O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Andreas Herold

Wahre Liebe

SAVITRI/​HEART SUTRA
(Gustav Holst, Christian Jost)

Besuch am
26. Juni 2020
(Premiere)

 

Hochschule für Musik Würzburg, Theater in der Bibrastraße

Was tun in Corona-Zeiten? Wie Opern­auf­füh­rungen reali­sieren? Die Opern­schule der Würzburger Hochschule für Musik kann immerhin ihr eigenes Theater in der Bibra­straße benutzen, ist nicht darauf angewiesen, dass sich die Aufführung durch Eintritts­preise trägt. Also konnte sie für die Produktion zum Abschluss des Sommer­se­mesters planen, mit der sich Studie­rende für ihren weiteren Lebensweg quali­fi­zieren. Dass es nun trotz unsicherer Aussichten geklappt hat, liegt an der Einhaltung der strikten Hygiene-Regeln: Anmeldung für den Besuch nur über Mail, Einlass einzeln, vorge­schriebene Wege, regis­trierte Sitzplätze in weitem Abstand, insgesamt 24, und während der ganzen Aufführung Masken­pflicht und keine Pause.

Die Lösung bei solcher Einschränkung: Hierfür wurden zwei Kammer­opern von insgesamt 90 Minuten Dauer von Regis­seurin Katharina Thoma ausge­wählt, zwei Werke mit eher exoti­schen Schau­plätzen, Savitri von Gustav Holst von 1916, das in Indien spielt und einen Stoff aus der indischen Mytho­logie aufnimmt, und Heart Sutra von Christian Jost von 2013 nach einer Kurzge­schichte der chine­si­schen Autorin Eileen Chang; hier, bei der modernen Version von Famili­en­kon­flikten in Shanghai, geht es um einen Lehrsatz des Buddhismus. Beide Opern eint der Hinter­grund einer transzen­denten, spiri­tu­ellen Erfahrung, wobei das moderne Stück auf einer eher realis­ti­schen Basis beruht.

Foto © Andreas Herold

Savitri beginnt auf einer leeren, weißen Fläche mit einem Erdhügel vorne und einer spiegelnden Glaswand nach hinten; dort, im Dunkel, befindet sich auch der Chor, vier Damen als Waldgeister, die sich zu den Klängen des Klaviers, gespielt von Sera Park, bewegen, nach einer Choreo­grafie von Anna Vita. Anders als vom Kompo­nisten gewünscht, der eine umfang­reiche Instru­men­ta­li­sierung vorge­sehen und sich eine Aufführung im Freien, im Wald, mit sicht­barem Orchester und Chor, vorge­stellt hatte, wird hier auf der Bühne eine eher irreale, geheim­nis­volle Atmosphäre geschaffen. Der Tod, eine Art düsterer Mönch, will den Holzfäller Satyavan zu sich holen, doch Savitri, die ihren Mann sehr liebt, gelingt es, durch Klugheit und Schmei­chelei dem Tod ein letztes Versprechen zu entlocken: Sie wünscht sich für sich Leben; denn der Mensch brauche die Gemein­schaft, sonst sei er einsam und verlassen, für das Leben als Frau und Mutter aber brauche sie ihren Mann. So muss der perso­ni­fi­zierte Tod ihr die Bitte gewähren; Satyavan erwacht, der Tod kehrt in sein Reich hinter den trennenden Glaswänden zurück. Somit wird Maya, Traum, Illusion durch Erkenntnis überwunden, die Fortdauer ewigen Lebens durch die Mutter­schaft angezeigt, als Savitri mit einem Kind auf dem Arm vorüber­schreitet. Megan Henry verkörpert diese Figur sehr charmant und selbst­be­wusst, und ihr kräftiger Sopran, manchmal nicht ganz intona­ti­onsrein, meistert die langen Gesangs­linien sehr souverän. Stefan Schneider setzt seinen Tenor als Satyavan geschickt ein, und der Bass von Yao Liu überzeugt als Tod vor allem in seiner Ausstrahlung.

Bei Heart Sutra von Christian Jost spielt unter der Leitung von Anton Lee-Stein ein recht exotisch klingendes Instru­mental-Ensemble von Violine, Kontrabass, Vibraphon, Marim­baphon und zwei Klavieren im Hinter­grund der Bühne. Das vierteilige Werk beginnt mit einer Art Ouvertüre. Während deren Dauer mit langsamen, fast tastenden Klängen, wird von hinten eine Art Haus-Turm herein­ge­fahren. Hier wohnt eine angeblich perfekte Familie. Xiao-han ist deren einzige Tochter, die nicht erwachsen werden, nicht ausziehen will. Sie träumt in grauer Hochhaus-Umgebung von Natur, einem gelben Blatt, verweigert sich der Realität, ist obsessiv auf ihren Vater fixiert und verachtet ihre duldsame Mutter. Als der Vater ein Verhältnis mit der schicken Ling-chin anfängt, will Xiao-han es nicht wahrhaben, will immer 20 bleiben, kann nicht akzep­tieren, dass ihre Mutter alles still erträgt, denn der ist ihre Ehe wichtig. Aber die Tochter hängt ihren Illusionen nach; erst, als der Vater die Familie verlässt, der Freund sie schonungslos mit der Wahrheit konfron­tiert, und die Mutter ihr vorwirft, sie sei schuld, dass die Ehe zerstört ist, kommt die Tochter zu sich: Sie bekennt ihre Fehler und begräbt ihre Träume, wird vielleicht erwachsen. Bilder wie die Treppen im Hochhaus, die bunten Blumen als Illusion für Glück, die Kleidung, mal modisch, mal bunt, am Schluss aber grau, der Koffer als Aufbruch in die Zukunft, die blaue Blüte als Symbol für unerfüllbare Träume illus­trieren ebenso wie die sehr eindrucks­vollen, mal roman­ti­schen, mal drama­ti­schen Klänge den seeli­schen Hinter­grund der Handlung. Ganz besonders anrührend, glaubhaft und überzeugend gestaltet Misun Kim die Haupt­rolle der gar nicht so sympa­thi­schen Xiao-han; dazu verhilft neben der ausdrucks­vollen Mimik und der großen Beweg­lichkeit vor allem die volle, schön timbrierte Stimme, die mit vielen diffe­ren­zierten Farben und stets unange­strengt die wechselnden Gefühls­re­gungen zeigt. Stefanie Wagner als die Geliebte des Vaters – Stefan Schneider in einer stummen Rolle – zeichnet mit ihrem starken Sopran das Oberfläch­liche dieser Figur nach, während Seona Kim mit ihrer dunkel getönten Stimme bestens zur Rolle der beschei­denen, zurück­hal­tenden Mutter passt, und Jaesung Kim singt den Freund Gong Hai-li mit jugend­lichem Schwung.

Der Beifall im sparsam besetzten Zuschau­erraum fällt natur­gemäß nicht allzu laut, aber herzlich und langan­haltend aus.

Renate Freyeisen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: