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Foto © Jutta Schwegler

Seelen(t)räume im Winter

SCHUBERTS „WINTERREISE“
(Hans Zender)

Besuch am
28. Februar 2025
(Premiere am 27. Februar 2025)

 

Mainfran­ken­theater im Konzertsaal der Hochschule für Musik Würzburg

Hans Zender, von 1936 bis 2019 in dieser Welt lebend, hat seine Fassung der Winter­reise nach Franz Schuberts Original eine „inter­pre­tie­rende Kompo­sition“ genannt. Er erweitert Schuberts Vorlage um ein umfang­reiches Kammer­or­chester: nicht nur die Streicher, Holz- und Blech­bläser sitzen auf der Bühne, sondern auch ein mannig­fal­tiges Schlagwerk mit Vibrafon, Holzbalken, Glocken­stäben, Gong, großen und kleinen Trommeln und vielem mehr steht da, dazu kommen eine Harfe, eine Gitarre, ein Akkordeon und sogar Melodicas zum Einsatz.

Mit diesem diffe­ren­zierten Klang­körper schaffen Tenor Daniel Behle und Dirigent Joseph Bastian, einst Assis­tenz­di­rigent bei Mariss Jansons beim Sympho­nie­or­chester des Bayeri­schen Rundfunks, seit 2023 Chefdi­rigent und künst­le­ri­scher Leiter der Münchner Sympho­niker, eine beein­dru­ckende Inter­pre­tation des ansonsten in der Schubert-Fassung auf Konzert­podien mit Sänger und Klavier darge­bo­tenen Werkes.

Schubert erkennt man natürlich in der Nachkom­po­sition, dem Sänger wird nach wie vor die Melodie gegeben. Aber die Musiker im Orchester greifen sie auf, wieder­holen sie, setzen Akzente, verfremden, ändern den Rhythmus, die Tonarten. Manchmal rezitiert der Tenor zur Melodie im Orchester. Hinzu kommen Elemente der Moderne: ein Schnarren in den Geigen, fahle Töne in der Melodica, eine Windma­schine mit ihrem Brausen, angeschlagene Holzstäbe und vieles mehr.

Foto © Jutta Schwegler

Die 24 Lieder der Schubert­schen Winter­reise bieten viel Raum für die kreative Ausge­staltung, den Zender eifrig nutzt. Zu Beginn sitzen nur wenige Instru­men­ta­listen auf der Bühne, langsamen, gemes­senen Schrittes ziehen die anderen ein. Und auch während der Vorstellung wechseln sie immer wieder ihren Platz, klingen dadurch näher und ferner, wie Wanderer, die einmal hier sind und einmal da. Die Natur bietet viele Möglich­keiten der Ausmalung. Da hört man den Wind in Die Wetter­fahne in den Flöten und Becken pusten, Auf dem Fluss lässt das Orchester große Eisschollen sich gegen­ein­ander auftürmen, im Frühlings­traum versinn­bild­licht die Harfe den Mondschein und die Küsse, die längst einer anderen Zeit angehören. Scharf und hohl klingen die hängenden Holzbalken der Schlag­werker in der Einsamkeit. Die Post nimmt in der Einleitung Fetzen der Melodie auf und macht dem Zuhörer die nahende Postkutsche in den Bläsern und dem Schlagwerk deutlich. Pferde­ge­trappel, knallende Peitschen­hiebe und das Pochen des liebenden Herzens werden durch die Instru­men­tierung deutlich.  Dann der Bruch, es wird klar, dass der Tod näher­steht als die Liebe, im zweiten Teil geht es immer tiefer hinein in die Todes­sehn­sucht. „Wie weit noch bis zur Bahre“ wird mit schnei­denden Blech­klängen kommen­tiert. Die Krähe, landläufig mit dem Tod assoziiert und als Unglücks­bringer geltend, krächzt in den Holzbläsern. Hunde grollen Im Dorfe, der Schnee knirscht und Der stürmische Morgen lässt wieder die Windma­schine und auch ein Regenrohr zum Einsatz kommen. Das Wirtshaus, Allegorie für den „Toten­acker“, den Friedhof, in den der Wanderer einkehren will, wird mit sattem Bläser­klang wie von einer Beerdi­gungs­ka­pelle einge­leitet. Am augen­fäl­ligsten werden die Brechungen und rhyth­mi­schen Schwan­kungen in Mut! Zender bricht das „lustig in die Welt hinein“, macht die Ironie deutlich, um in den Neben­sonnen sphärische Klänge in den Raum schweben zu lassen. Beim Leiermann vermeint man, die klirrende Kälte zu spüren, die dem Wanderer in dieser Unwirt­lichkeit in die Knochen fährt, Flöten, Klari­nette und Akkordeon imitieren den Leiermann, eine unerbitt­liche Schärfe kommt im Orchester auf, und dann verlassen die Instru­men­ta­listen wieder die Bühne, bis der Kontrabass den letzten Ton ins schier Unend­liche zieht. Schade nur, dass ein Teil des Publikums seine Begeis­terung nicht zügeln kann und hier hineinklatscht.

Das Philhar­mo­nische Orchester Würzburg gibt sich mit vollem Einsatz in das Werk hinein. Vielfältig und außer­ge­wöhnlich die Anfor­de­rungen, denen sich die Musiker mit Verve stellen. Bastian leitet sie umsichtig, mit bedachten, ästhe­ti­schen Bewegungen, sehr elegisch und dabei immer sehr präsent.

Tenor Daniel Behle singt mit klarer, heller, recht schlanker Stimme und ist in jeder Phase absolut gut verständlich. Das Vibrato wird gezielt einge­setzt, die Höhe ist sehr leicht, die Tiefe manchmal kaum hörbar, aber das Piano ist ergreifend. Insgesamt wirkt die Stimme vor diesem reichen Orches­tersatz etwas gleichförmig.

Das Publikum im gut besetzten Saal der Hochschule für Musik ist sehr angetan und spendet reichen Applaus.

Jutta Schwegler

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