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Nach dem strengen, gleichwohl eindrucksvollen Saisonauftakt mit Strawinskys herb tönendem Oedipus Rex kann sich das Wuppertaler Publikum derzeit über Mangel an klingendem Süßstoff nicht beklagen. Dass Giacomo Puccinis Opern-Hit La Bohème dennoch nicht zu einem reinen Rührstück zerfließt, ist sowohl der stilsicheren musikalischen Ausführung als auch dem klugen szenischen Konzept der Neuproduktion zu verdanken.
Sowohl Generalmusikdirektorin Julia Jones am Pult des Wuppertaler Sinfonieorchesters als auch das junge, ausnahmslos überzeugende Ensemble und nicht zuletzt Regisseur Immo Karaman gelingt es, das Stück als das zu begreifen, was es eigentlich ist: als einfühlsames Panorama junger Leute auf dem dornigen Weg in die Erwachsenenwelt. Optisch reichen dem Regisseur dafür schlichte Umzugs- und Pappkartons aller Größen, für die Kostüme der Choristen genügt ihm Packpapier in Hülle und Fülle. Symbole einer jungen Studenten- und Künstlergemeinschaft, die ihren festen Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden hat und die materielle Engpässe noch mit jugendlicher Energie, Übermut, vielen Illusionen und etlichen Freund- und Liebschaften überspielen kann. Wie raffiniert Karaman mit den schlichten Kartons Situationen, Schauplätze und Stimmungen steuert, erinnert an die beneidenswerte Fähigkeit von Kindern, mit ihrer Fantasie aus einem Stück Pappe ganze Universen erstehen lassen zu können. Eine geschickte Lichtregie und handwerkliche Perfektion sorgen für zusätzliche kleine Bühnenwunder.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Puccini zeigt die Welt junger Leute in einem Entwicklungsstadium, in dem der Liebeshimmel nicht nur voller Geigen hängt, sondern auch seine Schattenseiten zeigt. Treue, Eifersucht, Enttäuschung und letztlich der Tod führen die Bohemiens in die ersten extremen Lebenskrisen. Die übermütigen, von Karaman erfreulich dezent ausgeführten Albernheiten sind Vergangenheit, ebenso der Glanz des Weihnachtsspektakels, den Karaman wie eine mechanische Revue ablaufen lässt. Prozesse, die Puccini mit seiner Musik minutiös nachvollzieht und Karaman mit wachem Ohr und einer detailgenauen und einfühlsamen Personenführung aufgreift und umsetzt. Damit gelingt ihm ohne jede verkrampfte Verbiegung des Librettos ein nahezu perfekter Spagat zwischen Realismus und Illusion, zwischen Jugendträumen und den großen und kleinen Katastrophen des Erwachsenenalltags.

Und das alles in harmonischem Einklang mit Maestra Julia Jones, die gleich mit jugendlichem Überschwang in die erste Szene einfährt und im weiteren Verlauf den feinen Stimmungswechseln minutiös nachgibt. Gefühle, auch weiche und große, kommen dabei nicht zu kurz. An der prinzipiell straffen, an den angebrachten Stellen aufblühenden Leitung der Dirigentin gibt es nichts auszusetzen.
Ebenso wenig an dem erfreulich jungen und stimmlich rundum überzeugenden, teilweise fast sensationell auftrumpfenden Ensemble. Dass Nachwuchskräfte wie der Tenor Sangmin Jeon oder die Sopranistin Ralitsa Ralinova zum Stammensemble des Hauses gehören, dazu kann man Wuppertal nur gratulieren. Sangmin Jeon bringt für den Rodolfo alles mit, was die anspruchsvolle Rolle erfordert: lyrische Wärme, metallische Strahlkraft, eine stabile Kondition und eine ausgeglichene Beherrschung aller Register. Und Ralitsa Ralinova singt mit ihrem kerngesunden und substanzreichen Sopran selbst die hysterischsten Attacken der Musetta kontrolliert und mit voller Stimme aus, ohne Gefahr zu laufen, in soubrettenhaft leichtgewichtige Gefilde zu geraten. Li Keng als Gast präsentiert sich in geradezu sensationeller Höchstform und vermag Mimìs besonders differenzierte Entwicklung vom schüchternen Mädchen zur liebenden und letztlich sterbenden Frau darstellerisch und vor allem stimmlich überragend zu vermitteln. Und Aleš Jenis beweist trotz seines mächtigen Baritons, dass Puccini dem Marcello mehr als nur markige Töne in die Kehle geschrieben hat. Simon Stricker als Schaunard und Sebastian Campione als Colline runden das nahezu perfekte Ensemble adäquat ab. Eingeschlossen die präzisen Chöre der Wuppertaler Bühnen.
Begeisterter Beifall für die Modellinterpretation eines Repertoire-Knüllers, der in dieser Form noch taufrisch wirkt. Keine leichte Vorlage für die Deutsche Oper am Rhein, die das Stück am kommenden Freitag in Duisburg in einer Neuinszenierung zeigen wird.
Pedro Obiera