O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Ganz dem Lied gewidmet

IRDISCHES GLÜCK
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. Februar 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Lied Würzburg im Bukar­dushaus, Würzburg

Mit zwei Künstlern, die über intensive Bühnen­er­fahrung verfügen und das Publikum an einem Fädchen führen, beginnt mit einem Vorkonzert das Festival Lied Würzburg im Burkar­dushaus. Silke Evers vom Mainfran­ken­theater Würzburg und Peter Schöne vom Saarlän­di­schen Staats­theater packen bei vollem Haus ihr Publikum im Nu und liefern einen abwechs­lungs­reichen Lieder­abend mit selten gehörten Stücken.

Es ist schon eine schöne Tradition des Festivals, sein Publikum zu einem Vorkonzert bei freiem Eintritt einzu­laden. Im Jahre 2020 durch Intendant Alexander Fleischer gegründet, findet es mit Steffen Zeller vom Tonkünst­ler­verband als Veran­stalter in und um Würzburg statt. Von Anfang an ist die Stadt Würzburg als Förderer dabei, andere Insti­tu­tionen schließen sich an und ermög­lichen Stabi­lität in der Planung. 2022 gründet sich dazu ein Förder­verein unter dem Vorsitz von Sopra­nistin Mirella Hagen, mit dem Ziel, neue Förderer und Sponsoren zu finden. 30 Lieder­abende auf sehr hohem Niveau waren es bisher, Künstler mit berühmten Namen geben sich die Klinke in die Hand und singen im Tosca­nasaal der Residenz, im Burkar­dushaus, Museum Kultur­speicher, der Kultur­scheune Höchberg, der Ars Musica Aub und, bei einem Chorkonzert zum Erinne­rungstag der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945, in der Mutter­haus­kirche der Schwestern des Erlösers Würzburg. Illustre Namen kann man hier erleben, manche sind dem Festival oder seinem künst­le­ri­schen Leiter schon in Freund­schaft verbunden: Chris­tiane Karg, Gerold Huber, Nikola Hille­brand, Christoph Prégardien, Dorothea Röschmann, Markus Schäfer, Jochen Kupfer, Ingeborg Danz, Siobhan Stagg, Anne Schwa­ne­wilms und Thomas Quasthoff als Sprecher, um nur einige zu nennen. Das garan­tiert eine Qualität, die man sonst nur in ausge­wählten, hochdo­tierten Konzert­reihen findet. Hier in Würzburg ist man zu erschwing­lichen Preisen sehr nah am Geschehen. Nach dem Vorkonzert ist man noch einge­laden auf ein Gläschen Franken­secco, um in beschwingter Runde mit den Künstlern anzustoßen.

Foto © Katharina Gebauer

Seit 2021 gibt es Meister­kurse, zu denen Studenten von weither kommen. Karg, Röschmann, Quasthoff und nun Schwa­ne­wilms geben ihr Wissen neben einem eigenen Auftritt weiter. Die Ergeb­nisse kann man in einem Lunch­konzert der Teilnehmer hören. Viele Lieder­abende begleitet Pianist und künst­le­ri­scher Leiter Fleischer, aber auch andere Lied-Duos treten auf.

Ab dem 6. März hat Fleischer wieder einen bunten Blumen­strauß von Liedpro­grammen vorge­sehen. Und das zeichnet das Festival aus: Lieder werden nicht einfach nur anein­an­der­ge­reiht, sondern folgen einer inneren Drama­turgie, werden von den Künstlern selbst kuratiert. Ullmanns Welt, Dennoch, Sefarad, Schwarze Erde, Rencontre – Begegnung ergänzen Übliches wie Dichter­liebe, Schöne Müllerin und Italie­ni­sches Liederbuch. Dabei erklingen neben Schubert, Brahms, Schumann, Strauss und Wolf auch Lieder von weniger oft gespielten Lied-Kompo­nisten: Stanford, Bartók, Berg, Hahn, Ravel, Vaughan-Williams und Rodrigo. Fleischer war lange Zeit Assistent von Quasthoff in Berlin, zudem Dozent für Liedge­staltung an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seit Oktober 2022 unter­richtet er als Professor für Liedge­staltung an der Staat­lichen Musik­hoch­schule Trossingen in Baden-Württemberg, wo er auch das Hirsch­berger Liedfest aus der Taufe gehoben hat.

