O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Ungewohnte Klangkombinationen

FOLKSONGS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
11. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Kammer­musik-Festival Würzburg, Maschi­nenhaus auf dem Bürgerbräu-Gelände

Ein Kammer­mu­sik­fes­tival zu gründen, scheint heutzutage ein Wagnis angesichts sich leerender Konzertsäle. Doch mit einem exqui­siten Konzept schafften es die Sängerin Theresa Maria Romes und die Pianistin Marie-Thérèse Zahnlecker schon vier Jahre, nicht nur die üblichen Inter­es­senten in das großzügig umgebaute, sich zum Konzertsaal auch akustisch eignende Maschi­nenhaus auf dem ehema­ligen Bürgerbräu-Gelände in Würzburg zu locken. Seit 2021 stellen die Initia­to­rinnen ein ungewöhn­liches, sorgfältig kuratiertes Programm zusammen mit Kompo­si­tionen aus verschie­denen Epochen und Genres, geboten von jungen, meist preis­ge­krönten, stets neu zusam­men­ge­setzten Ensembles auf verschie­denen Instrumenten.

Heuer wurde das dreitägige Festival mit dem Abend Folksongs eröffnet. Wer sich darunter alther­ge­brachte Volks­musik oder moderne Aufbe­rei­tungen vorstellt, liegt falsch. Zwar sind die nun zu einem abwechs­lungs­reichen Mix vereinten Kompo­si­tionen von Musikern aus der ganzen Welt angeregt von Anklängen an die typische Rhythmik und Melodik derar­tiger Musik, doch gehen sie weit darüber hinaus. All das gestaltet der Eröff­nungs­abend Folksongs im gut besuchten Saal zu einem spannungs­vollen, spannenden musika­li­schen Erlebnis. Sogar eine Urauf­führung des kurzen Werks Tria der ukrai­ni­schen Kompo­nistin Anna Korsun, Jahrgang 1986, gibt es dabei, äußerst konzen­triert vorge­tragen von den drei Strei­chern aus dem vielfach hoch gelobten Eliot-Quartett aus Frankfurt am Main, vom Geiger Alexander Sachs aus Kanada, dem Viola-Spieler Dmitry Hahalin aus Russland und dem Cellisten Michael Preuß aus Leipzig. All das klingt wie ein schmerz­licher Abgesang auf die bedrohte Heimat: Die Viola klingt wie ein Hauch, fein fallen die anderen Streicher ein, ein Seufzen, ein Zittern, geheim­nisvoll wie ein Wind aus der Ferne, ertönt, manches erinnert an Weinen, bis alles abschwillt zur Tiefe, leiser wird, zu atmen scheint und zur Ruhe kommt.

Foto © Katharina Gebauer

Bei Sergej Proko­fieffs Ouvertüre über hebräische Themen opus 34 kommt nun die erste Geigerin Maryana Osipova aus Russland zum Eliot-Quartett hinzu, ebenso der ausge­zeichnete Klari­nettist Nemorino Scheliga und der sehr lebendig aufspie­lende Jonas Gleim am Klavier. Das Stück mit den dicht verwo­benen hebräi­schen Melodien, entstanden beim Impro­vi­sieren, erinnert gerade durch die Klari­nette an Klezmer-Musik, und das Klavier steuert die rhyth­mische Struktur bei; das Inein­ander von melan­cho­lisch berüh­rendem, sehnsuchts­vollem Singen und freierer, fröhlich tänze­ri­scher Laune lebt von der Spannung zwischen lyrischer Ruhe und sich immer wilder, schneller steigerndem Tempo mit unglaub­licher Virtuo­sität bis zum energi­schen Ende.

Der Chôros Nr. 2 des brasi­lia­ni­schen Kompo­nisten Heitor Villa-Lobos ist geprägt vom Impro­vi­sieren; in dem kurzen Stück profi­lieren sich in einem furiosen Mitein­ander die Flötistin Anissa Baniahmad vom Natio­nal­theater Mannheim und der Klari­nettist virtuos und sehr lebendig – ein kleiner Spaß! Wesentlich ausführ­licher hat sich Robert Schumann 1849 aus roman­ti­scher Sicht mit seinen 5 Stücken im Volkston opus 102 befasst mit überlie­ferter Melodik. Cellist und Pianist beginnen energisch in der tänze­risch bewegten Miniatur, die fast lieblich erweitert wird, dann wirbelt alles virtuos dahin; das zweite Stück ist ganz Wohlklang, schwel­ge­risch lyrisch singend, intensiv dann die Idylle des dritten Satzes, der vierte ist erfüllt von intimem Glanz, und nach dessen energi­schem Schluss scheint das Cello im fünften Stück nach markiger Betonung sich zu befreien in virtuoser Schnel­ligkeit vom nachdenk­lichen Einhalten.

