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Foto © Andreas Herold

Heiter-surreale Konflikte

SUSANNENS GEHEIMNIS/​DIE NACHT DES NEURASTHENIKERS/​ANGÉLIQUE
(Ermanno Wolf-Ferarri, Nino Rota, Jacques Ibert)

Besuch am
9. Februar 2018
(Premiere)

 

Hochschule für Musik Würzburg, Theater in der Bibrastraße

Als Devise dieses gelun­genen, dreitei­ligen Kurzopern-Abends gilt: Nur nicht alles ernst nehmen! Also deutet die Bühne von Manfred Kaderk in der Würzburger Opern­schule der Hochschule für Musik in ihrem Theater in der Bibra­straße mit wenigen Kulissen witzig an, dass es hier lediglich um geist­reiches Spiel und harmlosen Spaß bei Einaktern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts geht. Das trifft nur auf die Handlung zu, nicht aber auf die musika­lische Qualität. Bei Ermanno Wolf-Ferraris Inter­mezzo Susannens Geheimnis aus dem Jahr 1909 reichen Frage­zeichen vor hellen Wänden mit vielen Türen als Hinweis auf das Rätsel, wieso die junge Gräfin so penetrant nach Zigaret­ten­rauch riecht. Der ältere misstrauische Ehemann vermutet einen Liebhaber. Jedoch stellt sich nach drama­ti­schen Anschul­di­gungen, Liebes­schwüren und Andro­hungen der Trennung heraus: Die Dame raucht heimlich. Nach ihrem Geständnis verfällt der versöhnte Ehemann ebenfalls der Nikotinsucht.

Bei Nino Rotas 1950 kompo­niertem Dramma buffo Die Nacht des Neurasthe­nikers werden die Zuschauer in ein Hotel in Mailand geführt, aber auch hier genügen drei Türrahmen, um drei benach­barte Zimmer mit Betten anzudeuten, die ein hyper­ner­vöser, übersen­sibler Mann angemietet hat. Im mittleren will er endlich einmal ungestört schlafen. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass der Hotelier wegen Überbu­chung zur Messezeit heimlich auch die Nachbar­zimmer vergeben hat. Und so ist von Ruhe keine Spur, denn in einem nächtigt ein Kommandeur, im anderen ein Liebespaar. Der Überemp­find­liche bekommt natürlich ihre Geräusche mit und klingelt in seiner Empörung das ganze Hotel­per­sonal wach. Erst als der Morgen­kaffee gebracht wird, herrscht Ruhe …

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Ganz anders die Farce von Jacques Ibert Angélique aus dem Jahr 1927. Hier gilt es, mittels Übertreibung eine Atmosphäre des surrealen Amüse­ments herzu­stellen. Der Zuschauer blickt in eine Straße mit Haus-Kuben; im Hinter­grund fährt ein Schiffchen vor einem blauen Wolken-Himmel vorbei. In dieser Umgebung wohnt die sehr hübsche, aber überaus launische Dame Angélique; sie ist mit ihrem gutmü­tigen Mann Bonifaz völlig unzufrieden, schika­niert ihn dauernd. Auf Anraten seines Freundes Charlot und mit ihrer Einwil­ligung bietet er sie zum Verkauf an. Doch die Inter­es­senten, ein Italiener, ein Engländer und ein Orientale haben schnell mehr als genug von ihr, schicken sie wieder heim. Da wünscht ihr Mann sie zum Teufel, doch selbst der bringt sie bald wieder zurück. Aber Bonifaz hat von ihr genug, möchte sich in seiner Verzweiflung erhängen. Endlich kommt Angélique zur Besinnung und schwört Besserung; Bonifaz bleibt skeptisch: Sie steht immer noch zum Verkauf. All das findet unter den Augen spießiger Nachba­rinnen und ihrer Männer statt, die ab und zu als Pappka­me­raden aus den Fenstern schauen.

Durch die quirlige Perso­nen­führung in der leben­digen Insze­nierung von Holger Klembt und die Kostüme von Anke Drewes, mit denen die grotesken Charaktere unter­strichen werden, gewinnt alles herrlich amüsante Züge, und die jungen Sänge­rinnen und Sänger werfen sich mit geradezu komödi­an­ti­scher Lust in ihre Rollen, bewegen sich sicher mit viel Spaß darin.  Dass die drei Kurzopern ganz unter­schied­liche Anfor­de­rungen an das Orchester der Hochschule für Musik stellen, bekommt man im Lauf des dreistün­digen Abends kaum mit. Denn Ulrich Pakusch führt seine Musiker gekonnt durch die Tücken der Parti­turen. Wolf-Ferraris Werk ist teilweise noch klassi­schen und roman­ti­schen Tradi­tionen verhaftet; vor allem die vergnügte, pfiffige Ouvertüre zu Susannens Geheimnis lässt mit ihrer Frische aufhorchen, verrät vieles Kommende, so die drama­ti­schen Turbu­lenzen der Paarbe­ziehung, die melodiöse Seligkeit im Liebes­duett, die breit dahin­flie­ßende Versöhnung der beiden.

