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Foto © O-Ton

Power pur

DOPPELKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
8. November 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Opensky im Knipex-Forum, Wuppertal 

Das Wupper­taler Jazzmeeting, das es seit 2003 jedes Jahr im Herbst gibt, ist Kult. Während der ersten zehn Jahre verant­wor­teten ein paar Personen unter dem Namen Jazznetz Wuppertal die Treffen. Schließlich, als einige nicht mehr mitmachten und es an einer seriösen Abwick­lungs­plattform mangelte, wurde der Verein Opensky gegründet, der sich seitdem darum kümmert. Viel hat sich seitdem getan. Fand es zuerst nur an einem einzigen Tag mit mehreren Bands im Café Ada statt, ist es stetig gewachsen. Weitere Veran­stal­tungsorte wurden gefunden. Traten früher eher Bands aus der Stadt und Umgebung auf, kommen nun auch Musiker aus der Ferne. Neu ist in diesem Jahr die Koope­ration mit dem Kölner Verein Multi­phonics, der ebenfalls zur gleichen Zeit ein Festival in der Domstadt, Düsseldorf und Wuppertal veran­staltet. Man verspricht sich davon Syner­gie­ef­fekte. Der diesjährige starke Publi­kums­zu­wachs scheint ihnen Recht zu geben. In diesem Jahr sind es zehn Tage, an denen an sieben Orten vierzehn Forma­tionen plus drei Bewerber im Nachwuchs-Wettbewerb Wild Card Contest zu Gast sind. An einem Abend hat die Firma Knipex im Ortsteil Cronenberg die Pforten ihres Forums geöffnet, um zwei Forma­tionen die Möglichkeit zu geben, sich voll zu entfalten. Die lassen sich nicht zweimal bitten und geben kulti­viert musika­lisch richtig Vollgas.

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Schon der Opener hat es so richtig in sich. Es ist das Richard-Koch-Quartett, das sich aus einem klassi­schen Jazztrio, also mit der Besetzung Klavier, Kontrabass und Schlagzeug plus einer Trompete zusam­men­setzt. Präsen­tiert werden Stücke aus der Feder Richard Kochs, dokumen­tiert auf den Alben Stadt und Fluss, die an Groove, Drive und Power keine Wünsche offen­lassen. Pauli, In The Sky, Flowing Up oder Sun And Clouds kommen ungemein energie­ge­laden daher, wobei der Trompeter neben seinem hohen virtuosen Vermögen eine variable Tongebung an den Tag legt: von lyrischen Kanti­lenen über markige Momente, wirbelnde Tonfolgen bis hin zu schrei­enden Eruptionen. Solch hohen Quali­täten stehen seine drei Kollegen in nichts nach. Michael Hornek präsen­tiert ruhige wie treibende vielschichtige Harmonien. Igor Spallati zaubert aus seinem Kontrabass pulsie­rende Riffs. Und Moritz Baumgärtner entlockt neben einigen sensiblen Passagen seinen Trommeln und Becken packende rockige, treibende Beats. Die Mischung aus tradiertem Jazz und Jazzrock kommt unglaublich intensiv und dicht von der Bühne. Es gibt zwar ein paar in sich ruhende Passagen. Doch in der Regel demons­triert das Quartett musika­lische Power pur. Das kommt richtig gut an. Das Publikum ist hellauf begeistert und entlässt erst nach einer Zugabe notge­drungen die Vollblut­mu­siker vom Podium.

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Denn die zweite Band will ebenfalls den Ort des Geschehens zum Überkochen bringen. Und das gelingt ihr zweifelsohne. Es handelt sich um die Hausband von Opensky, genannt die Opensky Hip Fellows. Sie setzt sich zusammen aus semipro­fes­sio­nellen und profes­sio­nellen Musikern, die von Anfang an bei den anno 1992 gegrün­deten und monatlich statt­fin­denden Jazzses­sions, deren Organi­sation ebenfalls in den Händen von Opensky liegt, im Café Ada mitmachen: Pianist und Keyboarder Ulrich Rasch, Matthias Kurzhals am Sopran- und Altsa­xofon, E‑Bassist Enno Kremser und Schlag­zeuger Dima Kupchenko. Seit drei Jahren ist Paco Monte­negro an der Posaune mit dabei. Neues Mitglied ist E‑Gitarristin Irina Alekseeva. Die sechs Musiker, die ihre Instru­mente musika­lisch wie handwerklich perfekt beherr­schen, haben sichtlich großen Spaß an fetzigen Darbie­tungen. Anhand der ersten vier Stücke aus den Federn von Rasch, Kurzhals, Kremser und Alekseeva heizen sie den Zuhörern mit einer gesunden Mischung aus coolem Jazz, Rock und Funk so richtig ein. Hinzu gesellt sich anschließend Sängerin Deborah van Berg, die mit ihrer ausdrucks­starken Stimme gekonnt eine kolum­bia­nische Nummer im verjazzten Tanz Bambuco zum Besten gibt. Dann, beim Come On, Come Over von Jaco Pastorius, gibt es Heavy Jazzrock vom Feinsten. Mit dabei ist jetzt auch Akanni Humphrey. Bereits jetzt, aber anschließend im Finale noch viel mehr, entfacht der mittler­weile in Wuppertal lebende Enter­tainer aus den New Yorker Bronx ein großes, nicht enden wollendes Feuerwerk an Hip-Hop, Rap, Funk. Davon lassen sich die Musiker anstecken, die es unter anderem nicht mehr auf ihren angestammten Plätzen hält und über die Bühne wuselnd mit hoher Virtuo­sität brillieren. Auch das Publikum, das schließlich ganz aus dem Häuschen ist, wird mit einbezogen.

Hartmut Sassen­hausen

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