Foto © Katharina Gebauer

An Irland erinnern will Reynaldo Hahn in seinen Trois Préludes sur des airs populaires irlandais. Das Onyx-Klavierduo, Jonas Gleim und Marie-Thérès Zahnlecker, begeistert dabei mit seinem sich gegen­seitig wunderbar inspi­rie­renden, harmo­ni­schen Spiel wie aus einem Guss; gerade aus The Willow Tree vermeint man den irischen Volkston heraus­zu­hören. Den krönenden Abschluss des ersten Teils bilden die Folk Songs von Luciano Berio von 1964; das Werk mit elf Liedern aus verschie­denen Ländern stellt höchste Ansprüche an die Sängerin, hier Maria Theresa Romes mit facet­ten­reichem, stets wohlklin­gendem Sopran und klarer Diktion, an die wechselnde instru­mentale Besetzung mit Flöte, Klari­nette, Viola und Violon­cello, mit Percussion, Oliver Schwab und Markus Schuster, und Harfe, Maria-Theresia Freibott, aber auch an die Aufmerk­samkeit des Publikums, denn die Lieder werden in ihrer jewei­ligen Origi­nal­sprache vorge­tragen; dankens­werter Weise gibt es dazu eine Übersetzung im guten Programmheft; lediglich bei Love Song aus Aserbai­dschan ist eine deutsche Wiedergabe nicht möglich. Kein Wunder, dass das nicht sehr eingängige Werk selten aufge­führt wird. Aber es lohnt sich, die charak­te­ris­ti­schen Merkmale der einzelnen Länder an den neu kompo­nierten Liedern von Berio zu verfolgen.

Eine bewegte Erzählung macht Romes aus dem ameri­ka­ni­schen Lied I Wonder as I Wander , während das Mond-Lied aus Armenien mit anfangs ruhigem Glanz der Stimme zu Harfe und Klari­nette betört, sich immer mehr entwi­ckelt in bewegter Ausstrahlung. Das franzö­sische Lied auf die Nachtigall scheint fast etwas traurig-melan­cho­lisch. Durch die Begleitung mit Percussion erhält Auf Frauenart aus Italien viel Nachdruck, aber mit dem Lob auf die ideale Frau wird alles vergnügter, und die Sängerin kostet das mit schön diffe­ren­zierten Steige­rungen aus. Der fast atemlos schnelle Tanz Ballo und die Motette von der Traurigkeit werden von Romes, fein getragen von den Instru­menten, mit viel Vergnügen gesungen oder als Kontrast dazu gestaltet mit Nachdenk­lichkeit. Das leitet über zum franzö­si­schen Lied Malurous, bei dem die Stimme beim Drehen des Spinnrads ein fast nostal­gisch naives Porträt einer Idylle in beschwingter Melodie schildert. Das Lied aus dem fernen Osten über die Liebe steigert sich zu einem furiosen Tanz voller Lebens­freude, und Romes strahlt das auch mit der Färbung ihrer variablen Stimme aus, bis sie am Ende ins – gewollte – Sprechen verfällt. Der Abend schließt mit dem Klavier­quartett g‑Moll opus 25 von Johannes Brahms, die drei Streicher des Eliot-Quartetts und die Pianistin Marie-Thérèse Zahnlecker. Hier drücken die subtilen Spannungen im ersten Satz innere Stimmungs­schwan­kungen aus; freund­licher, bewegter kommt der zweite Satz daher in feiner Abstufung; der dritte Satz betont das melodische Singen, wird kräftiger, drama­ti­scher, schwingt fein aus, und das Rondo erinnert mit viel Feuer an die beliebten Ungari­schen Tänze, faszi­niert mit viel mitrei­ßender Schnel­ligkeit, zitiert in seinen Tempo­wechseln mit wildem Dahin­wirbeln und sehnsuchts­voller Melodik das, was viele früher unter einem „Zigeuner-Stil“ verstanden. Mit einem hexerisch geschwinden Schluss endet der inter­es­sante Abend bravourös.

Langer Beifall!

Renate Freyeisen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: