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Vielfältige Inhalte und Deutungen

TRÄUMERISCH/​KRIEG UND FRIEDEN/​WALDEINSAMKEIT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
7., 8. und 9. März 2025
(Einmalige Aufführungen)

 

Festival Lied, Mozart­areal und Burkar­dushaus, Würzburg

Lieder­abende gefallen nicht immer jedem; wichtig aber ist vor allem dabei die Ausstrahlung der Stimme. Das aber stellt gewisse Anfor­de­rungen an eine variable Interpretation.

Das Thema Träume­risch für einen Lieder­abend mit der eher ungewöhn­lichen Kombi­nation von Harfe und Stimme weckt schon allein durch das Instrument Erwar­tungen, und Kompo­si­tionen von der Romantik, Spätro­mantik, Impres­sio­nismus, Décadense bis zum späten 20. Jahrhundert sollten dann schon dem Motto entsprechen. Den „roman­ti­schen“ Touch liefert dabei die Harfe als Instrument einer verzau­bernden Klangwelt, die in leicht überir­dische Sphären entführt. Andreas Mildner, Professor an der Musik­hoch­schule Würzburg, vorher Soloh­ar­fenist beim WDR-Sinfo­nie­or­chester, verstärkt die Wirkung noch durch sein abgestuftes Spiel, das er ständig passend zu den Texten variiert, ohne zu sehr typische Effekte wie rauschende Glissandi einzu­setzen. Ein beson­derer Höhepunkt aber sind seine Solostücke, Rêverie von Debussy und In a landscape von John Cage, in der struk­tu­rierten Abfolge der Töne fein träume­risch schil­dernd bis stark akzen­tu­ierend. Sopra­nistin Mirella Hagen aber kann, profi­liert durch große Opern­auf­tritte, den Anspruch an „roman­tische“ Eindrücke nicht immer erfüllen. Sie verfügt über einen schön klingenden, klaren, hellen, bisweilen etwas eng geführten Sopran, den sie mit viel Gespür für Textaus­sagen einsetzt; oft aber merkt man ihr an, dass ihr Metier eher die Opern­bühne ist, wenn sie drama­tisch die Höhen forciert, während die ruhige Mittellage warm klingt, und oft hätte man ihr mehr Farben in der Inter­pre­tation vor allem der Debussy-Lieder Nuit’d d’étoiles und Les Angelus gewünscht; da fehlen doch auch schim­mernde Nuancen, die sie durch Laut-Leise-Variation zu ersetzen sucht. Stets aber bleibt sie gut verständlich und intona­ti­ons­sicher. Der Auftakt mit der Volks­weise Oy u Poli mit der Zwiesprache zwischen Kosak und Mädchen richtet den leicht melan­cho­li­schen Blick auf das Kommende. Geheim­nisvoll gestaltet die Sopra­nistin Robert Schumanns Lotos­blume, während sie Clara Schumanns Stille Lotos­blume mit feiner Innigkeit versieht. Sehr schön gelingen der Sängerin danach die großen melodiösen Linien in vier Liedern von Reynaldo Hahn. Hier betont sie das Kostbare, das Sehnsuchts­volle in Klang­bildern zwischen Glücks­ge­fühlen und Trauer, die von roman­ti­scher Träumerei sprechen etwa im Wunsch des Dichters Victor Hugo, mit seinen Versen wie im Flug Liebe und Lachen zu evozieren. Bei Epheu aus den Mädchen­blumen von Richard Strauss beschwört sie mit starker Höhe den Wunsch eines Mannes, sich um ein ander Leben zu ranken, während die Wasserrose nach drama­ti­scher Steigerung eher locker ausgleitet. Zwei ungarische Lieder, von Kodály und Lajtha, betonen das Schick­sal­hafte der Einsamkeit mit trauriger Stimmung, wie in einer kummervoll gestal­teten Szene, die Hagen eher drama­tisch gestaltet, während das Singen eines Vogels Trost gewähren kann. Das jiddische Lied aber von Iván Fischer, nicht gut artiku­liert, entfaltet im klagenden Ton, der durch Vibrato und fahlen Klang expressiv verstärkt wird, schwer lastende Stimmung. Die zwei Haiku-Verto­nungen von Heinz Holliger und die etwas absurde Aussage eines Geburts­tags­lieds To Elliot bilden eine kurze Überleitung zu Liedern, die sich der Stimmung in der Nacht widmen, so Schuberts Nacht und Träume , ruhig und kostbar klingend, das innige Es träumte mir von Brahms, Die Nacht, eine inter­es­sante Vertonung eines Eichen­dorff-Gedichts von Braunfels, und Unbewegte laue Luft von Brahms, zuerst mit angenehm klingender Stimme die Ruhe nachzeichnend, dann aber die Höhe etwas stark forcierend. Nach dem begeis­terten Beifall des nahezu voll besetzten Hauses für diesen inter­es­santen Abend noch als Zugabe Die Nacht von Richard Strauss.

