O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
HÄNSEL UND GRETEL
(Engelbert Humperdinck)
Besuch am
3. Oktober 2019
(Premiere am 7. Juli 2019)
Ganz im Märchenzauber gehalten ist die Inszenierung von Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel durch Sigrid Herzog am Mainfranken-Theater Würzburg. Das verleiht der Aufführung eine große Dichte. Der Komponist hat schon in der Ouvertüre alles angedeutet, schreibt dafür 1891 „ein ziemlich ausgedehntes Musikstück“, „eine Art sinfonischer Prolog“, begonnen mit dem Abendsegen , der im Übrigen auf sein Vorbild Richard Wagner verweist, schichtet dann alle Motive ineinander und lässt schon das gute Ende mit dem C‑Dur der Hexenvernichtung und Erlösung ahnen. Ursprünglich hatte Humperdinck für seinen Schwager Wette ein Singspiel entworfen, daraus aber schließlich eine durchkomponierte Oper geschaffen. Der Erfolg der Uraufführung 1893 sollte ihm Recht geben.
Auch heute noch ist die Oper eines der beliebtesten Werke gerade zur Weihnachtszeit. Oft wird sie als Kinderoper missverstanden, weil angeblich so bekannte Kinderlieder wie Suse, liebe Suse, Ein Männlein steht im Walde oder auch die Anrufung der vierzehn Englein enthalten sind, doch in Wirklichkeit stammen die Texte aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn und sind Kunstlieder. Lediglich das Brüderchen komm tanz mit mir ist eine Erfindung Humperdincks. Durch Zitate populärer Melodien wollte er im Übrigen seiner Partitur einen volkstümlichen Ton verleihen. Ihm und seiner Librettistin, seiner Schwester Adelheid Wette, kam es darauf an, mit der Nachdichtung des Märchens der Gebrüder Grimm ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Dafür stehen mehrere Themen im Mittelpunkt: die Armut einer typischen Familie des 19. Jahrhunderts, die Angst vor übernatürlichen Kräften in der Natur, hier im Wald – ein Erbe der Schauerromantik – was nur durch Gottvertrauen und das Gebet der Kinder gebannt werden kann, die Warnung vor Genuss-Sucht, mit der eine Hexe Kinder verführt, und schließlich die Schläue von Kindern, mit der sie Hexerisches abwehren und auch noch andere erlösen können.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Zuerst führt das Bühnenbild von Julia Katharina Berndt die Zuschauer in ein „Daheim“ mit zwei modernen, ziemlich aufgeräumten Zimmern, wo sich Hänsel und Gretel nützlich machen sollen, aber zu allerlei Schabernack aufgelegt sind. Überrascht werden sie von der gestrengen Stiefmutter, die in ihrem Zorn auch noch den Topf mit Essen herunterwirft und zerbricht und daraufhin die Kinder zum Beerensuchen in den Wald schickt. Der ziemlich angeheiterte Vater kehrt heim, bedient sich gleich nochmals aus dem Kühlschrank und ist entsetzt, als er erfährt, dass die Kinder in den Wald gelaufen sind, wo angeblich eine böse Hexe wohnt. Die Eltern machen sich also auf die Suche. Das orchestrale Zwischenspiel, der Hexenritt , zum zweiten Bild, dem „Wald“, wird begleitet von einem Video als Fahrt auf den Gleisen einer Achterbahn. Danach befinden sich die Kinder in einem verlassenen Vergnügungspark im Wald. Dort schlafen sie ein, träumen in einem Plastikschwan vor einer Geisterbahn und entdecken beim Aufwachen, dass sie in einem Paradies voller Zuckerwaren und süßer Genüsse gelandet sind, dem Reich einer Hexe. Die entpuppt sich, als sie ihr freundliches Äußeres abgelegt hat, als schwarzhaarige Zauberin, die mit dem Schneebesen über ihr Zuckerbäckerreich regiert. Aber schließlich landet sie, dank Gretels Umsicht, im riesigen Ofen, der nun rot glüht. So werden auch die mit großen Schleifen dekorierten Lebkuchen-Kinder befreit – die Kostüme hat Pascal Seibicke besorgt – und Vater und Mutter können ihre Sprösslinge in die Arme schließen. Ein schnelles Happyend.

In der Wiederaufnahme dirigiert Studienleiter André Callegaro das inspiriert mitgehende Philharmonische Orchester sehr umsichtig, lässt sich Zeit, wobei ein paar Verbindungen in der Ouvertüre etwas verschwimmen. Aber Sängerinnen und Sänger werden bestens bedient. Marzia Marzo gibt einen beweglichen, groß gewachsenen Hänsel und gestaltet die Rolle sicher mit hellem Mezzosopran. Silke Evers ist eine reizende, anrührende Gretel und begeistert mit munterem Spiel und höhenstarkem Sopran. Während Kosma Ranuer als Vater Peter etwas blass bleibt, kann Barbara Schöller die Verbitterung seiner Frau Gertrud stimmlich gut ausdrücken. Die Familie kommt schlicht in Brauntönen daher, aber die Traumgestalten König und Königin samt Gefolge wirken wie aus Märchenbüchern entsprungen. Auch das Sandmännchen, Misun Kim, zart singend, ähnelt mit seinem beleuchteten Kopf einem Pilz. Die Knusperhexe aber verwandelt sich von einer üppigen, bebrillten Blondine im geblümten Petticoat-Kleid in eine eher hässliche Schwarzhaarige, lilafarben gekleidet, geschäftig hin- und herwuselnd hinter Torten und Kuchen; wie häufig ist diese Rolle, auch der grotesken Wirkung wegen, einem Mann anvertraut, dem Tenor Mathew Habib, der seine Aufgabe mit Bravour meistert. Die erlösten Kinder, der Junge Chor, verstärkt durch Damen des „großen“ Chors, geleitet von Anton Tremmel, stimmen am Schluss zart den Abendsegen zum Lob Gottes an. Eine stumme Figur, ein Schutzengel, Julia Baukus, begleitet das Geschehen.
Großer, herzlicher Beifall im ausverkauften Haus.
Renate Freyeisen