O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Stößels Commödchen

DREI MORDE, KÜCHE, BAD
(Carsten Golbeck)

Besuch am
27. Juli 2018
(Premiere am 6. Juli 2018)

 

KS Theater Wuppertal, Komödie Wuppertal

Die Komödie Wuppertal ist tot. Es lebe die Komödie Wuppertal. Kristof Stößel steht in lockerer Freizeit­kleidung und Sanda­letten auf der Bühne und teilt den Pauken­schlag nach dem Schluss­ap­plaus scheinbar gelassen mit. Er selber, sagt er, weiß es erst seit acht Stunden. Die Vorpäch­terin hat die Segel gestrichen, und Stößel hat seinen Mietvertrag just unter­zeichnet. Mit dem rauschenden Applaus ob dieser Nachricht könnte eine lange Odyssee zu Ende gehen. Nach seinem Auszug aus dem Tanzhaus war der Theater­macher mit seinem Ensemble als Unter­mieter in die Komödie Wuppertal gezogen. Die erste Freude über große Anfangs­er­folge verflog rasch, weil die Finan­zierung einfach nicht zu sichern war. Bei wachsender Anhän­ger­schar stand die Zukunft alsbald wieder in den Sternen. Stößel dachte laut darüber nach, aus Wuppertal abzuwandern. Für viele Wupper­taler inzwi­schen eine unvor­stellbare Entwicklung. Allzu gut passt das neue Ensemble in die Wupper­taler Komödie am Elber­felder Karls­platz. Findet auch der Vermieter und hat vernünftige Kondi­tionen geschaffen.

Jetzt steht also alles wieder auf Anfang. Aber auf einer, wie es aussieht, vernünf­tigen Basis. Stößels Abenteuer seines Lebens hat begonnen. Und warum er es annimmt? Weil er sich in einem starken Umfeld bewegt. Und dazu gehört ein Ensemble, das sich vor nichts und niemandem zu verstecken braucht. Beweis gefällig? Drei Morde, Küche, Bad müssen genügen. So heißt das Stück von Carsten Golbeck, das Sabine Reinhardt für das KS Theater Wuppertal insze­niert hat. Der Einheits­büh­nenraum ist ziemlich abgerockt. Florale Tapeten hängen von den Wänden herunter, Bauträger sind einge­zogen. Zusätzlich zum bekannten Abgang in der hinteren linken Ecke führen davor ein paar Treppen­stufen in ein unsicht­bares Zimmer. Am rechten Bühnenrand vorn gibt es die Tür für den zweiten Abgang. Links noch ein Sofa, später kommt ein „Büffet“ in der rechten Bühnen­hälfte hinzu. Im Hinter­grund gibt es noch einen Fenster­rahmen, hinter dem wahrhaftig ein Prospekt aufge­hängt ist, das einen wolkig­blauen Himmel zeigt. Golbeck will eine „Komödie zur Immobi­li­en­markt-Misere“ erzählen. Auf Raffi­nesse verzichtet er dabei weitgehend. Statt­dessen setzt er auf Zoten, Sponti-Sprüche, die wirklich jeder kennt, und glück­li­cher­weise auch auf litera­rische Zitate von Epikur bis Sartre.

Foto © O‑Ton

Die Handlung beginnt inter­essant, um sich dann ein bisschen im Nirgendwo zu verlieren. Ein Ehepaar betritt eine neu erworbene Wohnung im vierten Stock eines Hochhauses und vermisst sie, um sie zu beziehen. Ziemlich weit hergeholt fällt der frisch­ge­ba­ckenen Feng-Shui-Beraterin Irene eine Leiche in die Hände. Während die von Irene und ihrem ultra­linken Freidenker-Ehemann Uwe im Nebenraum versteckt wird, erscheinen Philipp und Jana auf der Bühne. Sie wollen die Wohnung für einen Empfang von Inves­toren vorbe­reiten. Beide Paare haben die Dreizimmer-Wohnung gekauft. Dann fällt auch Jana die Leiche in die Hände. Die beiden Paare treffen aufein­ander, streiten darüber, wem die Wohnung gehört, während sich heraus­stellt, dass Jana schwanger ist. Nicht ganz schlüssig wird die Wohnung in der Fantasie Philipps erst zur Traum­wohnung Janas, ehe sich heraus­stellt, dass aus dem Hochhaus ein Sanie­rungs­objekt wird. Reinhardt kitzelt die wenigen Effekte, die das Stück bietet, ordentlich heraus, bringt es mit einer Rap-Einlage in der zweiten Hälfte auch noch mal richtig in Schwung und bezieht das Publikum mit ein, ohne es allzu sehr heraus­zu­fordern. Wo das doch einmal passiert, geht es auch schief. Das Publikum will sich amüsieren, nicht mitspielen.

Und damit das in dieser flotten Insze­nierung funktio­niert, hat Stößel ein brillantes Ensemble auf die Bühne gestellt. Oder auch mal gelegt. Prächtig macht sich Swen Wauer als schwer­ge­wichtige Leiche. Eric Haug macht als Uwe „bella figura“, wenn er mit Wohlstands­bauch und kurzen Hosen Zitate in den Raum wirft, weil er viel weiß, aber selber wenig zu sagen hat. Als Feng-Shui-Beraterin Irene dreht Viviane Flückiger gerade so weit auf, dass man nicht in Klischees ertrinkt, entwi­ckelt im weiteren Verlauf Kämpferpose, bleibt immer glaub­würdig und gefällt als ewige Verlie­rerin ohne Verkrampft­heiten. Melanie Spielmann bringt die rotzige, verwöhnte Göre Jana mit ihren Gefühls­wal­lungen, die mitunter arg schnell wechseln, witzig und glaubhaft auf die Bühne. Auch Jan Philip Keller ist als Erbe, der glaubt, mit Geld alles in den Griff zu bekommen, hervor­ragend besetzt.

Einem überra­genden Ensemble gelingt es in einer überzeu­genden Insze­nierung, einem thema­tisch an der Oberfläche dümpelnden Stück, das mehr Wert auf den „Wortwitz“ als auf Dramatik legt, viel Spaß abzuge­winnen. Das Publikum im halbwegs gut besuchten Theater amüsiert sich hervor­ragend und bedenkt die Darsteller mit viel Beifall. Spaßige Ablenkung von Sommer­hitze und Alltags­stress ist in Stößels Commödchen, so mögli­cher­weise der künftige Name der Komödie, garan­tiert. Dass der Theater­leiter für die Zukunft noch mehr in Planung hat, dürfte wohl so sicher sein wie die Kollekte in der Kirche.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: