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DUO NUSS UND NUSS
(Diverse Komponisten)
Besuch am
28. März 2025
(Einmalige Aufführung)
Wenn der Vater mit dem Sohne. Nein, es geht nicht um die Geschichte von Teddy Lemke und dem kleinen Ulli in dem gleichnamigen schwarzweißen Heinz-Rühmann-Streifen aus dem Jahr 1955, sondern um zwei Musiker, Vater und Sohn, die hin und wieder gemeinsam auf Konzertbühnen zu erleben sind.
Der eine heißt Ludwig Nuss. 1961 geboren, hat er sich als Jazzposaunist in Europa einen hervorragenden Ruf erworben. Vor seiner Spielweise ziehen manche Kollegen ihren Hut. Er ging bei James Wigham in die Lehre, war anschließend in der Kölner Studioszene tätig, an Aufnahmen für Rundfunk, Fernsehen und Tonträger beteiligt. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied der SDR-Big-Band in Stuttgart. Danach ging er zurück nach Köln, wo er bis heute der Leadposaunist der WDR-Big-Band ist. Daneben musiziert er überregional in kleinen Besetzungen. Mit vielen Jazzgrößen wie Rob McConnell, Lalo Schfirin, Phil Woods, Peter Erskine oder den Brecker Brothers hat er zusammengearbeitet.

Der andere ist sein Sohn Benyamin Nuss. Der Pianist erblickte 1989 das Licht der Welt, wurde früh musikalisch gefördert und absolvierte ein klassisches Klavierstudium. Klassikkonzerte bestritt er bereits mit dem WDR-Rundfunkorchester Köln, den Warschauer Symphonikern oder dem Gewandhausorchester Leipzig. Auf großen Konzertbühnen gastierte er: Konzertreisen führten ihn bis nach Japan und in die USA. Aber auch dem Jazz, der im Familienblut liegt, wendet er sich zu und übt das Genre im Duo, Trio und Quartett aus. Etliche Auszeichnungen erhielt er inzwischen.
Beide sind nun im Rahmen der Reihe Friday Night Jazz Club in Wuppertals Bandfabrik gekommen, um eindrucksvoll zu demonstrieren, dass Vater und Sohn musikalisch bestens miteinander harmonieren können. Wie perfekt sie zusammenspielen können, zeigt sich etwa zum Schluss anhand des Standards Pent-Up House von Sonny Rollins. Denn das schnelle und rhythmisch markante Thema kommt im Unisono lupenrein wie aus einem Guss von der Bühne. Aber auch musikalisch verstehen sie sich ausgezeichnet, wenn beispielsweise ihre Soli wie fein abgestimmte, temperamentvolle, aber auch in sich ruhende musikalische Dialoge anmuten. Außerdem nehmen die ebenfalls bekannten Nummern On Green Dolphin Street von Bronislaw Kaper, Charlie Parkers Cherokee, Clifford Browns Joy Spring, Eiderdown von Steve Swallow und Chat Bakers My Funny Valentine in der kleinen Besetzung kammermusikalisch-detaillierten Charakter an. Auch Eigenkompositionen mit laut Benyamin Nuss privaten Bezügen haben sie mit im Gepäck: Bad Day und Wordless vom Sohn sowie Vaters Caress und What Now. In der Regel handelt es sich bei dem Programm um ruhige Nummern und Balladen, das intensiv und dicht präsentiert wird.
Stets fasziniert Ludwig Nuss mit einer großen, warmen, singenden Tongebung und selbst bei wieselflinken und hochvirtuosen Passagen mit stets absolut präzisen Phrasierungen. Selbst hochgradig schwere Spieltechniken beherrscht er an diesem Abend unverkrampft, spielerisch leicht. Auch Sohn Benyamin überzeugt mit einem Klavierspiel erster Güte. Seine Improvisationen gestaltet er mit einem sicheren Verständnis für Harmonien, mit denen er kunstfertig spielt und sie geschickt rückt. Dabei spielt er mit Klangfarben, die seine klassischen Vorlieben für die romantische und impressionistische Epoche immer wieder durchschimmern lassen. Auch sein variables Skalenspiel ist exzellent.
Das Publikum im vollbesetzten Veranstaltungsraum zeigt sich ob des emotional tiefen, hochmusikalisch-packenden Duo-Spiels hellauf begeistert und spendet nach jeder Nummer ausgiebigen Beifall. Für den frenetischen Schlussapplaus bedankt sich das Duo mit dem beschaulichen Stück Your Decision aus der Feder von Benyamin Nuss.
Hartmut Sassenhausen