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LANGE NACHT DER KAMMERMUSIK
(Wolfgang Amadeus Mozart et al.)
Besuch am
7. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)
Um den Mittelpunkt, das so genannte Kegelstatt-Trio von Wolfgang Amadeus Mozart in Es-Dur KV 498 rankt sich das wohl aufeinander abgestimmte Programm bei einem langen Kammermusik-Abend im Kaisersaal der Würzburger Residenz beim Mozartfest. Mozart hat es wohl für sich und seine Freunde 1786 geschrieben; er selbst spielte die Bratsche, seine Klavierschülerin Franziska von Jaquin saß am Piano, und Mozarts Freund Anton Stadler übernahm den Part der Klarinette, einem damals noch vergleichsweise neuen Instrument. Eine ungewöhnliche Besetzung; sie deutet darauf hin, dass das Ganze gedacht war als Aufführung für eine gelöste Stunde im privaten Freundeskreis. All das passt bestens zum Motto des diesjährigen Festivals.
Als Einstimmung in den genussvollen Abend gibt es von Max Bruch drei sehr gefällige Stücke für Klarinette, Viola und Klavier opus 83; sie stammen aus den Jahren 1908⁄9 und sind eigentlich so etwas wie ein Rückgriff auf klassische Klang-Vorstellungen, weich, romantisch; gleich in Nr. II kann Nils Mönkemeyer sein schönes Instrument von Philipp Augustin angenehm warm singen lassen mit sehnsüchtigem Ton. Nach dem tänzerischen Schluss kann William Youn in Nr. VI, einer Art Nachtgesang, am Klavier dramatische Akzente setzen; die Klarinette von Sabine Meyer fügt melancholische Stimmungen hinzu, und in virtuosen, an Slawisches erinnernden Figuren endet alles. Die Nr. VII beginnt das Klavier spritzig, schnell; alles wirkt vergnügt in bester Laune, die Viola nimmt die Melodie der Klarinette auf, bis alles schnell schließt. Die kleine Sonate Es-Dur des 15-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy MWV Q 15 für Klarinette und Klavier betört durch den weichen, melancholisch beseelt singenden Klang der Klarinette.

Danach verströmt Mozarts Kegelstatt-Trio , das wohl nicht beim Kegeln entstanden ist, Poesie und beste Laune; die drei Instrumente zeigen dabei im ersten Satz feine Abschattierungen untereinander, und das Klavier treibt mit hellen, frischen Anschlägen alles weiter zu einem tänzerischen Menuett mit einem irgendwie nachdenklichen Trio, harmonisch im gegenseitigen, feinsinnigen Antworten, bis dann das Rondeau im eng verflochtenen Zusammenspiel von virtuosen Klavierläufen, vollem, samtigen Bratschenton und variabel singender Klarinette sich alles dramatisch, stärker entwickelt, gehalten von einem wunderbar abgestuften, inneren Rhythmus, bis zu einem Ende in bester Laune. Nach der Pause noch ein „Schmankerl“ Mozarts für eine ungewöhnliche Besetzung, ein Quintettsatz F‑Dur KV 580b von 1789 für Klarinette, Bassetthorn, gespielt von Reiner Wehle, und einem Streichtrio, harmonisch gebildet von Carolin Widmann, Violine, Viola, Nils Mönkemeyer, und Julian Steckel, Violoncello, schwungvoll bewegt, in wiegendem Rhythmus, wobei die beiden Blasinstrumente mit ihren fein abgestimmten Klängen und die drei Streicher sich wunderbar ergänzen in anregenden Entsprechungen. Darauf folgt dann Mozarts Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello Nr. 1 g‑Moll KV 478 von 1785, ein Jahr vor dem Figaro entstanden, in der Tonart, die Zeichen ist für eine angespannte Gefühlslage, was allerdings nur im Anfangssatz zu hören ist, angeschlagen im zum Streicher-Trio gleichberechtigten Part des Klaviers; für die Zeitgenossen war das als Unterhaltungsmusik ungewöhnlich und wurde von Mozarts Verleger abgelehnt.

Doch Mozart hat das gleich nach dem energisch fordernden Beginn wieder relativiert durch die feinen Anschläge des Klaviers, die innerlich ausgewogene Dramatik, den starken Impuls der Streicher untereinander und letztlich aufgefangen im gefühlvollen Andante, langsam, wie vorwärts tastend begonnen, mit delikaten, sanften Melodiebögen der Streicher genussvoll ineinander gesponnen. Das Rondo aber wird fast übermütig am Klavier begonnen, verströmt gute Laune, Grazie mit kostbaren, eleganten Streicher-Bögen und einem vom Klavier hell hingetupften Refrain-Thema.
Johannes Brahms Klavierquartett Nr. 1 g‑Moll opus 25 stammt aus seiner Frühzeit, dem Jahr 1856, und weist einige Züge auf, die an Mozart erinnern. Im kraftvoll vom Klavier begonnenen Allegro gibt es starke, dramatische Akzente, angefangen vom Cello; aus der innigen Verflechtung der Instrumente schält sich Melodisches heraus, sanft betont von der Viola, unterbrochen von lapidaren Klavier-Anschlägen und dramatischen Steigerungen ergibt sich der Eindruck innerer Zerrissenheit. Das wird vom folgenden Intermezzo aufgenommen, klingt ab in dem sehnsüchtig scheinenden, tragischen Satz mit auch zarten Empfindungen im beseelt singenden Trio bis zu einem heftigen, nachdrücklichen Schluss. Dem folgt ein versöhnliches Andante mit harmonischen Streicherklängen, der wunderbar fein singenden Guadagnini-Violine von Carolin Widmer, den starken Akzenten des Klaviers von William Youn, und alle dunklen Gedanken von vorher verschwinden in aufmunterndem, festlichem Glanz mit einem ruhig schimmernden Schluss. Dann aber, in einem Rondo alla zingarese mit einem äußerst geschwinden Presto bricht sich feurig „Ungarisches“ Bahn, sehr straff, sehr geläufig, mitreißend wie im wilden Tanz des Csárdás, aufgefangen vom sinnlich betonten, genussvollen Gesang der Streicher, in steter, ständig gesteigerter Spannung, ungeheurer Verve und immer rasanterem Tempo, bei stets beherrschter dahinwirbelnder Schnelligkeit.
Da hält es das Publikum im voll besetzten Saal nicht mehr auf den Plätzen, und es feiert lange mit vielen Bravos die Künstler und einen solch begeisternden, stimmigen Abend.
Renate Freyeisen