Nach Würzburg kommen in diesem Jahr die Sänger Konstantin Krimmel, Julia Kleiter, Manuel Walser, Lou Denès, Sharon Carty, Benjamin Russell, Iida Antola, Corinna Scheurle, Tae Hwan Yun und Martin Mitter­rutzner, neben Hille­brand und Schwa­ne­wilms. Dreizehn Konzerte laden zwischen dem 6. und 17. März ein, ein Dauer­ticket kostet 120 Euro, ein einzelnes Konzert 25 Euro mit möglichen Ermäßigungen.

Fast 200 Zuhörer finden schon zum ersten Konzert der Reihe den Weg ins Burkar­dushaus in Würzburg, wo Sopra­nistin Evers und Bariton Schöne mit Fleischer am Klavier zunächst Lieder von Franz Schubert, Rudi Stephan, Hugo Wolf, Arnold Schönberg, Claire Waldoff und Otto Reutter zu Gehör bringen. Irdisches Glück ist der Abend überschrieben und bietet den beiden Vollblut-Darstellern genügend Möglichkeit, intensive Gefühle, aber auch humoris­tische Einlagen glaubhaft zu vermitteln.

Foto © Katharina Gebauer

Schöne hat selten aufge­führte Schubert­lieder an den Anfang des Programms gestellt. Das namen­ge­bende Irdisches Glück steht zu Beginn. Mit seiner angenehmen, sehr geschmei­digen, aber auch durchaus kräftig-knackigen Bariton­stimme gestaltet er diffe­ren­ziert, gibt sich freudig in die Gefühls­welten hinein und singt mit guter Textver­ständ­lichkeit. Manchmal schleift er die Töne an, was die Genau­igkeit etwas mindert, das müsste nicht sein. Aber das Publikum hat er mit komödi­an­ti­schem Talent fest im Griff, bis hin zu Das gestörte Glück, und natürlich darf der Sänger bei den Zeilen Drum, wer es hört, erbarme sich, Und sei so gut und küsse mich nicht ungeküsst bleiben, beim dritten Versuch klappt es, er kann Evers auf der Bühne den Platz frei machen.

Bei den beiden Liedern Pappel im Strahl und Pantherlied von Stephan greift Evers zurück auf ein schmales Oeuvre des 1915 verstor­benen Stephan, das zum Teil eruptive, expres­sio­nis­tische Klänge bietet. Evers’ lyrischer, volltö­nender und sinnlicher Sopran passt gut dazu. Oberton­reich und schön auf dem Atem flutend, strömt die Stimme, gepaart mit immer gut dosiertem Ausdruck, Charme und Spitz­bü­bigkeit. Die Brettl-Lieder Schön­bergs, Kabarett­musik mit eroti­schen Themen, liegen ihr besonders gut. Vom satten Piano bis zum gehalt­vollen Forte gibt sie sich hinein in die Ironie und die Farbigkeit der Lieder. Fleischer ist ihr gerade hier ein immer zuver­läs­siger Begleiter, der jede Regung wachsam verfolgt und unter­stützt, dazu teils kleine eigene Geschichten in der Begleitung am Klavier erzählt.

Bei Wolfs Liedern nach Gedichten von Eduard Mörike wechseln sich die beiden ab und kreieren so eine kleine Drama­turgie auf der Bühne. Bei Waldoffs Wer schmeißt denn da mit Lehm bringt Schöne den ganzen Saal zum Singen des Refrains, und bei seinem „Rollen­debüt“ als alternder Mann – mit fast schon 50, wie er sagt – in Reutters Nehm‘n Sie ‘n Alten liegt ihm der Saal zu Füßen.

Die Künstler wollen den Abend im Hinblick auf das Weltge­schehen nicht so beenden, und deshalb gibt es als Zugabe das Anti-Kriegslied Göttingen von Barbara. Evers singt, Schöne greift zur Geige, und so entsteht ganz am Ende eine kleine Preziose, die das Publikum lange nachdenklich sitzen lässt, bis der endgültige, begeis­terte Schluss­ap­plaus einfällt.

Mehr Gänse­haut­mo­mente gibt es ab Anfang März für eine Woche in Würzburg – es lohnt sich in jedem Falle, dabei zu sein, nähere Infor­ma­tionen und die Möglichkeit, Tickets zu erwerben, gibt es auf der Website der Veran­stalter.

Jutta Schwegler

Teilen Sie O-Ton mit anderen: