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Seltsam komisch

FALSTAFF
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
8. Juni 2024
(Premiere)

 

Mainfran­ken­theater Würzburg, Blaue Halle 

Giuseppe Verdis letzte Oper Falstaff von 1893 nach Shake­speares Komödie Die lustigen Weiber von Windsor im Libretto von Arrigo Boito wirkt in der Blauen Halle des Würzburger Mainfran­ken­theaters nur bedingt komisch. Denn optisch ist sie im ersten Teil eine völlig durch­ge­knallte, bonbon­farbige, wuselig überdrehte Version einer bemühten Komödien-Unter­haltung, im zweiten Teil scheint sie eine wenig humor­volle, eher brutale, düstere Bühnenshow von wenig Stringenz. Im Mittel­punkt steht der Genuss­mensch Falstaff, hinter jedem Tropfen Alkohol und jedem Frauenrock her, derzeit in Geldnöten. Ob der sich aber wohlge­fühlt hätte in den wattigen, rosa Polster­bergen von Süßig­keiten, und ob der bauern­schlaue alte Ritter sich wirklich von grotesken Gestalten in seltsam schwarzer Verkleidung im Park von Windsor so hätte an der Nase herum­führen lassen?

Foto © Nik Schölzel

Das Publikum im nicht ganz ausver­kauften Haus ist jeden­falls nicht sehr angetan vom Blick in das Innere des gierigen Magens dieses abgehalf­terten Lüstlings im ersten und zweiten Akt und der zusätz­lichen Sicht per Video von Aron Kitzig in sein Maul. In dieser Innen-Perspektive schwirren obendrein bunte Fanta­sie­ge­stalten mit seltsamem Kopfputz herum, fuchteln mit Pistolen und Schwertern, und die Zuschauer sind auch nicht begeistert von der Ansammlung schwarz geklei­deter Gestalten mit übergroßen Schleifen im schwarzen Vorhang-Wald von Windsor, wo dann eine Art Elfen-Ballett mit minutenlang ermüdender Hin-und-Her-Formation der ganzen Mannschaft statt­findet. Laut Botschaft an der Wand soll das ein „Oratorium der Boshaf­tigkeit“ sein, und daraus wird das Fazit gezogen: „La vita è bella“. Davon aber ist wenig zu spüren. Trotz aller Prügel und dem Fast-Ersäuft­werden in der Themse scheint Falstaff, ein Wonne­proppen, ein Dicker im hellen Schlabber-Look, immer guten Muts zu sein. Dank des überra­genden Siyabulela Ntale in der Titel­rolle wird die Aufführung, die an den überbor­denden Ideen der Regie von Magdalena Fuchs­berger und an der seltsamen Ausstattung von Monika Biegler leidet, doch einiger­maßen akzep­tabel. Denn der Bariton aus Südafrika singt ausge­zeichnet, gestaltet tonschön, und bewegt sich trotz seiner Körper­fülle geradezu graziös – ein herrlicher Kontrast zu seiner scheinbar begriffs­stut­zigen Tölpel­haf­tigkeit. Die Fäden in der Hand aber hat die wunderbar agile Mrs. Quickly, Barbara Schöller; sie imponiert in der Rolle sowohl mit ihrem elanvollen, sicheren Mezzo­sopran wie auch mit ihrer extremen Spielfreude.

Die übrigen an den Intrigen gegen Falstaff Betei­ligten, die angeblich reizvolle Alice Ford, Vera Ivanovic, bewacht von ihrem eifer­süch­tigen Ehemann, Leo Hyunho Kim, und Meg Page, Vero Miller, singen sehr ordentlich; das Gezappel der Dienst­boten Bardolfo, Mathew Habib, und Pistola, Gustavo Müller, nervt auf Dauer. Die quirlige Nannetta, Milana Arsovska, singt als Elfen­kö­nigin ihr Lied mit etwas schriller Höhe, und bekommt endlich ihren etwas unauf­fäl­ligen Fenton, Roberto Ortiz, muss also nicht den schwer­fäl­ligen Dr. Cajus, Young Bae Shin, heiraten. Nach dem Ende gewinnt Falstaff die Einsicht: „Alles in der Welt ist Posse“. Wenigstens musika­lisch beschert der wohlklin­gende Chor, einstu­diert von Sören Eckhoff, und das Philhar­mo­nische Orchester, sehr aufmerksam geleitet von Enrico Calesso, eine ausge­wogene, schlüssige Darbietung.

Das Publikum aber ist mit dem Ganzen nicht zufrieden und bedenkt vor allem das Regieteam beim Schluss­ap­plaus mit kräftigen Buh-Rufen.

Renate Freyeisen

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