere, gar eheliche Verbindung verbietet sich aus standes­po­li­ti­schen Grund­sätzen. Also wird er nach Hause beordert, in den Schoß der fürst­lichen Familie in Wien, wo schon eine standes­gemäße Braut auf ihn wartet. Sylva reist nach USA, um ihre Karriere auszubauen.

Derweil erblüht nochmals der Glanz vergan­gener Zeiten im Palais des Fürsten, anlässlich der geplanten Verlobung, im hohen, hellen Saal mit Porträts und Treppen-Entree, während im letzten Akt der Operette alles im bürger­lichen Umfeld angesiedelt ist, in einer Hotel­lobby, wo sich alle Betei­ligten treffen und sich schließlich die „richtigen“ Paare finden, was ja unbedingt zum Genre gehört, wo aber alles einen Tick zu viel an „Atmosphäre“ abbekommt und sich seltsamer Weise auch Längen ergeben. Im Vergnü­gungs­viertel in Budapest ist anfangs noch die Not der Zeit zu spüren, etwa in überbor­dender, impro­vi­sierter Lustigkeit und nie ganz „perfekten“ Nummern der Tänze­rinnen, in Tutus in den ungari­schen Natio­nal­farben, in denen sich die Damen des Chors nicht ohne ironi­sches Augen­zwinkern in  ihren „schlüpf­rigen“ Rollen bewegen; die etwas schäbige Ausstattung des Vergnü­gungs­lokals weist ebenso auf das Bedürfnis hin, die Schrecken des Kriegs zu vergessen. Auf den Vorhang proji­zierte, scheinbar histo­rische Zeitungs­seiten erinnern vor jedem Akt auf die immer erfolg­rei­chere Laufbahn der Diva Sylva.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Handlung im fürst­lichen Haus wird durch Ballett-Szenen per Video einge­leitet; später sieht man sie in „echt“ bei der Nummer Tanzen möchte ich. Aber auch hier ist alles irgendwie schöner Schein: Die drei Paare tanzen nicht unbedingt synchron, und die hohen Herrschaften sind deutlich vergreist, in Silber, Grau und Weiß; lediglich Sylva tritt elegant auf in Rot mit grünsam­tenem Mantel und begehrt somit auch durch ihr Äußeres auf gegen die vermeint­liche Rangordnung in der Gesell­schaft; Erika Lander­tinger beweist so in ihren Kostümen Gespür auch für verdeckte Aussagen.  Im Schlussakt wird in der Hotel­lobby alles aufge­boten, was operet­tigen Schwung verspricht, also tanzende Pagen und Zimmer­mädchen, die mit Koffern und Gläsern hantieren, ein Piano-Spieler, verschie­denste Gäste wie GIs oder Musiker mit Instru­men­ten­kästen, ein Telefon mit überlanger Schnur, dank dem die Liebes­ver­wick­lungen zwischen Stasi und Boni entwirrt werden. Trotz dieser Zutaten, die alles authen­tisch machen sollen, sieht man sich schnell irgendwie satt daran, und wenn es dann heißt Das ist die Liebe, die dumme Liebe, freut man sich, dass die endlich vorbei ist.

Marie Jacquot am Pult des Philhar­mo­ni­schen Orchesters Würzburg entlockt ihren Musikern viel gemüt­vollen Schmelz, nichts kommt hier schmissig, alles eher genie­ße­risch freundlich daher. Die drei Ballett-Paare, choreo­gra­fiert von Marius Krisan, sollen in ihren Pas de deux an Wiener Walzer­se­ligkeit erinnern, und der Chor, einstu­diert von Anton Tremmel, liefert sowohl sänge­risch wie auch darstel­le­risch eine höchst vergnüg­liche, abwechs­lungs­reiche Leistung in ständiger Bewegung ab.

Foto © Nik Schölzel

In den Sprech­rollen glänzen Anton Koelbl als Fürst Leopold Maria, äußerlich ein Abbild von Kaiser Franz Joseph, ansonsten eine schon recht tatterige Gestalt. Er wird begleitet von seiner selbst im Alter noch recht attrak­tiven Gattin Anhilde, Natalia Boldry­rieva, einer trotz ihrer weiblichen Unter­le­genheit selbst­be­wussten Persön­lichkeit, und als Übermittler unange­nehmer Botschaften fungiert Georg Zeies als Rohns­dorff. Der noch etwas wenig emanzi­pierte Fürsten­spross Edwin, der sich unsterblich in die Sängerin Sylva verliebt, erhält durch Roberto Ortiz sensible Züge, imponiert durch seine männliche Ausstrahlung und gefällt sehr mit seinem wohltö­nenden Tenor, der auch das Anschmachten beherrscht. Leider verfälscht die elektro­akus­tische Unter­stützung manchmal das Einschmei­chelnde der Operet­ten­me­lodien Kálmáns. Ganz entzü­ckend singt und agiert die zierliche Akiho Tsujii als reizende Komtesse Stasi in Grün; kein Wunder, dass sie im Flug das Herz des Grafen Boni erobert. Mathew Habib erweist sich hier stimmlich buffesk und im Auftreten äußerst umtriebig und komisch. Dass er schon wegen seiner geringen Körper­größe nicht zum umschwärmten Star Sylva passt, zeigt sich auch äußerlich. In seinem Schlepptau taucht meist der elegante Feri auf, Taiyu Uchiyama; seine Funktion bleibt eigentlich unklar. Alle aber umschwärmen den Bühnenstar Sylva; Barbara Schöller zeigt sie als selbst­be­stimmte, lebens­er­fahrene Frau, als attrak­tives Vollblutweib, meist in Rot, eigentlich die einzige Dame von Welt im Kreis der abgehalf­terten Adligen, und alle die bekannten „Schlager“ der Csárdás­fürstin gelingen ihr prächtig mit elanvollem Sopran.

Da ist das Premie­ren­pu­blikum im ausver­kauften Haus restlos begeistert und will gar nicht aufhören mit dem Klatschen.

Renate Freyeisen

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