Eine überzeu­gende darstel­le­rische Leistung und eine überra­schende sänge­rische Vielsei­tigkeit bietet Jinho Seo als Graf Gil; der Bariton aus Südkorea verfügt dazu über eine kraft­volle, farben­reiche Stimme, die sowohl wütende Stärke wie auch lyrisches Schwelgen ausdrücken kann. Seine Partnerin Anna-Lena Müller zeigt als Susanne eine sehr elegante, hübsche Erscheinung.

Dass Nino Rota viel Filmmusik kompo­niert hat, belegt Die Nacht des Neurasthe­nikers an vielen Stellen, etwa im Zitat des Blues aus La dolce vita: Doch auch Spuren von Musicals, Walzer, Jazz und anderen Musik­rich­tungen findet man, und bei der Beschwörung der Stille erinnert man sich an bekannte Opern. Stringent wird die Nervo­sität der handelnden Personen durch Halbton­schritte und die Schlag auf Schlag folgenden Verän­de­rungen bei nur wenigen ruhigen Momenten in der Musik. Lukas Eder, groß gewach­sener Sänger, verkörpert wunderbar den Neurasthe­niker; seine nur mühsam kontrol­lierte Beherr­schung kann er gut ausdrücken, wenn er sich im Bett wälzt, Schäfchen zählt, das Telefon zertrümmert, immer mehr ausrastet, mit der Pistole herum­fuchtelt; dazu passt bestens sein kräftiger, etwas trockener, energisch aufge­la­dener Bariton. Sein ungewollter Zimmer-Nachbar, der Kommandeur, wird von Heesu Kim sehr korrekt mit etwas trocken klingender Stimme gezeichnet. Dagegen brilliert das Liebespaar im anderen Zimmer, aktiv auf dem Bett, die erotisch reizvoll sich bewegende Hongyü Xing und ihr Partner Stefan Schneider, beim Liebes­ge­flüster, vor allem sie mit glockenhell süßem Sopran, er mit angenehmem Tenor. Das Hotel­per­sonal, angeführt vom Portier, Jakob Mack, ist bei dieser Alptraum­nacht nicht zu beneiden, wenn es ständig heraus­ge­klingelt wird, und erst als die Gäste geflohen und der Kaffee serviert wird, kehrt Ruhe ein; aber da ist es zu spät zum Schlafen.

Foto © Andreas Herold

Wieder anders geht es zu bei Angélique; hier wird auch viel gesprochen. Die Musik von Jacques Ibert lässt bisweilen eine melodische Linie vermissen, vermittelt dafür aber viel Hinter­grün­diges an Stimmungen. So erinnert der Auftritt des Italieners ein wenig an Rossini, und wie sich Angélique mit artis­ti­schen Kolora­turen auf dem Balkon anpreist, scheint geradezu eine ironische Parodie auf dessen Arien; als der Scheich auftaucht, vermeint man Anklänge an Jazz oder arabisch-orien­ta­lische Musik zu vernehmen. Als Angélique markiert Bettina Maria Bauer ein kokettes, etwas biestiges, aber durchaus charmantes weibliches Wesen, und dazu passt ihr schlanker, heller, höhen­si­cherer Sopran. Ihr geplagter, armer Mann Bonifaz wird verkörpert durch Lukas Eder; sein Freund Charlot bringt ihn erst auf den Gedanken, sein „Leid“ zu verkaufen; Elias Wolf gibt ihn sympa­thisch schlitz­ohrig, und sein schöner, runder Bassba­riton unter­streicht diesen liebens­werten Charakter gut. Die Kauf-Kandi­daten, der Italiener, Heesu Kim, der Engländer, Stefan Schneider, und der exotische Araber, Jakob Mack, gefallen durch Spiel­freude und stimm­liche Sicherheit, während die tütte­ligen Klatsch­basen Melanie Dreher und Lena Elisabeth Vogler, ausge­rüstet mit Haushalts­ge­räten und hell-spitzen Stimmen, wiederholt ihre neidische Missgunst verraten.

Nach dem nur halb versöhn­lichen Ende aller dieser musika­li­schen Komödien feiert das Premie­ren­pu­blikum im leider nicht ganz vollbe­setzten Haus alle Betei­ligten mit frene­ti­schem Beifall. Es lohnt sich, solche relativ unbekannten Werke kennen zu lernen, vor allem wenn sie mit so viel Spaß präsen­tiert werden.

Renate Freyeisen

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