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Foto © Kathrin Belke

Freundschaft als Lebenselixier

MOZARTLABOR ZU FREUND SCHUBERT
(Franz Schubert)

Besuch am
31. Mai 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Mozartfest Würzburg, Exerzi­ti­enhaus Himmels­pforten Würzburg

Ein beglü­ckender und doch nachdenklich stimmender Abend über den Sinn von Freund­schaft, musika­lisch, künst­le­risch, ganz dem Motto des diesjäh­rigen Mozart­festes Würzburg entspre­chend, ist die bestens besuchte Veran­staltung des Mozart­labors im Kloster Himmels­pforten mit dem Bariton Benjamin Appl und seiner Liedbe­glei­terin am Klavier, Doriana Tchakarova. Hier, in der ruhigen Idylle ein wenig abseits der Stadt, kann sich das entfalten, was sich ankün­digte unter der Auffor­derung Nimm der Freund­schaft trautes Band als Motto des Abends.

Einge­stimmt in das Thema wird das zahlreich erschienene Publikum vom launigen Vortrag von Hansjörg Ewert über Schubert, dessen „Hausgötter“ Goethe und Mozart gewesen seien, und dem der unerreichbare Beethoven als das „Maß aller Dinge“ erschien. Also agierte Schubert aus seinem Freun­des­kreis heraus mit Malern, Dichtern und Akade­mikern, kompo­nierte quasi aus dem „Innen“, aus dem überschau­baren Umfeld seiner „Wiener Künst­ler­bohème“, traf sich, stets an seiner Begabung und Bedeutung zweifelnd, mit ihnen bei gemüt­lichen „Schuber­tiaden“, erfuhr dort Anregungen durch sie aus vielen Gedichten, die wiederum zu Liedkom­po­si­tionen führten. Seine Freunde waren eine Art Ersatz für enge Bezie­hungen, denn bei Frauen hatte er kein Glück. So war die Freund­schaft für ihn, den Beschei­denen und Schüch­ternen, ein großes Thema, und er nahm Maß bei Mozart, von dem er „Abdrücke in seine Seele“ erfuhr, etwa bei der Figur des Papageno aus der Zauber­flöte. Der inter­na­tional renom­mierte Bariton Benjamin Appl hat bestimmte Lieder und kurze Lesungen aus Briefen und Zeugnissen ausge­wählt, um damit Schuberts Charakter und sein Verhalten in und zu seiner Welt zu verdeut­lichen. Schubert zog sich gern zurück von der „großen“ Welt, ein wenig benach­teiligt auch durch sein Äußeres; seine Lieder sind eigentlich ständig durch­zogen von unter­schwel­liger Melan­cholie, einer gewissen Resignation und Traurigkeit über seine Rolle in der Gesell­schaft. Appl zeigt das an der Auswahl der Zeugnisse über Schubert, vor allem aber durch die sensible, einfühlsame, diffe­ren­zierte Gestaltung der Lieder, bestens verständlich, mit seiner kraftvoll männlichen Stimme vorge­tragen, die er oft zurück­nimmt zu Gunsten ausdrucksvoll leiser Nuancen.

Foto © Kathrin Belke

Nach dem fein gesun­genen Geheimnis D 491 schildert ein späterer Zeuge, Leopold von Sonnleitner, Schuberts unvor­teil­haftes Äußeres und sein Verhalten, dass er nur lebhaft wurde und zufrieden im Kreis seiner Freunde. Das wird auch musika­lisch deutlich im Lied D 654 An die Freunde, bei dem Appl seine Stimme freundlich ausschwingen lässt mit der Betonung aus meinem Herzen, und in der Schil­derung der schönen, besänf­ti­genden Natur wird deutlich, ganz ohne Nachdruck, dass Schubert darin einen Ausgleich sucht zu seinen inneren Empfin­dungen. Aus eigenen Zitaten und Erinne­rungen anderer geht hervor, dass der einzige Reiz sein „Unglück“ gewesen sei. So darf dagegen die Fischer­weise D 881 fröhlich, beschwingt, optimis­tisch mit klarer Stimme Lebenslust verkünden, während dann aber bei Der Jüngling auf dem Hügel D 702 nach kostbarer Gestaltung der Vokale bei der schönen Natur­schil­derung auch Melan­cho­li­sches hörbar wird und, irgendwie geheim­nisvoll provo­zierend, der Gedanke zu Tod und Nacht wechselt mit dem Blick auf die Sterne, letztlich als Ausdruck von Hoffnung, ganz sanft mit milden Höhen gestaltet. Bekanntlich kam Schubert bei Frauen nicht gut an, dafür aber bei Männern wie dem Maler Moritz von Schwind, der in ihn verliebt war; das wird ironisch verdeut­li­chend betont im Lied An Sylvia D 891, mit viel sprung­hafter Klavier­be­gleitung untermalt, letztlich aber doch resignierend, und der Abschied von einem Freunde D 578 ist gewidmet seinen Jugend­freund Schober, mit dem zusammen er das Konvikt besuchte. Auch Der Jüngling und der Tod D 545 zeigt, wie sich der Sänger in seiner resignie­renden Aussage ganz hinter den Text zurück­zieht, mit sanfter Ausstrahlung, bis dann in der Auflösung D 807, deren Beginn im Klavierpart kraftvoll nachvoll­zogen wird, auch im Gesang eine gespaltene Persön­lichkeit in der Sehnsucht nach Erlösung zu spüren ist, in der Unterwelt umschlungen von irgendwie lieblichen Gewalten.

Die Nacht­violen D 752 äußern in sanftesten Abschat­tie­rungen der Stimme Ruhigeres, während Auf der Donau D 553 Momente der Gefährdung und Gedanken an den Untergang stärker hervor­treten, und Der Schiffer D 536 in kraft­voller Bewegung äußert Entschlos­senheit „mit männlicher Brust“; letztere Lieder sind begleitet von den Erinne­rungen des Freundes Johann Mayrhofer. Da passt dann der himmlisch fein begonnene Abend­stern D 806 mit unter­schwel­liger Melan­cholie zu den Äußerungen der Freunde zu Schuberts Tod 1828; besonders andächtig gestaltet der Sänger das Nacht­stück D 672 als Sehnsucht nach Erlösung von irdischem Kummer. Appl spürt jeder kleinsten inneren Regung nach, lässt das Lied tröstlich, sanft, mild, in Ruhe ausgleiten. Nach diesem Abschluss mit der Widmung des Freundes Seidl an Schubert, hellt dann die fröhliche Taubenpost D 967A die Stimmung auf als tröstende Botschaft von der Wirkung der Musik, und nach dem langen, begeis­terten Beifall passt dann die Huldigung An die holde Kunst bestens als Zugabe.

Der wunderbar anspre­chende, gehalt­volle Abend erschließt Schuberts Liedkunst auf neue, anregende Weise.

Renate Freyeisen

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