O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DOPPELKONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
8. November 2024
(Einmalige Aufführung)
Das Wuppertaler Jazzmeeting, das es seit 2003 jedes Jahr im Herbst gibt, ist Kult. Während der ersten zehn Jahre verantworteten ein paar Personen unter dem Namen Jazznetz Wuppertal die Treffen. Schließlich, als einige nicht mehr mitmachten und es an einer seriösen Abwicklungsplattform mangelte, wurde der Verein Opensky gegründet, der sich seitdem darum kümmert. Viel hat sich seitdem getan. Fand es zuerst nur an einem einzigen Tag mit mehreren Bands im Café Ada statt, ist es stetig gewachsen. Weitere Veranstaltungsorte wurden gefunden. Traten früher eher Bands aus der Stadt und Umgebung auf, kommen nun auch Musiker aus der Ferne. Neu ist in diesem Jahr die Kooperation mit dem Kölner Verein Multiphonics, der ebenfalls zur gleichen Zeit ein Festival in der Domstadt, Düsseldorf und Wuppertal veranstaltet. Man verspricht sich davon Synergieeffekte. Der diesjährige starke Publikumszuwachs scheint ihnen Recht zu geben. In diesem Jahr sind es zehn Tage, an denen an sieben Orten vierzehn Formationen plus drei Bewerber im Nachwuchs-Wettbewerb Wild Card Contest zu Gast sind. An einem Abend hat die Firma Knipex im Ortsteil Cronenberg die Pforten ihres Forums geöffnet, um zwei Formationen die Möglichkeit zu geben, sich voll zu entfalten. Die lassen sich nicht zweimal bitten und geben kultiviert musikalisch richtig Vollgas.

Schon der Opener hat es so richtig in sich. Es ist das Richard-Koch-Quartett, das sich aus einem klassischen Jazztrio, also mit der Besetzung Klavier, Kontrabass und Schlagzeug plus einer Trompete zusammensetzt. Präsentiert werden Stücke aus der Feder Richard Kochs, dokumentiert auf den Alben Stadt und Fluss, die an Groove, Drive und Power keine Wünsche offenlassen. Pauli, In The Sky, Flowing Up oder Sun And Clouds kommen ungemein energiegeladen daher, wobei der Trompeter neben seinem hohen virtuosen Vermögen eine variable Tongebung an den Tag legt: von lyrischen Kantilenen über markige Momente, wirbelnde Tonfolgen bis hin zu schreienden Eruptionen. Solch hohen Qualitäten stehen seine drei Kollegen in nichts nach. Michael Hornek präsentiert ruhige wie treibende vielschichtige Harmonien. Igor Spallati zaubert aus seinem Kontrabass pulsierende Riffs. Und Moritz Baumgärtner entlockt neben einigen sensiblen Passagen seinen Trommeln und Becken packende rockige, treibende Beats. Die Mischung aus tradiertem Jazz und Jazzrock kommt unglaublich intensiv und dicht von der Bühne. Es gibt zwar ein paar in sich ruhende Passagen. Doch in der Regel demonstriert das Quartett musikalische Power pur. Das kommt richtig gut an. Das Publikum ist hellauf begeistert und entlässt erst nach einer Zugabe notgedrungen die Vollblutmusiker vom Podium.

Denn die zweite Band will ebenfalls den Ort des Geschehens zum Überkochen bringen. Und das gelingt ihr zweifelsohne. Es handelt sich um die Hausband von Opensky, genannt die Opensky Hip Fellows. Sie setzt sich zusammen aus semiprofessionellen und professionellen Musikern, die von Anfang an bei den anno 1992 gegründeten und monatlich stattfindenden Jazzsessions, deren Organisation ebenfalls in den Händen von Opensky liegt, im Café Ada mitmachen: Pianist und Keyboarder Ulrich Rasch, Matthias Kurzhals am Sopran- und Altsaxofon, E‑Bassist Enno Kremser und Schlagzeuger Dima Kupchenko. Seit drei Jahren ist Paco Montenegro an der Posaune mit dabei. Neues Mitglied ist E‑Gitarristin Irina Alekseeva. Die sechs Musiker, die ihre Instrumente musikalisch wie handwerklich perfekt beherrschen, haben sichtlich großen Spaß an fetzigen Darbietungen. Anhand der ersten vier Stücke aus den Federn von Rasch, Kurzhals, Kremser und Alekseeva heizen sie den Zuhörern mit einer gesunden Mischung aus coolem Jazz, Rock und Funk so richtig ein. Hinzu gesellt sich anschließend Sängerin Deborah van Berg, die mit ihrer ausdrucksstarken Stimme gekonnt eine kolumbianische Nummer im verjazzten Tanz Bambuco zum Besten gibt. Dann, beim Come On, Come Over von Jaco Pastorius, gibt es Heavy Jazzrock vom Feinsten. Mit dabei ist jetzt auch Akanni Humphrey. Bereits jetzt, aber anschließend im Finale noch viel mehr, entfacht der mittlerweile in Wuppertal lebende Entertainer aus den New Yorker Bronx ein großes, nicht enden wollendes Feuerwerk an Hip-Hop, Rap, Funk. Davon lassen sich die Musiker anstecken, die es unter anderem nicht mehr auf ihren angestammten Plätzen hält und über die Bühne wuselnd mit hoher Virtuosität brillieren. Auch das Publikum, das schließlich ganz aus dem Häuschen ist, wird mit einbezogen.
Hartmut Sassenhausen