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Foto © Dita

Zwei begeisternde Solisten

ZWEIMAL KÜNSTLERFREUNDE MIT ORCHESTER
(Diverse Komponisten)

Besuch am
12. und 19. Juni 2025
(Einmalige Aufführungen)

 

Mozartfest Würzburg, Kaisersaal der Residenz Würzburg

Nach mehreren gemein­samen oder solis­ti­schen Auftritten auch in verschie­denen Beset­zungen ist man beim Würzburger Mozartfest sehr gespannt, wie sich die beiden ausge­wählten befreun­deten Könner auf ihren Instru­menten, der Pianist William Youn und der Bratschist Nils Mönke­meyer, die artistes étoiles, zum Abschluss des Festivals mit Orchester präsen­tieren werden. Es sind, je nach Begleitung, recht unter­schied­liche Eindrücke. Eines aber stellt sich dabei heraus: Die zwei inter­na­tional renom­mierten Musiker überstrahlen alles.

William Youn, Pianist aus Südkorea, auch in Deutschland ausge­bildet, aber längst im Konzert­be­trieb bestens etabliert, hat die Amsterdam Sinfo­nietta unter ihrer dynami­schen Leiterin Candida Thompson an seiner Seite. Doch erst im zweiten Teil des Konzerts springt der Funke dank des Pianisten so richtig über. Denn das Kammer­or­chester aus den Nieder­landen hat für den Abend zwei Werke ausge­wählt, die im ersten Teil eigentlich nicht so recht zusam­men­passen, als Anfang Mozarts 1. Sinfonie Es-Dur KV 15, die er als Neunjäh­riger kompo­niert hat, gefolgt von Felix Mendelssohn Bartholdys letztem Streich­quartett f‑Moll opus 80, hier als Fassung für Streich­or­chester, entstanden 1847 aus Erschüt­terung über den plötz­lichen Tod seiner Schwester Fanny Hensel; vier Monate darauf starb Mendelssohn selbst. Während Mozarts erste Sinfonie noch irgendwie freundlich harmlos wirkt, bekommt die Bearbeitung des Quartetts für die Amsterdam Sinfo­nietta verstärkte Schwere dadurch, dass vier Celli und zwei Kontra­bässe die Düsternis des Trauer­stücks noch unter­streichen.  So berührt die Melan­cholie weniger, alles scheint völlig trostlos. Dazu kommt, dass der Orches­ter­klang hier ein wenig dumpf wirkt. Mozarts Frühwerk aber, vom Typus her eigentlich eine Ouvertüre, beginnt schwungvoll, mit flächigem Klang der feinen Violinen. Im langsamen, gut abgestuften Andante stören etwas die Hörner, die nicht ihren besten Tag haben; das schnelle, etwas undif­fe­ren­zierte Finale schließt alles ab. Geisterhaft flirrend beginnt die Orches­ter­fassung des Streich­quar­tetts, mit aufge­wühlten, tragi­schen Akzenten. Auch das Allegro verlässt die innerlich angespannte Stimmung nicht, bleibt düster, verstummt bald. Im immer wieder von den dunklen Strei­chern dominierten Adagio gibt es nur kurze, besänf­ti­gende, aber sonst mutlose Momente, während im Finale furiose Geigen drama­tische, auftrump­fende Akzente setzen und alles doch mitreißend endet.

Foto © Dita Vollmond

Ganz anders dann Mendels­sohns Drei Lieder ohne Worte für Klavier solo; hier beginnt Pianist William Youn, im ausge­fal­lenen Designer-Jackett auftretend, gleich das Andante con moto E‑Dur sehr flüssig, mit klarem, fein lichten Anschlag, alles durch­pulst von innerem Rhythmus, liedhaft schlicht gebunden; das Allegretto tranquillo fis-Moll, ein venezia­ni­sches Gondellied, gibt er fast sehnsüchtig, von leichter Melan­cholie durch­zogen, mit hellen Trillern, und das Allegro leggiero fis-Moll wechselt ab zwischen Stocken und nachdrück­licher Eile. Dann aber kann Youn mit wahrem Mozart-Glanz aufwarten im Klavier­konzert Nr. 12 A‑Dur KV 414. Zum lichten, hellen, flüssigen Orches­ter­klang gesellt sich nun die unauf­dring­liche Virtuo­sität des Klaviers mit sanfter Brillanz der klaren Anschläge; es treibt mit feinst gebun­denen, aber in sich deutlichen Läufen das Orchester voran; die vor Gedanken fast überquel­lende Kadenz mündet in einen glänzenden Schluss des Allegretto. Sehr sanft beginnt das Andante, gesteigert vom Klavier, nachdenklich phrasierend strahlt alles innere Ruhe aus; der verin­ner­licht zurück­hal­tende Klavierpart wird aufge­fangen von feinen Strei­cher­flächen. Das gut gelaunte Rondeau mit spiele­ri­schen Klavier-Läufen strebt auf einen mitrei­ßenden, virtuosen Schluss zu. Da erfordert der lange Beifall für den Pianisten auf jeden Fall noch Zugaben, zuerst ein Larghetto von Fanny Hensel, und dann noch einen bravou­rösen 1. Satz von Mozarts Klavier­sonate KV 282 Es-Dur, klar, perlend gespielt.