Jong Sun Woo und Giacomo Schmidt – Foto © Katharina Gebauer

Ein Lieder­abend unter dem Motto Krieg und Frieden passt eigentlich in unsere Zeit, in der es nicht viel Grund zum Jubeln gibt. Aber der ungewöhnlich lange Beifall mit vielen Bravo-Rufen für ein nicht nur thema­tisch, sondern auch sänge­risch und musika­lisch faszi­nie­rendes Programm unter­streicht, dass selbst scheinbar „schwere“ Kost begeistern kann, wenn sie so hervor­ragend gestaltet wird wie durch die wunderbare Mezzo-Sopra­nistin Marie Seidler und ihren konge­nialen Liedbe­gleiter Wolfram Rieger am Klavier. Modest Mussorgskys blutrüns­tiges Kampf­getöse Polko­vodec, ein Lied, in dem der Tod als Feldherr das Heldentum feiert, macht den Anfang; der Abend endet mit einem Aufruf zum Frieden unter den Völkern im Chanson Göttingen von Barbara und bietet eine imponie­rende Bandbreite von Perspek­tiven und Stilen. Die junge, aber erstaunlich versierte Sängerin entfaltet eine Vielfalt von Ausdrucks­nu­ancen, stets frei agierend mit erläu­ternder Gestik, immer bestens verständlich artiku­lierend. Seidler verfügt über eine große, volltö­nende, dunkel grundierte, leicht metal­lisch unter­legte Stimme, die neben satter Tiefe auch runde, glänzende Höhen aufweist. Ihr Klavier-Partner verstärkt ihre Aussagen subtil und faszi­niert mit intensiv einfühl­samem Phrasieren, auch mit nachdenklich zurück­hal­tenden Läufen etwa bei den Mahler-Liedern aus Des Knaben Wunderhorn , ganz unauf­dringlich begonnen mit dem Anklopfen, dann aber anders, wenn die Trompeten angedeutet werden, wenn sich der Schmelz der Stimme entwi­ckelt, die Höhen schimmern und das Ach weine nicht mit innerem Glanz erklingt und die Hoffnung auf die Wiederkehr des Geliebten, der ins Feld ziehen muss, sich als trüge­risch erweist. All das ist mitzu­fühlen durch die kostbar variierte Färbung, mit der sich die Geliebte dem Schicksal wider­setzt und bei der alles zwischen Aufbe­gehren und Resignation endet. Ebenso traurig, ja schmerzhaft der Schluss in Das irdische Leben mit den vergeb­lichen Bitten an die Mutter um Brot. Und das Urlicht , verhalten begonnen, zeigt die Sehnsucht des Menschen in größter Not nach Erlösung im Himmel, geäußert mit leuch­tenden Höhen.  Das Gebet um Frieden von Poulenc gestaltet die Sängerin andächtig, und sein Bleuet lässt trotz feinem Glanz ahnen, dass Menschen durch Krieg unter­gründig gespalten, beschädigt sind. Auch Au pays … wo Krieg ist, erzählt durch Duparc vom Verlust ohne Hoffnung auf Rückkehr, von Einsamkeit. Ravels Trois beaux oiseaux du paradis spielt auf die franzö­si­schen Natio­nal­farben an, wie beschwörend in den Wieder­ho­lungen, voller Resignation über die Erstarrung der Herzen im Krieg. Im zweiten Teil des Abends singt Seidler vorwiegend englische Lieder, beginnend mit Tom sails away von Charles Ives, dem Abschied des Matrosen in den Krieg, sehr bewegt vom Klavier begleitet; hämmernde Anschläge leiten In Flanderns Fields ein, wo nur Vernichtung und Verzweiflung herrschen. Samuel Barbers I hear an Army beinhaltet eine immer stärkere Anklage; die Sängerin lässt dabei das innerlich Zerrissene spüren bis zu einer verzwei­felten Frage ohne Antwort. Bei The clown von Ethel Smyth geht es um Freiheit, und darum, wie ein Narr unter der ihn zerstö­renden Existenz leidet, denn er kann die Fesseln nicht abstreifen. Wie hinge­tupft am Klavier, mit schönen Gesangs­linien gestaltet die Stimme das kleine Lied von Lori Laitman She Died, mühelos, ganz konzen­triert von der Höhe bis zur Tiefe. Nach den eher depri­mie­renden Bildern des Todes drei Lieder von Hanns Eisler; abwech­selnd zwischen Gesang und Erzählung ist das Kriegslied eines Kindes, sehr rhyth­misch betont, vom naiven Glauben an die Aufer­stehung getragen; der Aufruf von Brecht zur Änderung der Welt wird souverän akzen­tuiert gesungen, und Der Graben wendet sich immer nachdrück­licher gesteigert gegen den Krieg. Mit Humor und einem Schuss hinter­grün­diger Ironie präsen­tiert die Sängerin mit ihrem Klavier­be­gleiter dann den Barbara-Song aus Weills Dreigro­schenoper, leicht sinnlich-vulgär gestaltet als Aufruf zum Geschlech­ter­krieg, und noch schräger, mitreißend lasziv, erklingt dann der Song Surabaya-Johnny, letztlich die Aussichts­lo­sigkeit eines Glücks in der Liebe besingend. Dass Seidler aber auch Chanson kann und sogar genießt, beweist sie mit Barbaras Göttingen, das vor 70 Jahren zum Abschluss des deutsch-franzö­si­schen Freund­schafts­ver­trags erklang, ein ermuti­gender Abschluss nach all den depri­mie­renden Kriegs­liedern. Auf den begeis­terten Beifall passt zur Beruhigung als Zugabe das fried­liche Wiegenlied von Brahms und ein ebenso herzer­wei­chend gesun­genes kurzes Wiegenlied von Manuel de Falla.

