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Ovationen für den Spatz von Würzburg

HYMNE A L’AMOUR. EDITH PIAF. EINE HOMMAGE
(Diverse Komponisten)

Besuch am
29. März 2025
(Premiere)

 

Blaue Halle, Mainfran­ken­theater, Würzburg

Es ist einer dieser ganz beson­deren Abende, an denen alles stimmt: Mezzo­so­pra­nistin Barbara Schöller vom Musik­thea­ter­en­semble des Mainfran­ken­theaters singt die bekann­testen Lieder von Edith Piaf, der „Môme de Paris“. Begleitet wird sie von dem Engländer Jeremy Atkin, der am Haus als Solore­pe­titor mit Dirigier­ver­pflichtung wirkt, und dem man anmerkt, dass er schon viele Erfah­rungen in der leich­teren Muse gesammelt hat. Verbin­dende Texte liest sehr einfühlsam und diffe­ren­ziert Schau­spieler Tom Klenk.

Dialog­fassung und szenische Konzeption stammen von Opern­di­rektor Berthold Warnecke. Olaf Lundt setzt das Ganze in ein unauf­dring­liches Licht, das sehr dezent die Akteure unter­schiedlich hervorhebt. Tonmeister ist Nils Schumann, der seinem musika­li­schen Namen alle Ehre macht und die Stimme von Schöller gut ausge­steuert, noch ein Quäntchen mehr in die Nähe der Piaf bringt. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, wird das etwas scharf in der Höhe, aber das lässt sich bei den Folge­vor­stel­lungen sicherlich noch beheben. Das Ambiente der Blauen Halle, Ausweich­spiel­stätte in Umbau­zeiten des großen Hauses, passt sehr gut zum Programm, die 500 Plätze sind gut gefüllt.

Barbara Schöller – Foto © Patty Varasano

Schwarz­weiß­videos vom schier unermess­lichen Trauerzug hinter dem Sarg der Diva, proji­ziert auf den geschlos­senen roten Vorhang machen von vornherein klar, wie sehr die Franzosen „ihre“ Chanson­sän­gerin geliebt haben. 40.000 Menschen folgten ihrem Sarg, der Verkehr in Paris kam zum Erliegen, auf dem Friedhof Père Lachaise balgten sich Trauernde um die besten Plätze auf Grabsteinen, Bäumen und Mauern. Die Wagen, die den Sarg trans­por­tierten und beglei­teten, erstickten fast unter der Flut der Blumengebinde.

Der Abend lässt das Leben der Piaf Revue passieren, der Blick liegt auf der Liebe, die Piaf ihr kurzes Leben lang gesucht hat. Geboren als Kabylin, einer Subgruppe der Berber in Nordost-Algerien, kam sie nach Paris, wurde schon bald nach der Geburt von ihrer Mutter verlassen und vom Vater Louis Gassion im Bordell der Großmutter in der Normandie unter­ge­bracht. Mit 10 Jahren sang sie als Straßen­sän­gerin, mit 20 zwei Jahre lang im Vergnü­gungs­viertel Pigalle. Louis Leplée holte sie in sein Kabarett, und seither ging der Weg der Sängerin stetig nach oben. Die Frau dahinter war „nicht schön, untreu und verlogen“, so arbeiten es die Würzburger heraus. Mit den unter­schied­lichsten Männern war sie zusammen.  Yves Montand verhalf sie zu seinem Ruhm, es folgten viele, darunter George Moustaki, er schrieb ihr Lieder und schlug sie. In ganz Europa war sie bekannt, in den USA traf sie 1948 auf Marlene Dietrich, mit der sie zeitlebens eine Freund­schaft verband. Aberglaube, Stärke und ein gewisser Zynismus nach außen konnten die innere Zartheit, Leicht­gläu­bigkeit und Einsamkeit nicht überdecken. Mehrere Unfälle und eine bösartige Krankheit ließen sie morphi­um­ab­hängig werden. Trotz Warnung der Ärzte trat sie weiterhin auf, heiratete 1962 den wesentlich jüngeren Théo, den sie „Sarapo“ nennt, griechisch „ich liebe dich“. Ein Jahr später starb sie, mit 47 Jahren.

Jeremy Atkin – Foto © Patty Varasano

Von Anfang an ist dem Zuschauer klar, welch immense Rolle Schöller sich da auf den Leib geschrieben hat. Aber sie wird ihr mit jeder Faser ihres Körpers gerecht. Der Piaf sehr ähnlich von Chefmas­ken­bildner Wolfgang Weber geschminkt, dazu ist sie annähernd klein wie diese, wie sie selbst in einem der Dialoge mitteilt. Die Mezzo­so­pra­nistin, die auch gerne im Bereich der leich­teren Muse tätig ist, setzt ihre Stimme sehr gekonnt ein, ohne zu einem Plagiat der Piaf zu werden. Sie ist reif für die Piaf, mischt Brust- und Kopfstimme gekonnt bis in die höheren Register, nur sehr selten ahnt man die Opern­sän­gerin dahinter. Sie kommt als Mezzo mehr von der Tiefe her, singt sehr oberton­reich und kommt damit der sehr hellen Stimme der Piaf wirklich nahe. Auch Schöller verfügt über große Kraft, kann ihr ganzes Wesen in den Ton legen, ihre Stimme sehr frei strömen lassen und erreicht ihre Zuhörer damit tief im Innersten. Ihr Franzö­sisch mit nur sehr leichtem deutschen Akzent ist absolut passend und sehr gut verständlich. Bei manchen Liedern, so bei dem berühmten Padam, padam, zeigt sie sogar noch mehr Energie und ebenso unbedingten Ausdrucks­willen wie ihr Vorbild, auch durch die hervor­ra­gende Begleitung am Stutz­flügel durch Atkin. Er gibt ihr den Klang­teppich, auf dem sie agieren kann, lockt sie und führt sie hinein in die Höhen und Tiefen, sie, die man „die Hausfrau der Hölle und Pries­terin der Liebe“ nannte, ersetzt ein ganzes Orchester mit Leichtigkeit.

Natürlich fehlen die ganz großen Erfolge der Piaf nicht: Je ne regrette rien, Milord, Sous le ciel de Paris, La vie en rose, L’Hymne à l’amour, aber auch weniger oft Gehörtes wie La Foule, Les mots d’amour, Je sais comment. Sehr weich, sehr innig singt Schöller bei „Mon Dieu, Laissez-le-moi, Encore un peu, Mon amoureux!“ Schau­spieler Tom Klenk ergänzt das sehr gekonnt und unauf­dringlich durch seine Erzäh­lungen aus dem Leben der Piaf, tritt ab und an mit Schöller in den Dialog und ist mit sparsamen Gesten Teil eines großar­tigen Trios, das dem Publikum einen unver­gess­lichen Abend beschert.

So danken es auch die Zuschauer den Künstlern mit stehenden Ovationen und erwirken sich eine Zugabe, natürlich das Non, je ne regrette rien. Eine Vorstellung, die man sich im Mainfran­ken­theater in Würzburg unbedingt ansehen sollte, am 10. und 13. April hat man dazu die Gelegenheit.

Jutta Schwegler

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