Der Abend mit den Bamberger Sympho­nikern, in etwas kleinerer Besetzung wegen des histo­ri­schen Kaiser­saals, ist geprägt einer­seits von dem eingän­gigen, „gefäl­ligen“ Konzert des Mozart-Zeitge­nossen Antonio Rosetti für Viola und Orchester in G‑Dur von etwa 1786, anderer­seits von unglaublich komplexen Meister­werken Mozarts, der rätsel­haften Maure­ri­schen Trauer­musik c‑Moll KV 477 aus dem Jahr 1785 und dem krönenden Abschluss von Mozarts sinfo­ni­schem Schaffen, seiner letzten Sinfonie, der so genannten Jupiter-Sinfonie C‑Dur KV 551 von 1788. Was aber die „Einrahmung“ des Rosetti-Konzerts mit zwei so schwer­ge­wich­tigen Werken Mozarts anlangt – hier ist sie angemessen als Kontrast­folie, um vor dem zwar handwerklich gut gelun­genen, vor allem der Präsen­tation der Möglich­keiten der Viola dienenden Kompo­sition des aus Tsche­chien stammenden Rosetti Mozarts Einma­ligkeit deutlicher und besser hervor­treten zu lassen. Nils Mönke­meyer aber macht auf seiner Viola von Philipp Augustin sein Konzert zum Ereignis mit seinen ungeheuer virtuosen klang­lichen Finessen und erfüllt so mit seinem außer­ge­wöhn­lichen Spiel mehr als alle Erwar­tungen. Es faszi­niert, wie er das Instrument in allen Nuancen erklingen lässt, und das Orchester verströmt gleich im Eingangssatz beste Laune, tänze­ri­schen Schwung, dank auch hervor­ra­gender Bläser, bevor dann Mönke­meyer sehr geläufig, mit sattem, vollen, schön abgestuftem Ton der Viola einsetzt, seidig schmei­chelndes Legato hören lässt, auch die vertrackt schnellen Läufe mühelos mit Wohlklang versieht, immer im Dialog mit dem Orchester.

Foto © Ingo Peters

Das Grazioso, sanft im Orchester begonnen, wird auf der Viola genussvoll melodisch ausge­kostet, die leichte Moll-Trübung sehnsüchtig vom Orchester aufge­nommen; zu bewundern sind die scheinbar mühelos absol­vierten techni­schen Finessen, was zum Final­rondo mit virtuosem Anfang hinleitet, wo Mönke­meyer seine Viola beein­dru­ckend singen lässt, alles wunderbar abgewogen in rhyth­mi­schem Einver­ständnis mit dem Orchester bis zu einem hexerisch schnellen, furiosen Ende. Riesen­jubel danach, ständige Bravo-Rufe und als Zugabe eine herrlich verin­ner­lichte Bach-Sarabande. Doch die Bamberger Sympho­niker unter dem kanadi­schen, sehr engagiert auch körperlich mitge­henden Dirigenten Bernard Labadie haben schon mit der Maure­ri­schen Trauer­musik vorher ein Fundament zum genauen Hinhören gelegt: Mit viel Ruhe, fein abgestuften, sich langsam mit geradezu weihevoll entwi­ckelnden, auch sehnsüch­tigen Momenten wirkt alles insgesamt sehr dunkel, aber trotz starker Akzente nie wuchtig. Das erscheint bei Mozarts Jupiter-Sinfonie wieder etwas anders. Der Dirigent begreift sie als männlich-stark, kraftvoll packend, als ein hochdra­ma­ti­sches Werk mit Ecken und Kanten, vernach­lässigt aber dennoch nicht die herrlich zarten, Ausglei­chendes vermit­telnden Übergangs-Figuren, betont die Struktur, hebt dabei die Vielfäl­tigkeit der Emotionen, die drama­ti­schen Gegen­sätze zwischen melodi­scher Anmut und mächtigem Vorwärts­drängen hervor.

Der zweite Satz, durch­zogen von innerer Ruhe, zeigt tragische Anwand­lungen, viele Spannungen; bewun­dernswert hier die trans­parent fein klingenden Streicher und die hervor­ra­genden Bläser; sehr genau werden die gegen­sätz­lichen Motive heraus­ge­ar­beitet. Irgendwie verhalten beginnt das Menuett, wird nachdrück­licher, und der Dirigent, den es manchmal kaum auf seinem Sitz hält, gibt mit Händen und Armen vielfältige Impulse für die Melodie­bögen und den hüpfenden Rhythmus. Das Finale hebt ganz fein an, gewinnt sofort an Geschwin­digkeit und erregter Bewegung, steigert die Spannung, bis alles mächtig, mit markigen Akzenten immer mehr mitreißend endet. Der Beifall für die kraft­volle Inter­pre­tation fernab vom reinen Genuss im ausver­kauften Saal ist riesig, lang, groß, und dem begeis­terten Publikum widmet dann das Orchester noch eine turbulent dahin­wir­belnde, leuch­tende Figaro-Ouvertüre.

Renate Freyeisen

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