Andreas Mildner und Mirella Hagen – Foto © Katharina Gebauer

Waldein­samkeit nennt sich ein Lied-Nachmittag mit dem jungen lyrischen Bariton Giacomo Schmidt und seiner Liedbe­glei­terin Jong Sun Woo, beide zusammen Gewinner des inter­na­tio­nalen Wettbe­werbs für Liedkunst der Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart 2024. Das Motto ist ein wenig irreführend, denn allein ist man da nicht immer; im Grund geht es um den Wald als magischen Ort für Gefühle. Vor allem der Roman­tiker Joseph von Eichen­dorff schrieb viele Gedichte über den Wald, und Robert Schumann schuf im großen Liederjahr 1840 dazu den Lieder­kreis opus 39 mit zweimal sechs Liedern als Ausdruck des Zweifels an der Wirklichkeit; ebenso kompo­nierte er für Klavier opus 82 die Waldszenen. Für das Festival Lied aber entsteht nun wieder etwas Neues: Die Schumann-Lieder und die Klavier-Schöpfung werden extra für Würzburg kombi­niert mit fünf Verto­nungen von Eichen­dorff-Gedichten durch den 2002 verstor­benen Berthold Hummel, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre, abwech­selnd einge­streut zwischen die Schumann-Stücke; erstaunlich dabei, wie nahtlos sich hier Romantik und Moderne inein­an­der­fügen. Das Klavier beginnt solo mit Eintritt, dem nach In der Fremde und Inter­mezzo das Wanderlied von Hummel folgt. Auch wenn der große Saal des Burkar­dus­hauses eine recht proble­ma­tische, etwas hallige, kalte Akustik aufweist, die Pianistin kommt damit ganz gut klar; aller­dings kann sie so nicht mit diffe­ren­zierten Farb-Nuancen aufwarten. Schmidt imponiert mit seinem jugendlich-kräftigen, beweg­lichen, nicht allzu volumi­nösen Bariton, bester Verständ­lichkeit und einer stark am Text orien­tierten Aussage, deutet Melan­cholie an, vermittelt bei In der Fremde das Gefühl von Einsamkeit, beim Wanderlied das Bewegte eines Menschen, der im Wald vor der Außenwelt Schutz sucht; im Waldge­spräch zeigt er, wie der Mensch innere Visionen als gefähr­liche Stimmungen erlebt. Das Lachen über seine Ängste bei Unfall ist auch selbst­iro­nisch zu deuten. Wünsche entstehen in der Stille, und der Zauber der Mondnacht wird vom Sänger innig ausge­kostet. Schnelle Triolen­läufe illus­trieren den Vogel als Prophet am Klavier, und die Schöne Fremde wird mit fulmi­nanter Steigerung glanzvoll als Glücks­ver­heißung ersehnt. Bei Kurze Fahrt hört man von Ferne das Posthorn, die Stimmung scheint fröhlich. Eine köstlich ruhige, fried­liche Szene zeichnet der Sänger nach, wenn er den einge­schla­fenen alten Ritter Auf der Burg schildert; doch in dieses Bild mischt sich auch Melan­cho­li­sches. Als jugend­licher Wanderer In der Fremde scheint der Sänger von schönen Eindrücken bewegt; bald aber mischt sich Trauer um den Tod der Liebsten dazu. Die Zwiespäl­tigkeit entfacht der Sänger auch in Wehmut, entfaltet dabei Nachdrück­liches, lässt aber aufhorchen mit weichen, sanften Schat­tie­rungen über sein Leid. Seelische Zerris­senheit ist zu ahnen bei Aus schweren Träumen, und in Zwielicht wird eine schaurige Stimmung ausge­breitet mit Fragen an sich selbst. Sehr bestimmt kommt der Jäger auf der Lauer im Klavier daher, und die anfangs frohe Stimmung Im Walde bei einer Hochzeit ändert sich schnell; solche Anwand­lungen vertreibt die Frühlings­nacht beschwingt und mit jugend­licher Kraft durch den Sänger. Hummels Todeslust aber hebt alle inneren Gefähr­dungen in einer wunder­baren Nacht auf. Alles endet versöhnlich mit einem pianis­ti­schen Abschied, hell verklingend. Auf den langen Beifall folgt noch als Zugabe ein inniges Gebet von Hugo Wolf.

Renate Freyeisen

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