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KAMMERKONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
3. März 2024
(Einmalige Aufführung)
Der Frühlingsanfang, Sonnenschein auf dem Residenzplatz in Würzburg und mit dem Toscanasaal ein Raum, in dem man sich kaum etwas Schöneres vorstellen kann, als Musik zur Natur: überbordende Blumenmalereien, Blütenranken, Obstarrangements und die verschiedensten Vögel zieren die Wände zwischen den Stuckarbeiten. Reiher, Tauben, Kraniche, ein Distelfink, Greifvögel und ein Schwan lassen den Betrachter schon vor dem Konzert in die rechte Stimmung kommen, der Musik zu lauschen, die bukolische Landschaften, Hirten, Schäfer und sogar orientalisches Flair evoziert. Das vierte Kammerkonzert des Philharmonischen Orchesters am Mainfrankentheater in Würzburg kommt in einer schlanken Besetzung daher: Silke Evers, Sopran, Stefan Albers, Flöte, Matthias Steinkrauß, Cello und Enrico Calesso holen die Sonnenstrahlen in den Saal.
Der Gesang der Lerche erhebt sich bei dem ersten Stück von Anton B. Fürstenau, der ab 1819 unter Carl Maria von Weber Erster Flötist des Dresdener Hoforchesters war. Flöte und Sopran treten in ein Duett ein über dem sensiblen Spiel von Enrico Calesso am Klavier, der die Musik sichtlich mit viel Spaß genießt. Es folgen Stücke, die alle mit der Natur zu tun haben, Evers verbindet sie mit einer kleinen Moderation, als Sprecherin ebenso gut verständlich wie als Sängerin. Mit der noch etwas verhalten traurigen Elégie von Jules Massenet bringen die Mitwirkenden gleich zu Anfang einen herbei, der im Laufe der Natur dazu gehört: den Tod. Und wenn es auch im Konzert immer wieder tönt, Winde wehen, Schafe gehütet, Blumen besungen werden und Schwäne und Libellen übers Wasser ziehen, am Ende steht immer der Abschied, hier mit James F. Browns Adieu. Die vier Künstler haben erfreulicherweise auch Komponisten und Werke ausgesucht, die nicht so häufig in den Programmen stehen. Carl Maria von Webers Schäfers Klage erklingt neben Robert Schumanns Du bist wie eine Blume, natürlich ist Der Schwan von Camille Saints-Saëns dabei, Ravels Shéhérazade mit La flûte enchantée, Délibes Le Rossignol, aber auch Three Songs von Frank Bridge und Songs of Nature and Farewell des zeitgenössischen Komponisten James F. Brown, geboren 1969.

Über allem schwebt der entspannte, nie forcierte Sopran von Evers. Mit warmem, vollem, obertonreichem Ton singt sie sehr wandelbar, weich, aber auch kraftvoll, ganz natürlich auf dem Atem geflutet. Mit gutem Piano auch in der extremen Höhe gibt sie mit berückendem Timbre die volle Skala der Gefühle in – für einen Sopran – ungewöhnlich vielen Farben wieder.
Albers an der Flöte ist bei diesem Thema voll in seinem Element. Da zwitschert und tiriliert es, da besingt in aberwitzigen Koloraturen die Nachtigall ihr Revier. Albers spielt die Flöte mit vollem Körpereinsatz, souverän, virtuos, und die helle Flöte harmoniert sehr schön mit dem etwas dunkleren Sopran von Evers.
Steinkrauß ergänzt die beiden mit warmem, edlem Ton am Cello und lässt den Schwan in Ruhe übers Wasser gleiten. Sein klares und unprätentiöses Spiel schafft gemeinsam mit dem Klavier teils dunkle Welten.
Calesso ist ein sehr aufmerksamer Begleiter, gibt sich hinein in die Welt zwischen dem Hier und Dort. Er lässt den Solisten den absoluten Vortritt, leitet aber fast unmerklich an, schafft ein weiches Bett und spielt sehr inniglich.
Am Ende des Konzertes haben alle wirklich viel zu schaffen gehabt bei dieser Tour durch die Natur. Dennoch gibt es bei begeistertem Applaus des Publikums mit vielen jungen Leuten im ausverkauften Toscanasaal noch eine Zugabe des Altmeisters Johann Sebastian Bach, Schafe können sicher weiden aus der Kantate Was mir behagt ist nur die muntre Jagd, BWV 208. Und wer weiß, vielleicht ist ja einer der vielen Engelchen von der Wand quer durch den Saal geflogen …
Am 24. März kann man Sopranistin Anke Hájkova Endres beim fünften Kammerkonzert des Theaters auf der neuen Probebühne erleben, mit einem Programm zu der Geigerin Alma Rosé, die das Mädchenorchester in Auschwitz leitete und so vielen jüdischen Frauen das Leben retten konnte.
Jutta Schwegler