O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Jahreszeitliche Stimmungen

VIER JAHRESZEITEN
(Dominique Dumais)

Besuch am
4. November 2023
(Premiere)

 

Mainfran­ken­theater Würzburg, Blaue Halle

Die Vier Jahres­zeiten opus 8 von Antonio Vivaldi, eine Sammlung von vier Violin­kon­zerten von 1726, sind wohl eines der bekann­testen klassi­schen Musik­stücke. Es begleitet uns als kaum wahrge­nom­mener Ohrwurm überall im Alltag, sogar bis ins WC bei guten Restau­rants, in Warte­schleifen am Telefon, in Geschäften … Seltsamer Weise nützt sich diese Musik nicht ab. Warum? Sie zeichnet Stimmungen nach, die sich verbinden mit den Gefühlen, die jahres­zeit­liche Verän­de­rungen in der Natur im Menschen auslösen können. Natur­er­schei­nungen wie Winde, Gewitter, Sturm, Kälte verbinden sich mit Reaktionen und Tätig­keiten von Menschen, umschrieben durch die Programm­musik. Die Thematik dieser Tondichtung und die wechselnden Tempi, die Gegen­sätze von schnell und langsam, eignen sich wohl auch für eine tänze­rische Gestaltung mit Kontrasten zwischen gemein­schaft­lichen und solis­ti­schen Passagen. Und davon ließ sich die Würzburger Ballett­chefin Dominique Dumais anregen zu einer Choreo­grafie nach der Vorgabe der Vier Jahres­zeiten. Doch sie nimmt als musika­lische Basis nicht Vivaldis berühmtes Werk, sondern die konge­niale Nachschöpfung von Max Richter, also recom­posed in elektro­ni­scher Bearbeitung des 1966 geborenen Kompo­nisten, veröf­fent­licht 2012 bei der Deutschen Grammophon. In die Blaue Halle des Würzburger Mainfranken-Theaters, einen vorher indus­triell genutzten Raum, fügt sich die moderne Version vom Band in ihrer tänze­ri­schen Umsetzung bestens ein. Die Choreo­grafie unter­streicht dabei in Harmonie mit dem Bühnenbild von Paul Zoller und den oft trans­pa­renten Kostümen von Kerstin Laube die poetische, positive Aussage; die Unter­schiede zwischen weiblich und männlich sind dabei verwischt.

Foto © Nik Schölzel

Im Mittel­punkt steht der Mensch im Einklang mit der Natur, sichtbar gleich am Anfang durch die Projektion eines Auges auf dem zentralen, beweg­lichen, halb durch­sich­tigen Segel auf der Bühne, und hörbar wird dann die Natur durch Vogel­zwit­schern. Denn der Frühling weckt mit warmem, gelbem Sonnen­licht alles auf, und die Menschen, die wie zögernd eine hintere, starre Brüstung übersteigen, können sich entfalten in freieren Bewegungen, legen ihre Spannung ab, strecken sich; einzelne treten aus der Masse heraus, schließen sich zu einem Paar im gefühl­vollen Tanz zusammen, gehen vonein­ander, bilden Gemein­schaften oder Reihen, oft in auch langsamen Figuren, sehr zart.  Die Paral­lelen zur Natur werden deutlich, wenn sich später Vogel­ge­stalten mit Kopfputz zusam­men­finden. Jede Jahreszeit ist farblich in den Kostümen und vom Licht von Andreas Just angedeutet. Im Frühling gibt es zarte Schat­tie­rungen, im Sommer dominieren stärkere Rottöne, im Herbst erinnert manches an satte Laub-Färbung, und der Winter wird durch eisige Abschat­tie­rungen von Grau bis Weiß zitiert. Auch auf dem Segel, das mal vor, mal hinter geschoben wird, variieren die Projek­tionen: Im Frühling ist goldgelbes Sonnen­licht zu erkennen, im Sommer mahnen Wolken­for­ma­tionen an drohende Gewitter, im Herbst gibt es müde Farben, und der Winter kündigt sich an mit Schnee­flocken-Tupfen, Nebel, weißem Licht, zerris­senen Eiskris­tallen. Am Ende schließt sich das Auge. Zwischen den einzelnen Sätzen, auch zur Einleitung der anderen Stimmung, gibt es Vogel­stimmen, Töne wie von sirrenden Insekten, fröhliche Musik, Windge­räusche, Sirrendes und Vogel­ge­kreisch. All das fügt sich zusammen zu einem jahres­zeit­lichen Stimmungs­ba­ro­meter und wird von der dreizehn­köp­figen Ballett­kom­pagnie in wechselnden Forma­tionen, als fesselnde Soli oder in beein­dru­ckenden Pas de deux, als geballte Menge von Menschen oder als Reihung nachvoll­zogen. Sprünge, Drehungen, Boden­fi­guren sind geprägt von geschmei­digen Bewegungen auch der Hände und Füße. Doch auch Witziges kommt zum Zug, wenn gerade im Winter Figuren mit Pelzmützen oder anderen wärmenden Zutaten sich über die Barriere heraus­trauen und sich dabei gegen­seitig necken. Alles bleibt bei der Choreo­grafie im Fluss, wechselt immer wieder Tempo und Ausdruck, und am Schluss begeben sich die Tänzer langsam ins Publikum als Zeichen, dass alle hier Teil der Menschen und ihrer Gefühle im Jahreslauf sind.

Das Premie­ren­pu­blikum im vollbe­setzten Haus ist begeistert und feiert alle Mitwir­kenden lange mit stehenden Ovationen.

Renate Freyeisen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: